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Umweltpolitik

Ablasshandel mit der Natur

23.01.2015 | 06:00 Uhr
Ablasshandel mit der Natur
Beispiel Mühlendiek: Nachbargelände sollten auf Altlasten üntersucht werden.Foto: Thomas Schmidtke

Die Bezirksvertretung Nord, die am Donnerstag im Rathaus in Gelsenkirchen- Buer tagte, hat zwei kleine Grundstücke in Hassel in das Ökokonto der Stadt aufnehmen lassen. Ein Gespräch mit Michael Hamann (BUND) über Sinn und Unsinn der Aktion

„Resterampe“ nennen Kritiker das Ökokonto der Stadt. In der Bezirksvertretung Nord stimmten die Politiker gestern dafür, zwei kleine Grundstücke in Hassel und Scholven diesem Ökokonto zuzuschlagen. Angelika Wölke sprach mit Michael Hamann, Vorsitzender des Landschaftbeirates und BUND-Vertreter.

Ist ein Ökokonto sinnvoll?

Hamann: Die Idee ist nicht schlecht. Man sucht Ausgleichsflächen für solche, die man der Natur an anderer Stelle zum Beispiel durch Bebauung und Versiegelung entzieht.

Ausgleichszahlungen
So funktioniert das Ökokonto

Seit dem 1. Januar 2001 können Eingriffe in Natur und Landschaft in Gelsenkirchen auch an anderer Stelle als am Ort des tatsächlichen Eingriffs ausgeglichen werden.

Neben dieser räumlichen Entkoppelung können aber auch Maßnahmen zum Ausgleich bereits im Vorgriff auf Baumaßnahmen durchgeführt werden und zu einem späteren Zeitpunkt mit ihnen verrechnet werden.

Die Kosten werden von der Stadt vorfinanziert und zu einem späteren Zeitpunkt verrechnet. Diese Flächenbevorratung erfolgt durch das „Ökokonto“.

Nehmen wir das konkrete Beispiel an der Valentinstraße. 11 370 Quadratmeter Land, eingepfercht zwischen zwischen Wohnbebauung und Eisenbahnlinie . . .

Die Fläche ist sehr klein. Mit den Ökopunkten, die ich dafür bekomme, kann ich nur einen Teil dessen abdecken, was ich zum Beispiel für die Errichtung des Waldquartiers auf dem Gelände der ehemaligen Kinderklinik brauche. Den Lebensraum, den ich Feldlärche und Kiebitz im Waldquartier wegnehme, schaffe ich dort nicht. Die Vögel werden sich dort auch nicht ansiedeln, weil das kleine Gelände zu nah an einer Wohnbebauung liegt.

Alles also nur ökologische Augenwischerei?

Zum Teil ja. Denn die Funktion für den Naturhaushalt bleibt auf der Strecke. Ökokonten schaffen oftmals keinen adäquaten Ausgleich für den tatsächlichen Eingriff in die Natur.

Wenn ich den Gedanken des Ökokontos ernst nehmen würde, müsste ich also Flächen in direkter Nachbarschaft zu den zu versiegelten Grundstücken unter Schutz stellen?

Ja, aber das ist meistens nicht der Fall. Es werden häufig Flächen genommen und unter Schutz gestellt, mit denen keiner etwas anfangen kann.

Was halten Sie denn von der zweiten Fläche, die dem Ökokonto gutgeschrieben werden soll: das 13 527 Quadratmeter große – oder sollte ich besser kleine Stück sagen – am Mühlensiek in Hassel. Zwischen Sportplatz, Bergeumladeanlage und Kläranlage?

Auch hier sehe ich die Sinnhaftigkeit eher kritisch. Man müsste untersuchen, ob auf den Nachbargrundstücken Altlasten lagern. Dann hätte es keinen ökologischen Vorteil. Formal gibt es aber Ökopunkte.

Ein „Ablasshandel mit Natur“ wie Annette Leipelt vom Nabu einst kritisierte?

Zum Teil sicherlich. In der letzten Sitzung des Landschaftsbeirates haben wir kritisiert, dass für Baumfällungen und Holzrodungen entlang der Kanalzone Ausgleichsflächen auf der ehemaligen Zeche Dahlbusch in Rotthausen angerechnet wurden. Da frag’ ich mich doch: Was hat der Norden davon? Es ist auch bereits vorgekommen, dass für Eingriffe in Gelsenkirchen, Ausgleichsflächen vom RVR in der Kirchhellener Heide herangezogen wurden. Das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Wo bleibt das Positive?

Ausgleichsflächen, oftmals sehr geringwertige Flächen, erhalten eine Aufwertung durch Bepflanzung. Gäbe es das Ökokonto nicht, würden sie weiter brach liegen.

Angelika Wölke

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2015-01-23 06:00
Gelsenkirchen-Buer