30 Jahre alter Vertrag aufgetaucht

Seit Monaten gibt es Klagen der Anwohner in Polsum und Alt-Marl, die sich wegen der Geruchsbelästigungen der Tierkörperbeseitigungsanstalt der Firma Saria beschweren. 250 Beschwerden sind in den letzten Wochen und Monaten beim Kreis Recklinghausen eingegangen. Jetzt macht die Bürgerinitiative MHNV (Marler haben Nase voll) Druck.

Auch gegen die Pläne des Unternehmens, im Frentroper Landschaftsschutzgebiet seinen Standort ausbauen. Unterstützung erhalten die Polsumer und Alt-Marler Bürger von der CDU. „Die CDU Alt-Marl lehnt eine Erweiterung einstimmig und ohne Wenn und Aber ab“, erklärte der Ortverbandsvorsitzender Marvin Watermann.

Das Vorhaben, so hat es Marls Ratsherr Michael Sandkühler recherchiert, würde gegen einen 30 Jahre alten, noch heute gültigen Vertrag verstoßen. Das fast vergessene Papier kam jetzt nur durch das kriminalistische Gespür von Sandkühler ans Tageslicht. In ihm ist ein Ausbauverzicht ausdrücklich festgelegt. Der Marler Stadtrat wird den Vertrag aufheben müssen, wenn die Ausbaupläne der Firma Saria nicht scheitern sollen.

Der besagte Vertragstext war vor 30 Jahren zwischen der damaligen Firma Rethmann und der Stadt Marl ausgehandelt worden. Die Marler Stadtverwaltung stellte inzwischen klar: Aus juristischer Sicht sei der Vertrag gültig, Saria sei der Rechtsnachfolger von Rethmann. Das Unternehmen verpflichtete sich seinerzeit, eine Erweiterung künftig weder zu beantragen noch vorzunehmen.

Fünfmal wurde seitdem der Rat der Stadt Marl neu gewählt, die Stadtspitze ist heute eine andere. Deshalb,so erläuterte Bürgermeister Werner Arndt, habe niemand persönliche Erinnerungen an den Vertragsschluss.

Borsu Alinaghi (UBP): „Die Verwaltung hat eine Bringschuld. Wir können doch nicht vor jedem Beschluss erst Akteneinsicht fordern.“

Problem Landschaftsschutz

Saria will erweitern, schon seit Jahren. 2012 gab der Marler Rat grünes Licht für eine Überprüfung der Machbarkeit. Die Erweiterung selbst kann er nicht allein beschließen. Andere Behörden reden mit – vor allem der Regionalverband, weil das Saria-Gelände im Frentroper Landschaftsschutzgebiet liegt.

Die CDU fühlt sich massiv getäuscht. Dr. Ulrich Otto sagte: „Ich habe im Rat 2012 mit Ja gestimmt. In Kenntnis des Vertrages hätte ich anders abgestimmt.“ Werner Eisbrenner, sachkundiger Bürger für die Wählergemeinschaft Die Grünen: „Nicht nur Saria stinkt zum Himmel, die Akten stinken auch.“