Zuschauer rätseln bei Mordermittlung mit

Umjubelte Premiere: Inspektor Baxter (Frank Neider), Putzfrau Lily Piper (Dagmar Huth) und Claire Marshall (Ulla Neidert) bei der Premiere von „Keine Leiche ohne Lilly“ des Theater ohne Rahmen in der Fröndenberger Gesamtschul-Aula
Umjubelte Premiere: Inspektor Baxter (Frank Neider), Putzfrau Lily Piper (Dagmar Huth) und Claire Marshall (Ulla Neidert) bei der Premiere von „Keine Leiche ohne Lilly“ des Theater ohne Rahmen in der Fröndenberger Gesamtschul-Aula

Fröndenberg..  Wenn zur kalten Winterzeit in der voll besetzten Gesamtschul-Aula herzlich gelacht werden kann, dann ist wieder ToR (Theater ohne Rahmen)-Zeit in Fröndenberg. „Keine Leiche ohne Lily“ eine Kriminalkomödie von Jack Popplewell, feierte ein umjubeltes und gelungenes Premierenwochenende.

Und auch ein Jahr nach dem etwas größer begangenen Fest zum 20. Geburtstag des Theater ohne Rahmen gibt es noch Neuerungen zu entdecken: Bisher immer als „Mädchen für alles“ und treue Seele für den technischen Ablauf der Aufführungen zuständig, hat Alexander Schwarzkopf zum ersten Mal eine Rolle auf der Bühne verpasst bekommen. Wenn auch nur direkt am Anfang des Stückes und als Leiche, deren Aktionsradius naturgemäß etwas eingeschränkt ist.

Wer ist die Leiche?

Dennoch nimmt diese Leiche eine wichtige Rolle ein, bestimmt doch die Frage nach ihrer Identität und dem Grund ihres Ablebens die folgenden gut drei Stunden in der Gesamtschul-Aula. Lily Piper, überaus neugierige, geschwätzige und dank ihrer Tätigkeit und des gründlichen Durchsuchens aller Mülleimer immer bestens informierte Putzfrau in der Firma Marshall & Sohn Ltd. ist sich zunächst ganz sicher, dass es sich dabei um ihren Chef Richard Marshall handelt. Bis zum Eintreffen des von ihr herbeigerufenen Inspektors Harry Baxter ist die Leiche aber verschwunden, und als Mr. Marshall später quicklebendig im Raum erscheint, wird schnell klar, dass wohl doch nicht alles so klar ist.

Atemlose Jagd nach dem Mörder

Trotz ihres offensichtlichen Irrtums lässt Piper keine Gelegenheit aus, dem Inspektor mit ihrem gesamten Wissen über das Innenleben der Firma und weiteren mutmaßlich stichhaltigen Beweisen auf die Nerven zu fallen. Dass ihr nach der Leiche später auch noch einige dieser Beweise abhanden kommen – die Erklärung ist immer ganz einfach: „Sie sind weg. Gerade waren sie noch da“ –, trägt zu einem entspannteren Verhältnis zwischen ihr und Baxter natürlich nicht bei. Zusammen mit den weiteren Figuren geht es auf einen atemlose Jagd nach dem Mörder, in der so ziemlich jeder ein Motiv hat und die später durch das Auftauchen einer weiteren Leiche noch mehr Schwung gewinnt.

Geglückte Rollenverteilung

Ansonsten kann man über das Theater ohne Rahmen nahezu das gleiche sagen wie in den vergangenen Jahren: Die Verteilung der Rollen innerhalb des Laienensembles ist grandios geglückt. Ulrike Meisel zum Beispiel spielt die rollige und wenig arbeitsame Victoria Reynolds, Empfangsdame der Firma Marshall, Sekretärin Marian Selby (Anja Enting) ist das absolut biedere Gegenteil. Das schwere Stottern – mindestens genauso schwer auch überzeugend zu spielen – des Polizisten Goddard (Christopher Meisel) gab das ToR-Ensemble dem Schauspieler kurzerhand als Extra dazu, die Rolle des trunksüchtigen Hausmeisters und Ehemanns von Lily, Fred Piper, schrieb man gar komplett dazu.

Die Stars sind aber eindeutig zwei andere: Frank Neidert als Inspektor und Dagmar Huth als Putzfrau fordert „Keine Leiche ohne Lily“ eine enorme Bühnenpräsenz über nahezu die komplette Spielzeit ab. Permanent im Dialog und immer kurz davor, sich gegenseitig in den Wahnsinn zu treiben, lebt das Stück vor allem von dem Verhältnis dieser beiden Figuren und zieht seinen Humor größtenteils aus der maßlosen Neugier und Geschwätzigkeit von Lily Piper, zusammengefasst in zwei Sätzen: „Ich sollte nicht mehr darüber reden.“ Eine Sekunde Pause. „Ich tue es doch.“ Noch ein Schuss Absurdität in das Verhältnis der beiden, die sich offensichtlich schon länger kennen, kommt dazu, indem sie ihn permanent duzt, während er beim „Sie“ bleibt.

Begeistertes Publikum

Nach dem ersten Wochenende lässt sich sagen: Das Publikum reagierte begeistert, nichts ging schief, und so ist auch Regisseurin Uta Imenkämper zufrieden. „Es kommt sogar besser an als erwartet.

Die Fröndenberger mögen es, wenn der Schwerpunkt mehr auf „Komödie“ als auf „Kriminal“ liegt. Die diversen Handlungsfäden und möglichen Hypothesen der Mordermittlung blieben selbst für das Ensemble, so erzählt Imenkämper weiter, ein wenig im Dunklen: „Vielleicht war das vom Autor ja so gewollt.“

Aber das Miträtseln lohnt sich auch für die Zuschauer, denn in den Pausen jeder Aufführung kann man einen Tipp abgeben, am Ende wird ein Sieger ausgelost und mit einer kleinen Überraschung belohnt.