Ungebetener Wohnungsbesuch mit Nachspiel

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Menden/Fröndenberg.. Hilfsbereit sei er gewesen. Sehr nett, höflich und stets distanziert. Doch als der Fröndenberger im Juni oder Juli 2010 in die Wohnung seiner 30-Jährigen Bekannten ging, verflogen ihre Sympathien für den damals 56-Jährigen.

Wegen Hausfriedensbruchs stand er nun vor dem Mendener Amtsgericht. Vor der Eingangstür des Mendener Zweitwohnsitzes der Kölnerin habe es nach Rauch gerochen, also habe er geschellt und sei zur Wohnung der 30-jährigen Kölnerin hinaufgeeilt. „Ich hatte Bedenken, dass da etwas Schlimmes ist“, schilderte der Angeklagte seine Eindrücke vom Tattag.

Auf der anderen Seite der Tür will die junge Unternehmerin, die sich nach einem Frühstück mit Freundinnen wieder hingelegt habe, das Klingeln im Halbschlaf mitbekommen haben. „Ich wollte meine Ruhe“, sagte sie im Zeugenstand. Als das Schloss betätigt wurde, dachte sie: „Das ist unmöglich!“

Heiße Herdplatte?

Der Fröndenberger kam herein, sah sich in der Wohnung um. Dabei will er die 30-Jährige in ihrem Bett nicht bemerkt haben und zog die Etagentür, die er durch „Rappeln“ geöffnet haben will, hinter sich zu. Der verbrannte Duft könnte von einer zu heißen Herdplatte gekommen sein, vermutete er im Zeugenstand.

Für die vorigen „Schlossgeräusche“ wäre ein Nachschlüssel nötig gewesen, den der Angeklagte jedoch nie besessen habe, wie er versichert. Detail- und nebensatzreich berichtete er, wie sich beide kennengelernt und wie er ihr unentgeltlich ihre Wohnung über Monate hinweg renoviert, im Laden geholfen und die Autoreifen gewechselt habe. „Ich wollte nur helfen“, sagte er. Wenn überhaupt, hatte er den Wohnungsschlüssel nur stundenweise, erklären beide unisono.

„Menschlich“ enttäuscht

Als wegen des Hausfriedensbruchs der Kontakt abreißt, sei der Lüdinghauser „menschlich“ von seiner Bekannten enttäuscht gewesen. Zwischenmenschliche Interessen habe es nie gegeben, sagten beide.

Bis der Verhandlungstermin feststand, sollen darüber hinaus mehrmals die Schlösser ihrer Wohnung und ihres Ladens manipuliert worden sein, berichtete die Kölnerin. Sie schrieb dem Angeklagten, der demonstrativ keinen Blickkontakt zu ihr aufnahm, diese Taten (ohne Beweise dafür zu haben) zu. Ebenso soll er einen Zettel mit der gedruckten Aufschrift „Habe Sie gewarnt“ in ihren Briefkasten geworfen haben – auch dies konnte sie nicht belegen.

Wegen weiterer Sachbeschädigungen, die dem 56-Jährigen nicht zuzuordnen waren, stellte die 30-Jährige den Strafantrag erst Mitte September. Aus ihrer Sicht vielleicht ein Fehler, denn vor Gericht waren sich beide nicht mehr sicher, ob der „Einbruch“ im Juni oder im Juli stattgefunden hatte.

Für die formale Richtigkeit des Prozesses war dies aber entscheidend. Daraufhin wurde das Verfahren wegen eines „Verfahrenshindernisses“, so der Fachbegriff für das verspätete Stellen des Antrags, (im Zweifel für den Angeklagten) eingestellt.