Tödlicher Unfall im Rausch: „Filmriss“

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Keine Bewährung: Wegen fahrlässiger Tötung wurde gestern am Amtsgericht Unna ein 57-jähriger Mann aus Unna zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Unna/Bausenhagen.. Keine Bewährung: Wegen fahrlässiger Tötung wurde gestern am Amtsgericht Unna ein 57-jähriger Mann aus Unna zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Am 25. Juni 2011 soll er im Alkoholrausch eine 41-Jährige Fröndenbergerin mit seinem Dienstwagen in Bausenhagen überfahren und getötet haben.

Der Angeklagte sagte, er habe keine Erinnerung an seine Trunkenheitsfahrt. „Mir tut das alles sehr leid, ich bin ja auch seelisch zerstört“, begann der 57-Jährige seine Aussage. In Bausenhagen hatte er ein Fußballspiel seines Sohnes bei den Alten Herren besucht. In den Mannschaften seien viele Bekannte des Angeklagten gewesen, die ihn zum Biertrinken überredet hätten. „Ein Treffen alter Sportkameraden“, fasste Richter Hüchtmann zusammen.

Der 57-Jährige hatte sich entschlossen, seinen Dienstwagen, mit dem er zum Spiel gefahren war, stehen zu lassen. Bei einem Trinkspiel hatte der Angeklagte in 15 Sekunden sein Bierglas lehren müssen. Das schnelle Trinken hatte wohl zum Blackout geführt: „Filmriss. Ich weiß nichts“. Er soll sich in sein Auto gesetzt haben und losgefahren sein.

Auf der Bausenhagener Straße war der Angeklagte in einer Linkskurve auf den Gehweg geraten. Hier hatte er kurz nach 23 Uhr eine 41-jährige Fußgängerin erfasst. Die Fröndenbergerin war später im Krankenhaus verstorben. Vor seiner Haustür war der Angeklagte noch gegen Blumenkübel eines Nachbarn gefahren. Ein weiterer Nachbar, der diesen Unfall mit angesehen hatte, hatte den stark alkoholisierten 57-Jährigen in dessen Haus gebracht.

Am nächsten Morgen hatte der Angeklagte sein Handy vermisst und hatte es im Auto suchen wollen, erst da war ihm der Blumenkübel-Unfall deutlich geworden. Er hatte die Kübel in sein Auto geräumt, später hatte er die Sache mit seinem Nachbarn klären wollen.

Die Polizisten, die wegen der Blumenkübel gerufen worden waren, hatten auch den Auftrag, Ausschau nach einem dunklen Kastenwagen zu halten. Als der Zusammenhang der beiden Unfälle deutlich geworden war, hatten die Polizisten beim Angeklagten geklingelt. „Geschockt“, so ein Polizist, sei der 57-Jährige gewesen, als er ihm gesagt hatte, er habe mutmaßlich eine Frau getötet.

Der Angeklagte wirkte mitgenommen: „Ich würde mein Leben für diese Frau geben.“ Nach dem Unfall war der 57-Jährige selbstmordgefährdet, noch immer ist er in psychologischer Behandlung. Zur Zeit ist der 57-jährige nicht arbeitsfähig, sein Arbeitgeber will ihm kündigen. Nun muss der Angeklagte für zwei Jahre und drei Monate in Haft, außerdem darf er vier Jahre lang kein Auto fahren.