Nachbarn terrorisiert – und wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen
08.02.2012 | 17:26 Uhr 2012-02-08T17:26:00+0100
Fröndenberg/Unna.Obwohl sie 23-mal ihre Nachbarn beleidigt hat, wurde eine 80-jährige Fröndenbergerin vor dem Amtsgericht Unna freigesprochen. Laut Gutachten ist
die Rentnerin schuldunfähig, weil sie an einer wahnhaften, paranoiden Störung leide.
„Zigeunerpack“ und „stinkende Monster“ waren einige der Beleidigungen, die die 80-Jährige ihren Nachbarn an den Kopf warf. In den Jahren 2009 und 2010 terrorisierte sie das Ehepaar, dem sie vorwarf, ständig zu grillen und im Keller eine Großküche zu betreiben. Das ganze Haus der Angeklagten würde deswegen nach Fisch stinken. Bereits im Oktober wurde der Fall verhandelt, musste jedoch vertagt werden, um die Schuldfähigkeit der Angeklagten festzustellen.
Paranoide Störung
Nun wurde die 80-Jährige in einem Gutachten für schuldunfähig erklärt. Sie leide an einer wahnhaften Störung mit paranoider Wahrnehmungsbeeinträchtigung. Die Fröndenbergerin halluzinierte die Vorwürfe gegen ihre Nachbarn. Da sie sich von dem Ehepaar verfolgt fühle, hätte die Rentnerin kein Unrechtsbewusstsein, so Richter Manuel Ginzel. Er beschrieb das Verhalten der Fröndenbergerin aus ihrer Sicht als „Gegenwehr“. Die Angeklagte glaube, dass ihre Nachbarn sie durch die dauernde Geruchsbelästigung aus der Nachbarschaft treiben wollten.
Wahnvorstellungen
So glaubte die Angeklagte, einen ständigen Fischgeruch wahrzunehmen, weshalb sie durchgehend ihre Wohnung lüftete. Sogar Atemnot soll sie durch ihre Wahnvorstellungen bekommen haben.
Das geschädigte Ehepaar war nicht mehr zur Verhandlung geladen, da es bereits ausgesagt hatte, „ganz normal“ zu kochen. Schon bei der ersten Verhandlung musste die 80-Jährige eingestehen, dass sich außer ihr keine anderen Nachbarn durch das Ehepaar belästigt fühlten.
Die Rentnerin soll sich nun in ärztliche Behandlung begeben. Noch nach der Urteilsverkündung beharrte die Fröndenbergerin: „Heute haben sie wieder die ganze Nacht gekocht.“
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