Kunst mit der Tätowier-Nadel ist eine Berufung für Felice

Tätowierer Felice di Maio (36) hat an der Alleestraße in Fröndenberg sein Studio „Absolute Bestechung“ eröffnet. Der gebürtige Italiener gestaltet kunstvolle Tattoos.
Tätowierer Felice di Maio (36) hat an der Alleestraße in Fröndenberg sein Studio „Absolute Bestechung“ eröffnet. Der gebürtige Italiener gestaltet kunstvolle Tattoos.
Foto: Arne Poll / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Felice di Maio lässt die Hosen herunter. Auf dem rechten Oberschenkel zeigt sich der ganze Stolz des 36-Jährigen. Das Jesus-Tattoo hat er sich selbst gestochen. Es war sein erstes eigenes Werk.

Fröndenberg.. Feine Konturierungen und viele Details verleihen der Grafik eine dreidimensionale Wirkung. Für di Maio ist die große Kunst mit der Nadel zur Berufung geworden. Der Halbitaliener ist studierter Diplom-Designer. „Vielleicht kommt meine künstlerische Seite aus Italien“, sagt er und lacht. Di Maio hat in Mainz, Mailand und Dortmund studiert. Er arbeitet als Freiberufler für große Agenturen und versorgt unter anderem namhafte Kunden aus der Telekommunikationsbranche mit Kreativem.

Studio-Name „Absolute Bestechung“

Jetzt hat der junge Familienvater nahezu das komplette Ersparte zusammengekratzt. Er mietete das Ladenlokal an der Alleestraße, baute eine schicke Theke ein, besorgte einen Spezialstuhl, gestaltete das eigene Logo und erfand den Namen für das Studio: Absolute Bestechung. Das ist sein neuer Lebenstraum.

Zu dem sonst manchmal verruchten Image der Tätowierszene passt hier nichts: Di Maio hat sich vom Gesundheitsamt beraten lassen und viele Details umgesetzt. Auf den Wänden ist Spezialfarbe. Der Tätowierer kann das Waschbecken nahezu kontaktfrei bedienen. Farben und Nadeln liegen fein säuberlich sortiert in Schubladen. Alles ist klinisch rein wie in einer modernen Zahnarztpraxis.

Di Maio warnt Kunden vor falschen Entscheidungen

Di Maio hat sich das Ziel gesetzt, große Kunst zu machen. „Ich will keine Fließbandtätowierungen.“ Kleine Zeichen macht er nicht. Beim viel diskutierten „Arschgeweih“ aus der Zeit der Jahrtausendwende rümpft er die Nase. Wer sich Farbe unter die Haut stechen lassen wolle, müsse sich das gut überlegen. „Ich habe schon viele Gemütsänderungen miterlebt. Meine Kunden sollen nichts machen, was sie irgendwann bereuen werden.“

Tattoos Der 36-Jährige gestaltet jedes Tattoo einzeln. Er entwirft alle Vorlagen selbst. Alleine das kann tagelang dauern. Dann überträgt er die Zeichnungen vorsichtig auf die Haut. Jede Linie fährt er mit der Tätowiernadel nach. Für ein großes Kunstwerk sind das dann schon einmal acht Stunden oder mehr. Was das gestochene Vergnügen kostet, will er nicht verraten. Die Arbeit lasse sich auch schwer pauschal beziffern. „Der Aufwand ist sehr unterschiedlich.“

Zum Tätowieren kam di Maio aus eigenem Interesse an der speziellen Kunstform. Freunde waren begeistert von den Zeichnungen. Sie überzeugten ihn, es doch auch einmal mit der Nadel zu probieren. Di Maio erinnert sich: „Mir sind die Augen geöffnet worden. Ich habe mir gedacht: Eigentlich kannst du es riskieren, das zu lernen.“

Tipps von erfahrenen Tätowierern haben di Maio geholfen

Tätowieren ist kein geschütztes Handwerk. Theoretisch kann jeder zur Nadel greifen und anderen Menschen Farbe unter die Haut spritzen. „Man braucht Profis hinter sich“, sagt di Maio. Er ließ sich Tipps von erfahrenen Tätowierern geben. Die Experten begeisterten sich für seine Zeichnungen und ließen ihn deshalb über die Schulter schauen.

Mode Die ersten praktischen Versuche machte der junge Fröndenberger mit Schweinehaut vom Metzger. Die Haut ist der menschlichen sehr ähnlich. Di Maio testete monatelang aus, wie tief er mit der Nadel gehen darf, ohne dass es Probleme gibt. Dann war sein Oberschenkel an der Reihe. „Ich bin ein sanfter Typ“, sagt der stabile Fröndenberger, der sich zum Leben in seiner Heimatstadt bekennt.

2600 Facebook-Fans / Kundern aus dem Ruhrgebiet

Mittlerweile kommen die Kunden aus dem Ruhrgebiet angereist, di Maio hat 2600 Facebook-Fans, Samstag war dann offiziell Eröffnung des Studios an der Alleestraße. Auch der Schwiegervater nahm schon auf dem Stuhl Platz. Der 59-Jährige ließ sich einige Jahre vor der Rente sein Erstlingswerk stechen – eine aufwändige Grafik mit dem Schriftzug „Schalke ein Leben lang“. Das Foto vom fertigen Tattoo hängt jetzt als Werbung an der Wand des Studios. Als ein Werk mal besonders gut gelungen war, flossen bei einer jungen Frau Freudentränen. Und auch di Maio, der mit großer Hingabe von seiner Arbeit erzählt, sagt: „Dann werden auch meine Augen feucht.“