Kulturelle Leckerbissen und köstlicher Wein

Janine Bauer inmitten der Weinlese-Gäste.
Janine Bauer inmitten der Weinlese-Gäste.
Foto: WP

Fröndenberg..  Das war Genuss für alle Sinne. Auch wenn an den Hängen der Ruhr bislang noch kein Spitzenwein wächst, war die erste Fröndenberger Weinlese ein gelungenes und stimmungsvolles Event.

„So ganz genau wissen wir auch nicht, worauf wir uns einlassen“, erzählten Frank und Monika Schröer noch zu Beginn. Bei Kultur für uns liegt die Kernkompetenz schließlich im musikalischen Bereich. Dass sich aber kulturelle Leckerbissen auch mit selbigen aus der Küche und aus der Flasche verbinden lassen, ist nun keine ganz neue Erkenntnis und so hielt am Samstag Abend die erste Fröndenberger Weinlese in der Kulturschmiede Einzug. Und weil die gut 80 Karten dafür schnell vergriffen waren, am Sonntag Abend - hier immerhin fast ausverkauft - gleich noch einmal. Daher durften die Gäste selbst die Bühne mit Tischen und Stühlen in Beschlag nehmen. Warum wird in Deutschland eigentlich größtenteils Weißwein angebaut während das Verhältnis in Südeuropa genau umgekehrt ist? Lösung: der Weißwein braucht es nachts kühler. Wann und wie prägen sich die unterschiedlichen Geschmackswahrnehmungen in unserem Mund aus? Süß vorne auf der Zunge, bitter hinten im Rachen. Und warum sollte ich für einen festlichen Anlass einen Wein auswählen, der im Direktvergleich mit anderen geschmacklich klar den Kürzeren ziehen würde? Weil er sich vornehm zurücknimmt und einem opulenten Festmahl oder einfach nur dem netten Gespräch die Bühne überlässt.

Kurzweiliger Vortrag

All das und vieles mehr konnte Sascha Lehmann den Gästen im Verlauf des Abends näher bringen, in zwar ausführlichen aber keineswegs langatmigen, vielmehr unterhaltsamen Worten. Dazu brachten adrett im Dirndl gekleidete Kellnerinnen die entsprechend vorgestellten Weine - einen Prosecco als allererstes, dann einen französischen Weißwein - und damit harmonierende Häppchen wie Oliventapenade auf geröstetem Weißbrot und eine Suppe aus Topinambur, Pastinaken, Kartoffeln und Möhren.

Der Kölner Lehmann erwarb zunächst im Medizinstudium den Doktortitel, konnte sich ein Leben im Klinik- der Praxisalltag dann aber doch nicht dauerhaft vorstellen und arbeitet mittlerweile als Künstler, aber auch Weinkenner und -erklärer. Seine Begeisterung für dieses so facettenreiche Getränk, der Versuch, seinen Charakter zu verstehen und ihn dann entsprechend je nach Situation gewinnbringend einzusetzen, merkte man jedenfalls in jeder Sekunde. Abwechseln dazu lieferten sich die beiden Mendener Künstler Peter Neuhaus und Janine Bauer, an zwei Tischen an den Raumenden sich gegenüber sitzend, mit- und hinreißende Wortduelle mit den Schriften und Liedern großer Literaten und Musiker, wo es natürlich vor allem um das geistreiche und berauschende Getränk ging: irgendwo zwischen der kleinen Kneipe in unserer Straße und Auerbachs Keller in Leipzig, unten mittendrin die Kulturschmiede.