Glockenhell-klingender Gloria-Jubel
14.02.2012 | 11:21 Uhr 2012-02-14T11:21:00+0100
Bausenhagen.Das „Betthupferl“ gab’s zu früher Stunde um 18 Uhr als Dreingabe noch zur ersten Zugabe, denn natürlich ließen die hingerissenen Konzertbesucher diesen wunderbaren Knabenchor nicht ohne zwei extrabrillante Schlussdarbietungen wieder nach Dortmund reisen.
Auf Einladung von Kultur für Uns in Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde war der Knabenchor der Chorakademie Dortmund angereist. Und vom ersten Takt bis zur letzten Note wurde es ein mitreißendes Konzert, das in der Bausenhagener Dorfkirche am Sonntag nicht nur älteres Publikum in seinen Bann zog. Nein, auch kleine Mädchen reckten ihre Hälse neugierig zum Altarraum, um einen Blick auf die jungen Sänger in ihrer feschen knallroten Chorkluft zu erhaschen, denn viele (nein: alle) Jungen waren gerade mal so alt wie die kleinen Mädchen selbst.
Kleine Jungen also, Kinder noch, und sie sangen herausragend. Musiklehrer im Publikum dürften ihre Freude gehabt haben, Lateinlehrer ebenfalls, da zwei Drittel des Programms auf lateinsprachiges Liedgut entfiel. So begann’s mit „Cum complerentur“ und „Spiritus Domini“ (zwei „Antiphone Ad Vesperae“ von Giovanni Giorgi), gefolgt von Valentin Rathgebers F-Dur-Messe für Chor, Orgel und Soli.
Diese Solisten! Eine Wonne. Alles Knaben aus dem Chor, die für ihre Soloparts eben rasch nach vorne schlüpften und anschließend ebenso flink wieder an ihren Platz zurück. Man zählte sechs junge Solisten, die sich am Ende unter prasselndem Beifall mit glänzenden Augen verbeugten und die aus bestem Grund bereits in hochklassigen Aufführungen mitwirken: am Theater Kiel und der Oper Köln, in der Philharmonie Essen und der Deutschen Oper in Berlin… Die Partie der „Drei Knaben“ aus Mozarts Zauberflöte zählt zum Stammrepertoire des Chores, der aus der noch jungen Dortmunder Chorakademie erwachsen ist.
Manchmal singt der Ausnahme-Kinderchor eben auch in pittoresken Dorfkirchen. Und in Bausenhagen unterstrich er sein Können am Sonntag mit Kantaten und Motetten, brandenden Lobgesängen und glockenhellem Gloria-Jubel. Einige ältere Jungen in der hintersten Reihe verzichteten während des kompletten Konzerts gänzlich auf einen Blick in ihre Noten, die Jüngsten suchten zwischen den Stücken manchmal noch mit kindlichem Umstand raschelnd nach den richtigen Notenblättern. Ramona Kühn, Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde, verfolgte das Konzert mit glänzenden Augen stehend im Kirchenschiff und hätte die Knaben wohl alle auf der Stelle als Verstärkung für die Stiftskantorei adoptiert – für Alt- und Sopranstimme, versteht sich.
Zwischen Buxtehude und Mendelssohn-Bartholdy gab’s fliegenden Dirigentenwechsel, da sich Dietrich Bednarz und Dimitri Batinovski Leitung und (Klavier-)Begleitung teilten. Die Gesamtleitung trug Jost Salm. Nach einem erneuten Mendelssohn („Surrexit pastor bonus“ – Latein - op. 39,3, Motette für Soli, Chor und Orgel) jubilierten die Knaben schlussendlich noch auf Englisch: Benjamin Brittens Missa Brevis D-Dur und daraus das „Gloria“. – Die Spendenkörbchen am Ausgang waren vom dankbaren Publikum binnen Minuten mit Geldscheinen gefüllt.
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