Geschäftsleute warnen: AWO-Radhotel gefährdet Jobs
29.04.2008 | 23:00 Uhr 2008-04-29T23:00:00+0200Die Überlegung, die AWO im Bahnhof mietfrei ein Radhotel betreiben zu lassen, stößt in der Ruhrstadt nicht nur auf Begeisterung. Mittelständische Betriebe, die vom Tourismus leben, fürchten Einnahmeverluste und sehen sogar Arbeitsplätze gefährdet.
Mit dem Ruhrtalradweg kam vor genau vor einem Jahr der Aufschwung nach Fröndenberg: Erstmals seit elf Jahren musste Martin Wittwer in seinem kleinen Fahrradgeschäft an der Westicker Straße eine Saisonkraft einstellen, um dem Andrang Herr zu werden. Viele kleine Reparturen an den Rädern der Durchreisenden füllten die Werkstatt des Einzelhändlers. Wie lange Wittwer seine Vollzeitkraft noch bezahlen kann ist allerdings ungewiss, denn die drohende Konkurrenz im Bahnhof scheint übermächtig. Nicht nur, dass die AWO keine Miete zahlen soll, auch das Personal werde sich der Verband vom Arbeitsamt finanzieren lassen, klagt Wittwer und verweist auf negative Erfahrungen von Händlern in Städten, in denen die AWO bereits eine Radstation betreibt. Dass ihn Vertreter der AWO und der CDU dennoch davon überzeugen wollten, dass auch er von dem Projekt profitieren werde, bezeichnet der Einzelhändler als „Wunschdenken”. Offenbar wolle die Politik die Radstation „um jeden Preis”, egal was das für seinen Betrieb bedeute. Auf Unverständnis treffen die Pläne der Stadt auch in den beiden Hotels an der Ruhr. „Die Stadt nimmt mir ja auch nicht meine Miete ab”, klagt Barbara Boeckler, die an gesichts der Dumpingpreise der AWO fürchtet, Gäste an das Radhotel zu verlieren: „Zehn Euro, oder 52 Euro – das ist schon ein erheblicher Unterschied.” Ähnlich sieht dies Gisela Schneidersmann, deren Tochter das Haus Ruhrbücke führt: „Mein Mann hat immer gesagt, jede Biene sticht”, warnt die erfahrene Hotelfrau, deren Familie immerhin 60 Betten zu füllen hat. Das fordernde Auftreten der AWO gegenüber der Stadt ist für sie schlicht „unverschämt”. Zweifel bestehen zudem am Bedarf für ein Radhotel. So soll AWO-Geschäftsführer Peter Reseler gegenüber Barbara Boeckler erklärt haben, dass die bestehende AWO-Radstation in Ergste überwiegend von Monteuren genutzt wird. Dies sei nicht Sinn der Sache, betont Bürgermeister Egon Krause, der klarstellt, dass der Bahnhof auf keinen Fall zu einem doppelt und dreifach subventierten Hotel für Geschäftsreisende werden dürfe. AWO-Geschäftsführer Reseler war auch gestern nicht zu erreichen.
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