„Für uns war´s das heute“

Heinrich Brämer kehrt die letzten Reste des Ausverkaufs zusammen, bevor er die Türen seines Foto- und Geschenkeladens für immer schließt.
Heinrich Brämer kehrt die letzten Reste des Ausverkaufs zusammen, bevor er die Türen seines Foto- und Geschenkeladens für immer schließt.
Foto: WP

Fröndenberg..  Kehraus bei Foto und Geschenke Brämer. Im fast kahlgeräumten Geschäft schwingt Heinrich Brämer am fünftletzten Tag des scheidenden Jahres den Besen und kehrt die letzten Reste des Ausverkaufs zu einem symbolischen Häufchen zusammen.

Dieser finale Samstag 2014 ist für den Fotoladen zugleich der Schlusstag: Der Letzte macht an diesem Nachmittag das Licht aus. „Für uns war’s das heute“, sagt Brämer und nickt. Ein Nachmieter für die 270-Quadratmeter-Ladenfläche am Markt 7 wird gesucht. Neues Jahr, neues Glück. Oder: ein weiterer Leerstand in Fröndenbergs City.

Umzug der Drogerie Rossmann

Für Heinrich Brämer ist die Geschäftsaufgabe eine Konsequenz aus zuletzt 30-prozentigen Umsatzeinbrüchen und (zu) hoher Miete. „Der Quadratmeterpreis ist in Ordnung, aber der Laden hat sich einfach als zu groß erwiesen“, erklärt er das Problem, das sich mit dem Umzug der Drogerie Rossmann von der Allee zur Winschotener Straße für ihn eröffnete. „Wir zahlen hier allein wegen der Fläche 300 Euro mehr Miete als am vorherigen Standort“, erklärt Brämer, wieso es schon deswegen nicht mehr passte.

Zudem fehle die Laufkundschaft entlang der Winschotener Straße hinüber zum Markt. „Dass die Stadt jetzt den Karl-Wildschütz-Platz gekauft hat, ist ein Lichtblick“, gibt Heinrich Brämer der Hoffnung vieler Fröndenberger Ausdruck, dass sich die große Fläche nahe Alleestraße und Markt attraktiv besiedeln möge – möglichst (auch) mit nettem Einzelhandel. „Nur kein weiteres Seniorenheim!“ - lautet das einstimmige Credo auch der Politik.

Für diesen Samstag direkt nach Weihnachten hatte der Einzelhandelsverband einen Ansturm von Käufern vorhergesagt. Fröndenberg war damit offensichtlich nicht gemeint: Hier herrschte am 27. Dezember in der Innenstadt Tiefenentspannung, selbst an den Kassen bei Lidl und Aldi.

Kunden halten sich zurück

Der Gefahr, nach drei Feiertagen mit geschlossenen Geschäften nun vor leerem Kühlschrank zu verhungern, hatte eine Besuchergruppe im Gourmet-Eck an der Alleestraße gleich mit einer Tischreservierung vorgebaut. Sie genehmigte sich ein ausgedehntes Samstagsfrühstück, während zwei weitere Kunden in den Weinregalen stöberten. Seit Kurzem hat das Gourmet-Eck seine Öffnungszeiten eingeschränkt, montags ist nun Ruhetag. Die Stammkunden hoffen, dass das Spezialitätengeschäft der Ruhrstadt erhalten bleibt. Inhaber Falk Rocher hatte im Sommer beklagt, dass sich gerade die Fröndenberger selbst immer noch sehr als Kunden zurückhalten.

An diesem prognostizierten Kaufrauschsamstag halten sich die Fröndenberger Kunden überall zurück. Die Fleischerei Rafalcik am Markt scheint es geahnt zu haben und hat erst gar nicht geöffnet, ein Aushang verweist aufs Hauptgeschäft in Westick. Seine dritte Zweigstelle in Frömern hat Rafalcik Heiligabend geschlossen (siehe gesonderter Text unten).

Kurze Bilanz

Geschlossen bleiben sollte am Samstag eigentlich auch die Second-Hand-Boutique „Wolke 7“ am Markt 7a, nur wegen eines Liefertermins hat Susanne Rammelmann ihre Ladentür dennoch geöffnet. „Es ist aber erwartungsgemäß absolut ruhig heute“, bestätigt sie am Mittag. „Die Leute sind doch satt von dem Kaufstress in der Vorweihnachtszeit.“

Die Ruhe dieses Samstags nutzt Susanne Rammelmann für eine kurze Bilanz: Seit vier Jahren ist sie mit ihrer „Wolke 7“ jetzt am Markt ansässig. Zuvor betrieb sie 27 Jahre einen Second-Hand-Laden in Bochum. Sie liebt ihren Standort, sagt sie. Jedoch: „Die Fröndenberger brauchen etwas länger, bis sie ein neues Geschäft akzeptieren“, ist ihr aufgefallen. „Ich habe statt dessen sehr viele Kunden aus Menden.“