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Frau totgefahren - trotzdem beste Chancen auf offenen Vollzug

27.06.2012 | 05:00 Uhr
Frau totgefahren - trotzdem beste Chancen auf offenen Vollzug
Am Morgen danach, genau ein Jahr ist es jetzt her, lagen Rosen dort, wo die 41-Jährige angefahren und tödlich verletzt wurde Foto: A. Lück (Archiv)

Fröndenberg/Dortmund.  Ein Jahr nach dem tragischen Verkehrsunfall in Fröndenburg hat das Landgericht Dortmund einen 58-jährigen Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Angeklagte hat gegen das Urteil Berufung eingelegt und hofft in den offenen Vollzug zu kommen.

„Wenn Sie sagen, das Leben des Angeklagten ist zerstört, dann frage ich mich, was ist mit dem Leben der 41-jährigen Frau, die schuldlos hat sterben müssen, weil er betrunken Auto gefahren ist.“

Der Vorsitzende Richter der 42. Kammer beim Landgericht in Dortmund, Ludwig Brockmeier, brachte den 58-jährigen Pkw-Fahrer und dessen Anwalt zur Einsicht. Vor genau einem Jahr hatte der 58-Jährige auf der Bausenhagener Straße die 41-jährige Frau so schwer verletzt, dass sie wenig später in der Klinik starb. Seine Berufung gegen das Urteil des Schöffengerichtes Unna zog der Mann gestern vor dem Landgericht zurück und nahm die Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten an.

Gestern war der Todestag der 41-Jährigen, die als erfolgreiche Verlags-Einkäuferin einer der größten Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum als „sympathisch und kompetent“ geschätzt war. Mit ihrem Lebensgefährten ging sie am 25. Juni vergangenen Jahres auf dem Gehweg längs der Bausenhagener Straße um 23.24 Uhr heimwärts, als sie ein Pkw von hinten erfasste und lebensgefährlich verletzte. Im Dortmunder Klinikum erlag sie wenige Stunden später ihren schweren Verletzungen.

Drei Promille Alkohol im Blut

Der Fahrer, ein 58-jähriger Mann aus Unna, fuhr mit dem Firmenwagen weiter und wurde am nächsten Morgen von der Polizei ermittelt. Untersuchungen ergaben, dass er zum Tatzeitpunkt etwa drei Promille Alkohol im Blut hatte. Ein Zustand, den der Jurist zwar mit „erheblich verminderter Schuldfähigkeit“ beschreibt, den Pkw-Fahrer aber nicht aus seiner Verantwortung entlässt, so dass ihn das Schöffengericht Unna unter Vorsitz von Jörg Hüchtmann im März dieses Jahres zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilte. Gegen dieses Urteil ging der 58-Jährige („Mir tut das alles sehr leid, ich bin ja auch seelisch zerstört.“) in die Berufung.

Vorzeitige Entlassung möglich

Seine Hoffnung auf eine bewährungsfähige Strafe (unter zwei Jahren) wich gestern allerdings schnell der deutlichen Erkenntnis, dass weder der Anklagevertreter, Oberstaatsanwalt Dr. Heiko Artkämper, noch der Vorsitzende Richter angesichts der Rechtsprechung auch nur einen Augenblick daran dachten, dem Ansinnen folgen zu können oder gar zu wollen. „Man kann das auch besser verkraften“, so Ludwig Brockmeier, „wenn man sich der Schuld stellt und die Strafe dafür hinnimmt. Das ist für Sie nicht das Ende des Lebens.“ Zumal der 58-Jährige auch beste Chancen hat, direkt in den offenen Vollzug zu kommen und nach zwei Dritteln seiner Strafe vorzeitig entlassen zu werden.

Derweil kann er ganz normal arbeiten und seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Seine Perspektive, so Brockmeier: „Nach der Zeit können Sie wieder ein ganz normales Leben führen.“
 

conte



Kommentare
27.06.2012
15:02
Frau totgefahren - trotzdem beste Chancen auf offenen Vollzug
von Gothaur | #3

Was ist noch ein Menschenleben wert, und wieviel Wert wird da durch Vorsatz ausgeslöscht. Klar, rechtlich gesehen ist das natürlich kein Vorsatz gewesen, aber wer sich bis zu 3 Promille Alkohol in den Körper schüttet, und dann Auto fährt, handelt vorsätzlich, und gehört auch entsprechend bestraft.
Ein Menschenleben ist in Deutschland nur noch sehr wenig wert.
Gruß

1 Antwort
Frau totgefahren - trotzdem beste Chancen auf offenen Vollzug
von gatagorda | #3-1

Da haben Sie voellig Recht. Und wer sich dermassen mit Alk zudroehnt handelt vorsaetzlich uund gehoert entsprechend bestraft. Unden Typen sollte man zu einer TEilnahme an einer Suchttherapie verpflichten, denn wer sich so mit Alk zuschuettet hat offenbar ein Problem

27.06.2012
14:03
Frau totgefahren - trotzdem beste Chancen auf offenen Vollzug
von Kingston | #2

Zitat: "Zumal der 58-Jährige auch beste Chancen hat, direkt in den offenen Vollzug zu kommen und nach zwei Dritteln seiner Strafe vorzeitig entlassen zu werden"
Für mich viel zu milde! Alkohlomissbrauch (immerhin 3 Promille) ist für mich nicht stafmilderndernd sondern strafverschärfend. Hier handelt es sich um einen erwachsenen Mensch, der offensichtlich nicht gelernt hat oder es bewusst ignoriert dass Drogen gefährlich sein können für sich aber noch schlimmer für Andere.

27.06.2012
12:57
Frau totgefahren - trotzdem beste Chancen auf offenen Vollzug
von nussknacker | #1

Da hat der Richter einmal Recht!

Wann endlich wird hier Körperverletzung und Tötung genauso verurteilt, als ob es ohne Auto geschehen ist?
Da sind uns die USA erheblich voraus: da würde dieser Alkoholiker mindestens 20 Jahre in den Bau gehen. Mörder ob mit oder ohne Alkohol sollten lebenslänglich bekommen!

1 Antwort
Frau totgefahren - trotzdem beste Chancen auf offenen Vollzug
von Madde | #1-1

Ich denke darauf können wir hier leider ewig warten.

Als ich zusätzlich zum "totgefahren" von der Haftstrafe ohne Bewährung gelesen habe war ich im ersten Moment wirklich etwas verwundert.
Denn egal wie sehr man am Steuer die Sau rausgelassen hat gibt es für Tote im Straßenverkehr normalerweise immer nur Bewährung, oder aber man hat gesagt es war Absicht.
Dann ist mir erst aufgefallen das da Alkohol im Spiel war.

Aber hier sind die Opfer idr sowieso selbst Schuld und die Hinterbliebenen können nun zusehen.

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