Familie wagt Neuanfang in Neuseeland

Familie Kostrewa wandert nach Neuseeland aus.
Familie Kostrewa wandert nach Neuseeland aus.
Foto: WP

Strickherdicke..  Die halbe Wohnungseinrichtung ist schon mal vorgefahren. Per Überseecontainer und Schiff schipperte sie um die halbe Erdkugel. Jetzt packen Bieke und Martin Kostrewa noch die letzten Koffer. Fünf mal 30 Kilo plus Handgepäck. Die Reise in die neue Heimat Rotorua in Neuseeland wird am Frankfurter Flughafen starten und zwei Tage dauern. Zusammen mit ihren drei Töchtern Sofie, Marie und Emmie wagen der Arzt und die Krankenschwester einen Neuanfang in Neuseeland.

Weniger Arbeit, genauso viel Geld

Es ist keine Reise ins Ungewisse. Von 2007 bis 2009 lebten und arbeiteten Martin und Bieke schon einmal in Rotorua. Sie beendeten seinerzeit dieses „Intermezzo“, weil ihnen die Familie und Freunde in Deutschland fehlten. Dass sie nun wieder auf die andere Seite der Erdhalbkugel zurückkehren, hat mehrere Gründe. Die berufliche Situation spielt dabei aber eine zentrale Rolle. Fünf Jahre lang hat Dr. Martin Kostrewas früherer Chef aus Rotorua hartnäckig auf seine Rückkehr gedrängt. Denn in Neuseeland herrsche Ärztemangel. Kostrewa wird in Rotorua wieder als angestellter Hausarzt arbeiten. Er wird wohl so viel Geld verdienen, wie zuletzt als Mediziner im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg – „aber ohne Überstunden“.

Töchter sind aufgeregt

Damit wird die Familie mehr Zeit haben, vor allem für die großartige Natur in Neuseeland. Die gibt es in Deutschland so nicht. Dass die Auswanderer im Gegenzug das reichhaltige Kulturangebot zurücklassen müssen, stört sie nicht: Wegen der langen Arbeitszeiten und der Renovierung ihres Eigengheims in Strickherdicke konnten sie das ohnehin selten nutzen.

Während die Eltern ziemlich genau wissen, was sie erwartet – unter anderem die vielen Freunde ihrer ersten Neuseeland-Jahre – sind die drei Töchter umso aufgeregter. In der Schule und dem Kindergarten gab es bereits vor Weihnachten Abschiedsfeiern von ihren Freunden. Aber dass sie nun eine weite Reise unternehmen, wurde den Kindern erst richtig bewusst, als sie sich von ihrer geliebten Katze verabschieden mussten. „Das war hart“, sagt Bieke Kostrewa. Haustiere dürfen Einwanderer nämlich nicht nach Neuseeland mitbringen, aber die samtpfote fand ein gutes neues Zuhause bei einer tierlieben Familie.

Bieke und Martin Kostrewa freuen sich vor allem auf die herrliche Natur in Neuseeland. Der Name des neuen Heimatstädtchens mag kurioserweise so gar nicht zu diesen Erwartungen passen – Rotorua ist ein Wort aus der Sprache der Maori und heißt übersetzt „schlechte Luft“. Martin Kostrewa kennt die Hintergründe: Die Erdkruste ist in dieser Region vergleichsweise dünn, es gibt Schlamm-Pools, sprudelnde Quellen und dampfende Seen, „es blubbert an allen Ecken und Enden“.

Deshalb liegt oft ein Schwefelgeruch über der Gegend. Auch erloschene Vulkane sind zu finden und hin und wieder bebt die Erde. Martin Kostrewa nimmt diese Situation aber sehr gelassen, sie kann ihm die Vorfreude nicht verderben. Für jede Wohnung in Rotorua ist auch ein Notfallkit gesetzlich vorgeschrieben. „Wenn sich die Erdbeben häufen, müssen wir abhauen“, sagt er schmunzelnd. „Deshalb mieten wir unser Haus dort auch nur.“