"Es ist an der Zeit, einmal durchzuatmen"
29.05.2009 | 17:43 Uhr 2009-05-29T17:43:00+0200Seit über zwei Jahren arbeitet Förster Matthias Müller in einem „Katastrophengebiet”. Schuld daran sind Kyrill, Emma und der heftige Hagelschauer am 22. Juni 2008. Was die Naturgewalten hinterlassen haben, sind 8 000 Festmeter Schadholz.
In Zahlen kann diese Dimension kaum erfasst werden. „25 000 Bäume, vielleicht noch viel mehr”, definitiv weiß der Förster nicht, wie viele umgefallene Stämme er und seine Mitstreiter aus den Wäldern Fröndenbergs rücken mussten.
Eine undankbare Aufgabe. Aktive Schadensbegrenzung und immer im Kampf gegen den gefräßigen Borkenkäfer. Doch jetzt sei es an der Zeit, endlich einmal durchzuschnaufen. „Wir werden zwar auch weiterhin hinterherrennen, weil der Waldbestand gerade jetzt sehr empfindlich und störungsanfällig ist.” Aber alle Flächen, die wieder aufgeforstet werden sollten, auf denen wurden nun neue Bäume gepflanzt. Manche Flächen werden vom Lauf der Natur geregelt, erklärt der Fachmann.
Besonders übel erwischt habe es die Südwest-Hänge Fröndenbergs, beispielsweise auf der Hohenheide, und den Ostbürener und Hemmerder Schelk. Dort, wo am Fasanenwege einmal hunderte Fichten standen, sind nun knapp 6 000 1,20 Meter kleine Buchen übrig. Viele werden es nicht schaffen, einige werden von Wild zerstört oder fallen Ungeziefer zum Opfer. Den Rest erledigt die Natürliche Auslese und erst in 140 Jahren stehen an dieser Stelle wieder imposante Buchen und damit bestes Holz.
Das effektivste Mittel, sich gegen Sturm zu wappnen, sei eine gesunde Mischpflanzung, eine natürliche Auswahl zu treffen und eine umfangreiche Pflege. Doch gegen die wüsten Windspitzen, die Kyrill über die Bäume fegte, „dagegen ist man einfach machtlos.” Matthias Müller hat im Auftrag der Waldbesitzer 70 000 Jungbäume in den 600 Hektar Wald in Fröndenberg gepflanzt. Ein Schutzzaun wurde nicht ereichtet. Um Wildschäden zu vermeiden, wurden deshalb hohe Jungpflanzen eingesetzt. Damit sich Rehböcke nicht ihre Hörner an den Stämmen reiben, wurden diese mit Schutzmitteln gestrichen. Und am Waldrand warten noch immer Baumstämme auf Abnehmer. Aufgrund der riesigen Menge an Holz geriet der Holzabsatz nämlich kräftig ins Stocken. Der Preis fiel ins Bodenlose – der finanzielle Schaden kaum messbar.
Nicht nur da: Ehe die neuen Sprösslinge wieder mit ihren Baumkronen Schatten spenden – wie vor den großen Stürmen – wird es noch „vier, fünf Generationen an Förster brauchen”, weiß Matthias Müller.
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