Das aktuelle Wetter Fröndenberg 2°C
Geld und Glieder fehlen

Einschnitte in der Kirche sind unvermeidbar

04.03.2013 | 17:00 Uhr
Einschnitte in der Kirche sind unvermeidbar
Thomas Sauerwein sprach beim Haarstrang-Männertag in Dellwig über finanzielle Zwänge der evangelischen Kirche.Foto: Dominik Pieper

Dellwig . Sie ist eine Institution in der Gesellschaft, ein Fels im Alltag vieler Menschen in Fröndenberg – die Kirche. Doch dass diese, explizit die evangelische Kirche in Fröndenberg und Unna, auch ein betriebswirtschaftliches Unternehmen ist, wird oft vergessen. Thomas Sauerwein, Verwaltungsleiter beim evangelischen Kirchenkreis in Unna, ist seit einiger Zeit immer öfter unterwegs, um die Gemeindeglieder an genau das zu erinnern. Am Samstag schaute Sauerwein beim Haarstrang-Männertag in Dellwig vorbei – und verdeutliche den 50 Besuchern, dass die evangelische Kirche finanziell schlechter dasteht als noch vor Jahren.

Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Das Gemeindehaus in Ardey ist geschlossen, es wird über die Anzahl an Pfarrstellen diskutiert, im Bereich der evangelischen Kirche in Fröndenberg und Bausenhagen stehen ebenfalls Einschnitte im Raum. All das, so erfuhren die Besucher des Männertags, sei das Resultat des demografischen Wandels. Am Beispiel der Kirchengemeinde Dellwig zeigte Sauerwein die Entwicklung der Gemeindeglieder auf. Vor 30 Jahren hatte Dellwig noch mehr als 5.000 evangelische Christen, heute sind es nur noch knapp 3.800. In einigen Jahren wird die Kirchengemeinde sogar nur noch etwa 3.400 Glieder zählen.

Weniger Gemeindeglieder bedeuteten weniger Mittel aus Kirchensteuern von der Landeskirche zu erhalte – und daraus ergibt sich das finanzielle Loch, das es zu stopfen gelte. Sauerwein erklärte, dass 3.800 Glieder sicherlich immer noch ein guter Wert seien. Bedenke man aber, dass generell nur etwa ein Viertel aller Gemeindeglieder Kirchensteuer bezahlen, komme die Kirche schnell in den Bereich der Unterdeckung, wie es betriebswirtschaftlich heißt. Mit anderen Worten: Für das Angebot, dass Dellwig und andere Gemeinden anbieten, fehlt das Geld.

Sauerwein betonte, der Hauptteil an kirchlicher Arbeit werde in den Gemeinden geleistet – doch letztlich komme hier aufgrund von Zuweisungen am wenigsten Geld an. 8,2 Millionen Euro erhielt der Kirchenkreis Unna im vergangenen Jahr an Kirchensteuern. Und daraus muss der Haushalt mit all seinen Ausgaben bestritten werden. Pfarrstellen auf der einen Seite, aber vor allem die Unterhaltung der vielen kircheneigenen Gebäude verschlinge einen Großteil des Geldes.

Die Folge seien Verkäufe von Gemeindehäusern wie unlängst in Ardey. Das, versicherte Sauerwein, tue man nicht gerne. Doch mit Blick auf die Zukunft der Kirche vor Ort seien Einschnitte unvermeidbar.

Dominik Pieper



Kommentare
Aus dem Ressort
Für Kriminalkomödie lange geprobt
Theater ohne Rahmen
Die große Theater-ohne-Rahmen-Fangemeinde hat schon darauf gewartet. Seit 20 Jahren kündigt die beliebte Theatergruppe immer im November ihr neues Stück an. Geprobt wird allerdings schon seit Ende der Sommerferien, damit ein knappes halbes Jahr später alles sitzt. 2015 wird ToR...
Dorffest für neues Löschfahrzeug
Feuerwehr
Dramaturgisch perfekt von reichlich Kunstnebel umqualmt rollte das feuerrote Löschmobil mit flackerndem Blaulicht majestätisch aus der Garage und gab im Abstoppen zweimal ein triumphierend-durchdringendes „Tatü-Tata!“ von sich. Szenenapplaus, „Bravo!“-Rufe und strahlende Gesichter vor dem...
Neue Orgel erklingt am 1. Advent
St. Marien
Während der Einbau der historischen Dinse-Orgel in der St.-Marien-Kirche bald abgeschlossen ist, hat der Orgelbauverein ein umfangreiches musikalisches Programm rund um die Einweihung am 1. Advent bekanntgegeben.
Wie sich Südwestfalens Bürger für Flüchtlinge engagieren
Flüchtlinge
Sprachkurse, Spenden und Wohnungen: Was der Staat allein nicht schafft, übernehmen in Südwestfalen die Bürger. Sie helfen den Flüchtlingen im Alltag, damit diese sich in Deutschland wohlfühlen können. Ein Überblick über beeindruckende Projekte aus der Region.
Ehrenamt als Kitt der Gesellschaft
Fröndenberg
„Ehrenamt ist, wenn jemand unentgeltlich die Ärmel hochkrempelt und los legt. Wenn jemand etwas umsonst tut – ohne Bezahlung“, definierte der Bürgermeister. „Umsonst – aber ich bitte Sie: nicht vergebens!“
Fotos und Videos
Streetbob-Spektakel in Winterberg
Bildgalerie
Streetbob-WM
Streetbob-WM in Winterberg
Bildgalerie
Streetbob-WM