Brandserie in der Palz: Feuer aus Langeweile gelegt?
05.12.2011 | 18:28 Uhr 2011-12-05T18:28:00+0100
Fröndenberg.Wenn Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel sich die Akte der vier mutmaßlichen Brandstifter aus Reihen der Feuerwehr anschaut, kommt ihr ein Gedanke: „Es kann Langeweile gewesen sein.“ Ob darin tatsächlich das Tatmotiv begründet liegt, wird der Prozess zeigen.
Noch ist die Hauptverhandlung nicht terminiert. Wohl aber hat die Staatsanwaltschaft inzwischen Anklage wegen Brandstiftung am Jugendschöffengericht Unna erhoben. Drei der vier Angeklagten sind unter 21 Jahre alt und gelten als Heranwachsende.
Vor einem halben Jahr klärte die Polizei die Brandserie aus der Palz auf. Schrottautos, immer wieder Strohballen, Holzunterstände, sogar ein Carport und ein angrenzendes Wohnhaus: Zwölf Feuer zwischen dem 1. Januar und 14. Mai ordneten die Ermittler vier jungen Männern zu, die daraufhin in ihren Vernehmungen umfangreiche Geständnisse ablegten. Die Mehrzahl der Brände, hieß es damals von Seiten der Staatsanwaltschaft, hätten zwei der vier Angeklagten gelegt. Nach ihren Vernehmungen wurden die 18, 19, 21 und 27 Jahre alten Männer aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Auf Untersuchungshaft verzichtete die Staatsanwaltschaft damals, weil die Männer in geordneten familiären und sozialen Verhältnissen lebten und ein Haftgrund nicht vorliege.
Angeklagt sind jetzt, der Übersichtlichkeit halber, sechs der zwölf Fälle. „Die besonders signifikanten“, sagt Oberstaatsanwältin Holznagel, der sich der Eindruck aufdrängt, die Männer hätten mit ihren Feuern dafür sorgen wollen, „dass hier endlich mal was los ist.“ Sie geht davon aus, dass die Hauptverhandlung Anfang 2012 stattfinden wird.
Ein Zeitpunkt, den Jörg Sommer, Leiter der Feuerwehr Fröndenberg, seit Monaten herbeisehnt. Von den vier Angeklagten ist einer bereits freiwillig aus der Feuerwehr ausgeschieden. Die anderen drei noch nicht. „Wenn sie verurteilt werden, dann steht fest, dass sie sich unehrenhaft verhalten haben“, sagt Sommer. Und dann kann er sie aus der Feuerwehr ausschließen. Dass es wohl die eigenen Kameraden waren, hat die Feuerwehr nachhaltig erschüttert.
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