Alte Frauen beraubt und bestohlen: Bewährungsstrafe

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Fröndenberg/Unna.. „Gib mir sofort dein Portmonee, sonst passiert was“ – so bedrohte der junge Mann Anfang Juli eine Seniorin auf dem Karl-Wildschütz-Parkplatz. Dabei machte er ihr mit einem zusammengeklappten Taschenmesser Angst. Als der 24-Jährige gestern auf der Anklagebank saß, präsentierte er sich als anderer Mensch. Geläutert.

Der Überfall im Fröndenberger Stadtzentrum, den das Unnaer Schöffengericht als besonders schwere räuberische Erpressung im minder schweren Fall wertete, war nicht die einzige Tat gegen eine alte Frau. Fünf Tage vorher, am 30. Juni, hatte er einer damals 87-Jährigen auf dem Aldi-Parkplatz am Bruayplatz die Handtasche entwendet. „Ich kann nicht sagen, was mich da geritten hat“, sagte der Fröndenberger kleinlaut und beteuerte: „Es tut mir aufrichtig leid.“

Chronischer Geldmangel war damals wohl das Motiv des ungelernten arbeitslosen Dachdecker-Gehilfen, der von Hartz IV lebt. Vor den beiden Taten im Frühsommer war er strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten. Für Richter Jörg Hüchtmann ein ungewöhnlicher Einstieg in die Schwerkriminalität.

Von der Seniorin auf dem Karl-Wildschütz-Parkplatz erbeutete er das Portmonee. Es entstand ein Schaden von 100 Euro. Der alten Frau auf dem Aldi-Parkplatz stahl er 170 Euro und sämtliche Papiere. „Der seelische Schaden“, betonte Richter Hüchtmann, „wiegt schwerer als das Geld.“ Es gebe Opfer, die sich nach einer solchen Tat nicht mehr trauten aus dem Haus zu gehen. „Wenn Sie sich überlegen, welche Lebensqualität Sie da einschränken, dann ist das mit Strafe nicht wiedergutzumachen“, redete der Richter dem Angeklagten, der wie ein Häufchen Elend in seinem Stuhl saß, ins Gewissen.

Dass ihre Lebensqualität durch die Tat eingeschränkt wurde, konnte die als Zeugin geladene heute 88-Jährige nur bestätigen. „Es hat mich sehr getroffen.“ Lange Zeit sei sie nach dem Handtaschendiebstahl nicht mehr in dieser Ecke der Stadt gewesen.

Die alte Frau, die der Angeklagte mit dem zugeklappten Messer bedroht hatte, war versehentlich nicht als Zeugin geladen worden. Doch weil der 24-Jährige ein umfassendes glaubhaftes Geständnis ablegte, kam das Gericht auch ohne die Zeugenaussage der 78-Jährigen zu einem Urteilsspruch.

Wegen besonders schwerer (aufgrund des Messers) räuberischer Erpressung in einem minder schweren Fall (das Messer war zugeklappt) verurteilte ihn das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Gericht erlegte dem Verurteilten eine Wiedergutmachung des Schadens auf. Er muss 250 beziehungsweise 100 Euro an die Opfer zahlen. Weil der junge Mann inzwischen eine Stelle in Aussicht hat, setzt das Gericht darauf, dass er auch bald zur Zahlung in der Lage sein wird.

„Am helllichten Tag ältere Damen zu berauben“, sagte Richter Hüchtmann, „da sträuben sich jedem, der das hört, die Nackenhaare.“ Hüchtmann bezeichnete die Taten als bösartig, selbst der Verteidiger sprach von einem „hohen Maß an krimineller Energie“. Der Angeklagte versicherte, dass er den alten Damen nie etwas getan hätte und bedauerte, dass er die Taten nicht mehr rückgängig machen könne. „Aber ob Sie ihr nichts tun wollten, das weiß die Zeugin in dem Moment nicht“, sagte Hüchtmann. „Das weiß sie erst, wenn sie das Messer in den Rippen stecken hat – oder wenn Sie sich umdrehen und flüchten.“