Flair der 50er kehrt zurück
26.08.2009 | 17:32 Uhr 2009-08-26T17:32:00+0200
Fritz Jung hat alle Hände voll zu tun. Der Neunkirchener, der seit vielen Jahren im Haigerer Stadtteil Fellerdilln lebt, hat in der kleinen Polsterwerkstatt in seinem Haus so viele Sitzgelegenheiten wie schon lange nicht mehr.
Normalerweise polstert der 58-Jährige durchgesessene Fernsehsessel oder die ausgeleierten Schaumstoffauflagen von Küchenstühlen wieder auf. Zurzeit stehen zweihundert Sessel der gleichen Bauart in seinem Keller. Fritz Jung arbeitet die Sessel des Würgendorfer Heimhoftheaters auf, die nach der Sanierung im Spätsommer nächsten Jahres im Parkett und in den Logen den Zuschauern einen bequemen Blick auf das Geschehen auf der Bühne bieten sollen.
Alte Füllung war
nicht fachmännisch
Seit zwei Wochen hat Jung zweihundert der ehemals 250 Stühle unter seinem Polsterhammer. Vor allem die Sitzflächen bedürfen nach fast 60 Jahren Kulturgenuss einer dringenden Überarbeitung. „Die hier”, sagt Jung und zeigt auf die alte Füllung, „war eigentlich gar nicht fachmännisch.” Das holzwollenartige Füllsel sei viel zu dünn gewesen. Aber die Dicke der Sitzflächen habe keine andere Möglichkeit gelassen.
Das wird jetzt anders. Wenn im Spätsommer oder Herbst nächsten Jahres die kunstbe-flissenen Honoratioren aus dem Dreiländereck zur Eröffnung des restaurierten Heimhoftheaters im Parkett Platz nehmen, dann sitzen sie auf doppeltem Boden. Auf die Sprungfederkonstruktion kommen je eine Schaumstoff- und eine Filzschicht, überzogen mit dem weinroten Kunstleder, das den Sesseln in dem kleinen Theater seit der ersten Vorstellung 1951 das Flair ganz großer Bühnen verlieh. Rund zwei Drittel der Sessel hat Jung inzwischen ertiggestellt. Aber Geduld: „Mit dem Wunschtermin 5. September wird es wohl nichts.”
Zusammentreffen
war ein Glücksfall
Eine Nachricht, die den Vorsitzenden des vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Fördervereins zur Rettung des kleinen Theaters, das in der Nachkriegszeit im „Heimhof”, dem ehemaligen Pferdestall der Würgendorfer Dynamit-Fabrik entstand und deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte, Theodor Petera, nicht schrecken wird. „Es ist ein reiner Glücksfall, dass wir uns gefunden haben”, sagt Petera mit Blick auf den Zufall, der zur Auftragsvergabe führte.
Während die Sanierer händeringend nach einem geeignerten Polsterer suchten, fahndete Fritz Jung, der von einem Freund von der Aktion Wind bekommen hatte, nach Theodor Petera. Schließlich mit Erfolg. Und so stapeln sich die Sessel zurzeit in seinem Keller, ehe sie im Zuschauerraum des Heimhofes wieder Platz nehmen dürfen.
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