Zwischen Solidarität und Unverständnis

Mehr Verständnis zeigt da Sinem Günay, obwohl auch sie heute improvisieren musste. „Ich musste von Duisburg nach Essen zum Bewerbungsgespräch. Da ist man ja sowieso schon nervös, und es wird nicht einfacher, wenn man nicht mal weiß, ob man überhaupt pünktlich zum Gespräch erscheinen kann.“ Grundsätzlich könne sie aber verstehen, dass die Lokführer für Rechte kämpfen müssten, nur „sollte es langsam mal zu einer Einigung kommen.“ Immerhin hatte die 25-Jährige Glück im Unglück: Sie fand noch eine Verbindung – und bekam den Job. Wenigstens etwas.

Und auch hier ist der Stresspegel heute leicht erhöht: In der Schaltzentrale der Bahn im Hauptbahnhof laufen alle Informationen über Verspätungen und Ausfälle zusammen. Johann Oelscher richtet seinen Blick starr auf den Bildschirm. Er koordiniert die Ansagen für die Fahrten von und nach Recklinghausen. Selbst zum Mikrofon greifen muss er heute nicht mehr, vielmehr gibt er den Ansagetext in ein Programm ein, der dann automatisch über die Lautsprecher ertönt. Einen Satz kann er heute Abend wohl schon im Schlaf mitsprechen: „Aufgrund von Streiks der GDL ist der Zugverkehr beeinträchtigt.“