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Zwischen Büchern auf der Pirsch

14.05.2009 | 08:54 Uhr
Zwischen Büchern auf der Pirsch

Essen. In den langen Regalreihen der Universitäts-Bibliothek am Campus Essen spürt Sven Ender vermisste Werke auf.

Mit der Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen hat seine Arbeit eher nichts zu tun. Sven Ender ist zwar auf der Suche, jedoch freut er sich über jedes Fundstück, das ihm in die Hände fällt. Seit anderthalb Jahren ist der Zwei-Meter-Mann als Bücher-Sucher in der Universitäts-Bibliothek am Campus Essen auf der Pirsch. Und seine Beute kann sich sehen lassen: Nimmt er sich mal 'ne halbe Stunde Zeit, findet er rund 100 Bücher, die fehl am Platze stehen oder gar als vermisst gelten.

Im wahren Leben studiert Sven Ender Philosophie und Geschichte im achten Semester, strebt den Magister-Abschluss an. Den Job als studentische Hilfskraft in der Bibliothek erledigt er nebenbei, um sein Studium zu finanzieren. Dabei kümmert er sich vor allem um den sogenannten Campus-Lieferdienst - ein Service für Studenten, Bücher beider Bibliotheken in Duisburg und Essen zu nutzen. Zwischendurch sucht der 24-Jährige dann in den endlosen Regalreihen der Bibliothek nach verschollenen Büchern.

Zur Demonstration wirft Ender einen geübten Blick von der Seite zwischen die Bücherreihen eines Regals - und wird sogleich fündig: Er zieht „Könige und Bauern” von Detlev von Liliencron hervor. Absolut fehl am Platze lag das alte Schätzchen versteckt hinter der sichtbaren Buchreihe. „Die Bücher stehen sehr eng und manchmal rutscht eines dann versehentlich hinter die anderen”, erzählt Sven Ender. „Aber oftmals werden Bücher absichtlich versteckt. Der Konkurrenzkampf in manchen Fächern ist groß und da versuchen sich manche Studenten einen Vorteil zu verschaffen, in dem sie wichtige Bücher vor Kommilitonen verstecken.”

Bücher, die Sven Ender so findet, stellt er auf seinen Bücherwagen. Denn bevor sie ihren richtigen Platz im Bestand zurückerhalten, wird zunächst kontrolliert, ob diese Bücher wirklich als vermisst gelten. Rund 1,5 Millionen Bücher stehen in der Uni-Bibliothek am Campus Essen, eine weitere Millionen in der Bibliothek am Standort Duisburg. „Einen genauen Überblick über die Anzahl der vermissten Bücher haben wir nicht”, so Bibliotheksdirektor Dr. Joachim Boy. „Aber wir erhalten immer wieder Meldungen der Benutzer, die manche Bücher nicht auffinden können.” Doch die meisten finden sich nach den Erfahrungen des Bibliotheksdirektors nach ein paar Tagen oder Wochen wieder, weil sie lediglich verlegt worden sind. „Der Verlust von Büchern ist in der Uni-Bibliothek kein Problem, was die Benutzer ständig und massiv beeinträchtigt”, erklärt Boy. „Aber es ist schon ein tägliches Ärgernis.”

Wenn Sven Ender sich auf die Suche nach vermissten Schätzchen begibt, so findet er sie manchmal an den unmöglichsten Stellen und sogar unter den Regalen. Ab und an hebt er ganze Nester aus: „Dann war ein Student wohl zu faul, die Bücher, mit denen er gearbeitet hat, wieder an die verschiedenen Orte zurückzustellen und hat sie stattdessen einfach gesammelt irgendwo abgelegt”, erzählt Ender von seinen Erlebnissen zwischen den endlosen Regalreihen.

Der Student liebt seine Arbeit in der Bibliothek, denn Bücher sind seine Leidenschaft. „Am liebsten lese ich Werke von Kant”, schwärmt Sven Ender und stellt fest: „Mich fasziniert die Klarheit seiner Schriften.

Seinen Job als Bücher-Sucher gibt Sven Ender allerdings auf. Die Stelle soll aber wieder besetzt werden.

Die Bibliothek

Die Bibliothek der Uni Duisburg-Essen hat rund 2,5 Millionen Bücher in ihrem Bestand. Im vergangenen Jahr flossen rund 1,5 Millionen Euro aus Studiengebühren in die Bibliothek. Dafür wurden über 20 000 neue Bücher angeschafft, vor allem häufig nachgefragte Lehrbücher. Zudem wurden Tische, Stühle und Computer gekauft. Auch in diesem Jahr hofft die Bibliothek auf Mittel aus den Studiengebühren.

Fotos: Walter Buchholz/WAZ

Andrea Kleemann

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Kommentare
16.05.2009
22:37
Zwischen Büchern auf der Pirsch
von dasKollektiv | #3

„Aber oftmals werden Bücher absichtlich versteckt. Der Konkurrenzkampf in manchen Fächern ist groß und da versuchen sich manche Studenten einen Vorteil zu verschaffen, in dem sie wichtige Bücher vor Kommilitonen verstecken.”

so sind sie, unsere zukünftigen Manager.....

16.05.2009
21:13
Zwischen Büchern auf der Pirsch
von eipi | #2

Genau, Argus, ein Lehrbuch tauchte in unserer juristischen Bibliothek irgendwann später im Regal der kirchenrechtlichen (!) Literatur wieder auf. Das war 100 pro weder Faulheit noch Versehen. Aber ich habe es auch ohne dieses eine Buch geschafft ...;-)

16.05.2009
07:03
Zwischen Büchern auf der Pirsch
von Argus | #1

Schon früher haben Studenten eher aus Egoismus, denn aus Faulheit Bücher verstellt: sie wollten sie nur dem Zugriff der Kommilitonen entziehen.

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