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Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?

23.12.2012 | 06:00 Uhr
Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
Den Baldeneysee im Essener Süden kennt Jeder. Auch Katernberg hat durch Zollverein einen Aufschwung erlebt und ist in aller Muinde. Zu den weniger bekannten Stadtteilen zählen Vogelheim, Bedingrade oder Gerschede. Foto: Oliver Multhaup

Essen.  Kennen Sie alle 50 Essener Stadtteile? Das wollten wir wissen und bekamen erstaunliche Antworten. Bewohner des  Nordens  sind  offenbar mobiler als die südlich der A 40. Eine Spurensuche auch nach einem seit langen kursierenden Vorurteil. Trennt die Zweiteilung der Stadt in Nord und Süd auch die dort lebenden Menschen?

Bettina Eschen hat in diesem Jahr den Norden bei einer Bus-Tour mit der Essener Marketing Gesellschaft entdeckt und war total überrascht, „was sich dort alles getan hat“. Ob Katernberg, Altenessen oder Altendorf, viele Viertel, die die Holsterhausenerin das letzte Mal vor mehr als einem Jahrzehnt besucht hat, hätten sich zu ihrem Vorteil verändert.

Trotzdem gibt es immer noch Stadtteile, die sie nur dem Namen nach kennt: „Ich war zum Beispiel noch nie in Vogelheim, habe aber auch gar keine Beziehung dazu“, gibt sie unumwunden zu.

50 Stadtteile von Essen

Kennen Sie alle 50 Stadtteile von Essen? Oder gibt es Viertel, in die Sie noch nie einen Fuß gesetzt haben? Das wollten wir von den Bürgern wissen und haben uns in Rüttenscheid und Altenessen umgehört. Karnap, Freisenbruch, Vogelheim, Schonnebeck und Gerschede zählt Christa Thielemann auf. In Rüttenscheid lebend, sieht sie eigentlich keine Veranlassung, die nördlichen Viertel kennzulernen. Damit bestätigt sie indirekt ein Vorurteil, das seit langem kursiert: die Zweiteilung der Stadt in Nord und Süd, die auch die dort lebenden Menschen trennt.

 So war es zumindest in der Vergangenheit. „Ich erlebe immer wieder, dass hinter der City für viele aus dem Essener Süden die Stadt aufhört“, sagt Südviertel-Bewohnerin Susanne Simon. „Allerdings habe ich mir schon vorgenommen, auch mal Quartiere kennzulernen, die ich nur dem Namen nach kenne.“ Das hat Hubert Zeiß bereits getan. Mit dem Rad ist er quer durch Essen gefahren und hat dabei so manch schöne Flecken entdeckt: „Meine Lieblingstour führt am Rhein-Herne-Kanal entlang.“

Neugierig auf die neue Heimat

Daniel Ehlert, vor sechs Jahren als Student nach Essen gezogen, hat die Stadt mit dem Fotoapparat erobert. „Ich war einfach neugierig auf meine neue Heimat“, sagt der Altendorfer und macht direkt Werbung für seinen Kiez: „Altendorf ist wesentlich besser als sein Ruf, ich lebe gerne hier.“

Wenn es überhaupt eine Grenze gäbe, dann existiere die nur in den Köpfen den Bürger, glaubt Susanne Mahler. Die Altenessenerin kennt sich gut aus, ihr großer Familien- und Freundeskreis ist in der ganzen Stadt verteilt. Auch Theodor Arntzen ist profunder Stadtkenner. Vorurteilen ist er immer wieder begegnet: „Wie kannst du nur in Altenessen leben“, wurde der pensionierte Beamte gerne von seinen in Werden oder Stadtwald lebenden Kollegen gefragt: „Dabei kannten die meisten den Norden nur vom Hörensagen.“

Vera Eckardt



Kommentare
23.12.2012
17:45
Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von putsche123 | #17

Wartet ab bis das Wetter wieder ein bisschen wärmer ist, schnappt euch ein Rad und fahrt doch mal durch das Essener Stadtgebiet.
Es gibt auch in Altenessen und Karnap sehr schöne Ecken, die man mit dem Auto nicht sehen kann. Für besser Trainierte kann ich die Grenzerfahrung empfehlen. Knapp über 100 km entlang der Stadtgrenze Essens.

1 Antwort
...schnappt euch ein Rad
von Hufschmied | #17-1

Mein reden!

23.12.2012
15:23
Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von Karlot | #16

@blomquist

Und was meinen Sie, welche Gegenden Sie kennenlernen würden, wenn Sie mal den begrenzten Essener Horizont verließen.

1 Antwort
Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von Blomquist | #16-1

Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Ich bin schon genug in der Welt herum gekommen. Gerne auch Abseits der üblichen Touripfade. Begrenzt ist man nur, wenn man nicht mal weiß, was vor der eigenen Haustür liegt.

23.12.2012
14:45
Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von Blomquist | #15

Ich finde es super, dass bei der EMG mal jemand auf die Idee gekommen ist die einzelnen Stadtteile anzufahren. Ich bin als "Stadtkenner" im Sommer selbst mit einer Fahrt in Altenessen unterwegs gewesen und habe Gegenden kennengelernt, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Wirklich ein schöner Einfall!

2 Antworten
Wirklich ein schöner Einfall!
von Hufschmied | #15-1

Ja, eine schöne Idee. Ich mache das schon seit vielen Jahren, sowohl mit Auswärtigen (zB aus Salzburg, Münster, Mönchengladbach), als auch mit Essenern. Die Hiesigen winken zuerst meist ab, denn sie "kennen Essen" ja. Denken sie. Nach gut acht bis neun Stunden duch ganz Essen sahen sie dies anders.

Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von xxyz | #15-2

Ja, das Ruhrgebiet hat schöne Ecken und im Umkreis von 50 km gibt es sehr viel zu sehen.

Wenn man bedenkt, dass man im Urlaub bei vielen Rundreisen Inlandflüge und Bustouren von300km pro Tag unternimmt, nur um irgendeinen Kram zu sehen, ist Deutschland schon reich mit schönen Landschaften und interessanten Städten gesegnet.

Dennoch ist Essen-Nord für Durchfahrende schon unterste Schublade.

23.12.2012
14:41
Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von schRuessler | #14

Ich gebe zu, ich kenne die nördlichen Stadtteile auch kaum.
Nicht, weil ich Vorurteile hätte, sondern weil es bisher selten Gründe gegeben hat, warum ich da hätte hinfahren sollen. Man ist doch in der eigenen Stadt kein Tourist, der durch die Stadtteile tigert.

1 Antwort
Man ist doch in der eigenen Stadt kein Tourist, der durch die Stadtteile tigert.
von Hufschmied | #14-1

Wenn man "seine" Stadt nicht wirklich kennt, warum nicht? Warum nur in der Fremde? Ist es nicht blöd genug, Fremde überzeugen zu müssen, daß der Pott lebens- und liebenswert ist?

23.12.2012
13:41
Corinna27 darf auch dann noch...
von schloppke | #13

...einen Rechtschreibkursus machen, damit auch schwierige Wörter richtig geschrieben werden.

Ehrlich, corinna: Wissen Sie, was auch unattraktiv ist?
Spinner, die sich für den gesellschaftlichen Hochadel halten, aber ansonsten stilistisch ne Grotte bewohnen.

1 Antwort
@ schloppke
von cui.bono | #13-1

Wenn man anderen einen Rechtschreibkurs empfiehlt, dann sollte man es zumindest selbst richtig machen!

23.12.2012
13:35
Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von schloppke | #12

@ heindaddel | #10:

Das ist auch gut so. Dann kann man sicher sein, daß sie hier nicht aussteigen: Es gibt Typen, die wollen wir hier auch gar nicht haben...

23.12.2012
13:28
Würden die Schrebergärten nördlich von Altendorf als Villengrundstücke vermarktet
von meigustu | #11

käme sicherlich gut Geld in die städtische Kasse. Denn der Fluglärm im Süden nervt schon. Und die Polizei wäre dann sicherlich so präsent wie in Rüttenscheid, wo zwei harmlose Penner einen Einsatz auslösen, während du anderswo schon halbtot auf der Strasse liegen musst bis einer kommt.

23.12.2012
13:24
Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von heindaddel | #10

Beim durchfahren mancher nördlicher Stadtteile verriegele ich mein KFZ von innen.Dann fühle ich mich sicherer.

23.12.2012
12:13
Zweiteilung nach welchen Kriterien?
von eimerweise | #9

Nette, gutherzige Menschen und hinterhältige Idioten? Sind gleichmäßig verteilt.
Armut gegen Reichtum? Wen interessiert das schon.
Grün gegen Beton? Liegt an der Bevölkerungsdichte.
Lebensqualität? Hängt von der Empfindung des Einzelnen ab.
Ich finde Altendorf wird immer schöner, und Bredeney immer häßlicher.
Und das soziale Leben ist in Bredeney garantiert nicht besser - eher umgekehrt.

23.12.2012
11:55
Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von cui.bono | #8

Nein, es ist kein Voourteil!

Vor einigen jahrzehneten konnte man auch noch ganz gut in den nördlichen Stadtteilen leben.

Wenn ich mir anschaue, wie sich diese Stadtteile heute entwickelt haben, kann ich für mich sagen, dass ich NIEMALS in einen der nördlichen Stadtteile ziehen würde.

Diese Stadtteile sind für mich teilweise zu Ghettos und zu Slums verkommen!

2 Antworten
Wo sind konkret diese Ghettos?
von Hufschmied | #8-1

Kennen Sie das schöne Schönebeck? Waren Sie schon in Borbeck unterwegs, zum Beispiel in der Schloßwiese? Am Kanal entlang nach Duisburg, oder schon mal zum Nordsternpark unterwegs gewesen? Kennen Sie den Krayer Volksgarten, nebst dazu gehörenden Wohnstraßen? Ist Ihnen die Schonnebecker ECA-Siedlung geläufig oder kennen Sie Stoppenberg mit dem Hallopark, der Nikolauskirche und der Stiftskirche? Haben Sie je Bergmannssiedlungen besucht, wie die, nördlich der Zollvereinstraße in Katernberg, oder waren Sie je zu Fuß in Gerschede und Dellwig unterwegs? Außerdem dürfte Ihnen auch Karnap unbekannt sein, so wie Sie schreiben. Gehen Sie ruhig mal in die Mathias-Stinnes-Siedlung, Sie wsollten überrascht sein!

Zweiteilung der Stadt Essen in Nord und Süd mehr als ein Vorurteil?
von lucky250395 | #8-2

Ihrem Kommentar kann ich mich nur anschließen. Wenn man sich z.B. Altendorf ansieht. Vor 25 Jahren war es ein sehr schöner Stadtteil, mit seinen schönen kleinen Fachläden, die sich die Altendorfer langzogen, und heute? Da möchte ich heute nicht mal Tod über´n Zaun hängen.
Schade, das immer mehr Stadtteile so verkommen und die Stadt nicht dagegen steuert.

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