Zwei große Werke zur Passionszeit

Zwei große Werke zur Passionszeit abseits der überragenden, viel gespielten Bach-Monumente standen jetzt in der Philharmonie auf dem Programm. Zwei eindrucksvolle, aber wenig bekannte Bekenntnisstücke, die trotz prominenter Besetzung mit dem WDR Sinfonieorchester unter Leitung von Michael Sanderling erheblich weniger Zuhörer in die Philharmonie lockten als sie es verdient hätten. Die „Sieben Worte“ von Sofia Gubaidulina und ein deutsches „Stabat Mater“ von Franz Schubert boten denkbar unterschiedlich gestrickte Kommentare zur Leidensgeschichte des Herrn.

Die sieben letzten Worte Christi am Kreuz bilden die geistige Grundlage für Violoncello, Bajan (ein Knopfakkordeon) und Streicher besetzten Instrumentalsätze der russischen Komponistin. Sparsam klingende, von asketischer Strenge durchdrungene Musik voll beeindruckender spiritueller Energie. Souverän und sensibel ausgeführt vom Solocellisten des Kölner Orchesters, Oren Shevlin, Elsbeth am Bajan und den Streichern des WDR.

Nach der Pause war mit dem „Stabat Mater“ in f-Moll des 19-jährigen Franz Schubert eine Rarität zu hören, die die Passionsgeschichte durch hoffnungsvollere Töne vermittelt. Schubert bediente sich der sehr freien Übersetzung von Klopstock, die Maria in den Hintergrund und den leidenden, aber trost- und kraftspendenden Sohn am Kreuz in den Mittelpunkt rückt. Auch wenn sich ein Vergleich mit den überragenden späten Messen noch verbietet: Zu hören ist eine beachtliche Talentprobe des jungen Genies in Anlehnung an ähnliche Vertonungen von Pergolesi und Haydn, die bisweilen auch schon die persönliche Handschrift des reifen Meisters erkennen lässt.

Begeisterter Beifall

Sanderling, das WDR Sinfonieorchester und der glänzend vorbereitete Rundfunkchor des WDR sowie die drei vortrefflichen Solisten boten eine klanglich weiche, voluminöse, doch transparente und schlanke Interpretation, die sich von ruppigen Aufführungspraktiken, wie sie derzeit im Umgang mit frühromantischer Musik en vogue sind, fernhielt. Damit wurde das Werk stilistisch zwar ins spätere 19. Jahrhundert gerückt, was der Schönheit der Aufführung jedoch keinen Abbruch tat.

Begeisterter Beifall für eine außergewöhnliche Einstimmung in die Karwoche.