Zum Glück im Stande

Puh, das war knapp! Ob Frauenquoten in Aufsichtsräten, weibliche Vorgesetzte oder die Forderung der Gattin, dass der hart arbeitende Ehemann sich doch mal häufiger an der Bügelwäsche vergreifen möge – die Herren der Schöpfung mussten in den vergangenen Jahrzehnten so manche gesellschaftliche Veränderung duldsam in Kauf nehmen.

Wie erleichternd ist es da, dass die vielleicht letzte männliche Bastion noch nicht zu Fall gebracht wurde: Das Pinkeln im Stehen. Ein unveräußerliches Menschenrecht, dessen Missachtung unverzüglich Amnesty International auf den Plan rufen sollte.

Denn wie die NRZ berichtete, erging jetzt bei einem Fall in Düsseldorf im Namen des Volkes folgendes Urteil: Das Urinieren im Stand ist Privatsache. In dem Rechtsstreit unterlag ein Vermieter, der seinen Mieter für unschöne Verätzungen in den Marmorfliesen verantwortlich gemacht hatte. Grund dafür war offenbar die Unsitte des Mannes, dringende Bedürfnisse aus dem Stand zu befriedigen – schnell, praktisch und mit maskuliner Lässigkeit. Die Kaution von 2000 Euro durfte der Vermieter somit nicht einbehalten.

Nun darf spekuliert werden, ob eine Richterin ein ähnliches Urteil gefällt oder dem renitenten Stehpinkler gleich ein paar Sozialstunden aufgebrummt hätte. Etwa ein Jahr Reinigungsdienst der Toilettenanlagen in einer gemeinnützigen Einrichtung.

Emanzipation hin oder her – ich gönne es den Jungs. Da bin ich nicht kleinlich. Denn irgendwie stärkt dieses Urteil mein Vertrauen in die Justiz, dass man in diesem Land alle Fragen des Lebens vor einem Gericht verhandeln kann – selbst die, wie man(n) gesetzeskonform seine Blase zu entleeren hat. Ich fühle mich sicher.