Zukunftsräume von gestern

Foto: Essen

Alles so schön retro hier: Auf den ersten Blick scheint das Kunsthaus Essen die Zeitmaschine angeworfen zu haben und das liegt nicht nur an den nostalgisch-experimentell anmutenden Objekten von Karsten Konrad, die irgendwo auf dem Weg zwischen Bauhaus und Baumarkt zu einer formschönen Eigenständigkeit gefunden haben. „Cool Structures“ heißt die Ausstellung und beschwört eine Malerei der streng-zackigen Formen und ornamentalen Biegungen, die doch eine ganze Weile in Vergessenheit geraten schien. Doch zwischen all den Installationsexperimenten, Konzeptions-Kapriolen und figurativen Darstellungstendenzen der vergangenen Jahrzehnte haben Jan Muche, Tanja Rochelmeyer und Karsten Konrad in einer Gruppenausstellung nun in den Rückspiegel geguckt – und müssen ganz aus der Ferne die Signale eines Mondrians oder Feiningers eingefangen haben.

So könnte Jan Muches farbentsättigte Malerei heute ebenso gut einen utopischen Dachentwurf zeigen oder eine Fernsehturm-Stahlkonstruktion aus den 1920er Jahren. Tanja Rochelmeyers brillante, ungemein exakte Raumbilder funktionieren nicht nur in ihren kubistischen Anspielungen. Die Berlinerin verändert Fotografien von Räumen zunächst auf dem Computer und malt sie dann wieder auf der Leinwand. So entsteht eine Farbraumwelt, die alle perspektivischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten auf den Kopf stellt und als wahrer virtueller Zukunftsraum daherkommt.