Zu viel Kruste

Gut, der Braten war im Angebot. Aber dass jetzt auch alte Rindviecher auf des Metzgers Theke landen, hatte mir der gute Mann ganz offensichtlich verschwiegen. So ging ich nichts ahnend an mein bewährtes Rinderbratenrezept: Gut würzen, mit Senf einreiben, von allen Seiten scharf anbraten, mit Rotwein ablöschen, Zwiebel, Knoblauch und sonstige Gemüse hinzugeben, sobald der Rotwein reduziert ist, mit heißer Brühe aufgießen – und für zwei Stunden ab in den Ofen. Sohnemann freute sich: „Braten, lecker, du machst ihn schön mürbe.“ Mürbe – Pustekuchen, nach zwei Stunden war das Stück immer noch zäh wie Leder. Nach einer weiteren Stunde war keine merkliche Besserung eingetreten. Gut, das Fleisch war etwas in sich zusammengefallen, doch die Bissfestigkeit hatte es nicht verloren. Eine weitere Stunde später, der Braten war jetzt doch erheblich reduziert, machte Sohnemann die Probe: „Innen ist er jetzt schön weich. Aber weißt du Papa, er hat jetzt einfach zu viel Kruste.“