Zirkus Flic Flac wagt große Sprünge hinter Gittern

Höher, weiter, riskanter: Das ist das Motto im Zirkus Flic Flac. Zu den atemberaubenden Flug-Nummern gehört auch der Auftritt der „Mad flying bikes“ im Zirkuszelt auf Zollverein.
Höher, weiter, riskanter: Das ist das Motto im Zirkus Flic Flac. Zu den atemberaubenden Flug-Nummern gehört auch der Auftritt der „Mad flying bikes“ im Zirkuszelt auf Zollverein.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
„Höchststrafe“ heißt das neue Programm im Zirkus Flic Flac. Da wird in Essen auch eine Gefängnishof-Schlägerei zur spektakulären Partner-Akrobatik.

Essen.. Flic Flac ist bekannt dafür, beim Publikum das Adrenalin in die Höhe zu treiben. Bei der Premiere des Gastspiels vom aktuellen Programm „Höchststrafe” auf dem Zollverein-Gelände fing der Nervenkitzel schon ganz früh an: bei der Suche nach dem Sitzplatz.

„Entschuldigen Sie, Sie sitzen auf meinem Platz!”: Das war während des Einlasses ein viel gehörter Satz. Denn offenbar gab es Probleme im Buchungssystem, viele Sitzplätze im gelbschwarzen Zelt waren doppelt belegt, und die in US-Polizeiuniformen gekleideten Platzanweiser hatten ob dieser Umstände gut zu tun, um die Gäste doch noch zufrieden zu stellen.

Die Artisten als Gefangene

Doch eine alte Zirkusweisheit lautet: Es gibt keine schlechten Plätze in einem Zirkuszelt. Diesen Vorteil bringt die runde Manege nun einmal mit sich, die sich Flic Flac vom traditionellen Zirkus bewahrt hat. Doch ansonsten befreit sich dieser „Anti-Zirkus”auch in diesem Programm vor allem inszenatorisch von diesen Wurzeln. So hat der rote Faden nichts Verträumt-Fantasievolles, sondern führt in den harten Alltag einer Haftanstalt, mit den Artisten als Gefangene. Gleich zu Anfang wird eine Gefängnishof-Schlägerei zur atemberaubenden Partnerakrobatik: Das Duo Dima & Dima stellt absolute Körperbeherrschung unter Beweis. So auch Air Track: ein Sextett, das zeigt, dass man auch hinter Gittern große Sprünge machen kann. In komplizierten Flugfiguren wirbeln sie durch die Luft und landen auf der Matte oder gehen ins Netz. Dazu spendiert die „Alcatraz Band” fetzige Live-Musik mit Caro Kundes betörend rauer Stimme.

Doch befreit man die Nummern von all dem Rock’n’Roll und der spektakulären Lichtshow, bleiben Programmpunkte, die auch im klassischen Zirkus oder im Varieté zu Hause sein könnten: sei es Nicolai Kuntz’ Diavolo-Jonglage, Julia Galenchyks betörender Tanz am Luftnetz oder das leidenschaftlich an den Strapaten schwingende Duo Zukeiev. Von richtig alter Schule ist auch Steve Elekys magische Clownerie, die einen Kontrast bildet zu den an moderner Comedy angelehnten Einlagen des punkigen „Master of Hellfire”: Dessen feurige Pointen passen wiederum ideal ins Flic-Flac’sche Konzept, ebenso wie Irinas Rizaevas verrückte Jonglage im Glaskäfig oder Laura Millers spektakuläre Luftring-Nummer, die die Elemente Luft, Wasser und Feuer vereint.

Höhepunkt ist erwartungsgemäß der „Globe of Speed”. Diese Stahlkugel mit 6,50 Meter Durchmesser, in der diesmal bis zu acht waghalsige Motorradfahrer herumdüsen, durfte bisher in keiner Flic-Flac-Show fehlen. Doch diesmal setzt Flic-Flac-Gründer und Regisseur Benno Kastein noch einen drauf – oder besser gesagt drüber: Zum Finale lässt er das Trio „Mad Flying Bikes” in atemberaubenden Figuren über die Kugel springen. Belohnung: Standing Ovations des Publikums.