Zeitreise in das Haarzopf vor 200 Jahren

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Haarzopf..  Dass ihr Stadtteil historisch einiges zu bieten hat, das wissen die Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte der Haarzopfer Bürgerschaft schon lange. Ein Wissen, das sie gern weitergeben, wie zuletzt bei der geschichtlichen Wanderung durch den Stadtteil.

Dass Haarzopf zum Beispiel einmal in einem Dreiländereck lag, hätten wohl die wenigsten der rund 40 Teilnehmer der Wanderung gedacht. Vor rund 200 Jahren bildete Haarzopf den Eckpunkt zwischen dem Stift Essen, der Abtei Werden und der Herrlichkeit Broich – all diese Staaten waren jeweils nur wenige Quadratmeilen groß.

Doch den Organisatoren der Wanderung geht es um weit mehr als um die Vermittlung geschichtlicher Fakten. „Wir wollen auch berichten, wie man früher in Haarzopf gelebt hat, wie die Menschen sich ohne Elektrizität und fließendes Wasser zurechtfanden“, erklärt Gerdt Schraven. Und zur Anschaulichkeit wird auf lange Erklärungen verzichtet und kurzerhand ein Feuer entfacht – so wie anno dazumal, mit Zunderbüchse und Stroh.

Doch auch aus der jüngeren Vergangenheit haben die Haarzopfer einiges zu erzählen. Makaber wird es zum Beispiel, als es um einen Mord ging, der in Haarzopf in den 20er-Jahren des vorherigen Jahrhunderts Schlagzeilen machte. „Mord in der Jauchegrube“ wurde damals getitelt: eine Blutfehde zwischen den „Lackschuhträgern aus der Stadt und den mistgabelschwingenden Bauern aus dem Dorf Haarzopf“, eine verbotene Liebe, ein dramatischer Selbstmord und schließlich das große Finale, der Mord in der Güllegrube. Da darf einem schon mal ein Schauer über den Rücken laufen.

Die Haarzopfer Geschichte erfahrbar zu machen, damit befassen sich Gerdt Schraven und die anderen Mitglieder des Arbeitskreises ehrenamtlich. „Als Grundlage dienen uns verschiedene Werke des Haarzopfer Lokalhistorikers Herbert Schmitz“, berichtet Schraven. Bücher und Quellen wälzen, das ist für die historisch interessierten Herren kein Problem. Den nötigen Lokalklatsch aus den letzten Jahrzehnten liefert indes Herbert Fries, dessen Familie seit mehr als 100 Jahren im Besitz eines Friseursalons in Haarzopf ist.

Der Zulauf zu den Wanderungen sei immer noch groß und eher sogar zunehmend – „und das, obwohl wir die Wanderung schon zum zwölften Mal veranstalten.“ Am 20. September wird die nächste Wanderung stattfinden – dann zum Halbachhammer in Fulerum.