Zehnjährige missbraucht - Bewährung

Eine Vorliebe für Sex mit Kindern? Das weist der 30-jährige Essener Musiklehrer und Chorleiter gestern im Prozess vor dem Schöffengericht weit von sich. Sein vielschichtiges Sexualleben steht im Mittelpunkt des Verfahrens, wird ihm doch sexueller Missbrauch einer Zehnjährigen und Erwerb kinderpornografischer Fotos vorgeworfen. Er bekommt eine einjährige Bewährungsstrafe und nimmt das Urteil sofort an. Pädophil sei er nicht, sagt der ärztliche Gutachter Nikolaus von Rhein über den Angeklagten. Er habe pädophile Neigungen, aber keine krankhafte Fixierung.

Folgendes Bild: Ein kleines Mädchen hockt auf den Knien auf einer Bank vor dem Keyboard. Die Zehnjährige hat Einzelunterricht beim Musiklehrer. Ohne dass sie es bemerkt, stellt er sich hinter sie und onaniert, dabei gibt er ihr weiter Anweisungen zum Spiel. Das ganze hält er in einem dreieinhalbminütigen Video fest. Das geschah 2011 in einer Stadt nahe der holländischen Grenze. Er habe danach gleich den Job gekündigt, berichtet der Angeklagte. Er sei entsetzt gewesen über seine Tat.

Er zog nach Essen, arbeitete hier mit Chören, auch mit Kindern. Aber Einzelunterricht habe er seitdem nicht mehr gegeben, sagt er. Der Missbrauch des Mädchens am Keyboard kam dennoch ans Licht. Auf der Internetplattform „Knuddel.de“ versuchte er ein Mädchen zu gewinnen. Pech für ihn, er geriet an eine verdeckte Ermittlerin. Sein Computer wurde durchsucht, man fand Kinderpornos und das Video mit der Zehnjährigen. „Unvorsichtig aufbewahrt“, sagt er. Im entsprechenden Prozess bekam er eine Geldstrafe.

Der Angeklagte gibt sich große Mühe vom möglichen pädophilen Hintergrund wegzukommen. Er berichtet von seinem mangelnden männlichen Selbstwertgefühl, das ihn in eine wahre Sex-Sucht getrieben habe. Tausende pornografische Frauenbilder landeten auf seinem Computer. Aber wenn man so einen Ordner herunterlade, erklärt er, seien auch meist ein paar Kinderpornos dabei.

Der 30-Jährige begann schon vor Jahren an seinen Problemen zu arbeiten. Er ging in Therapie und bezahlte sie aus eigener Tasche. Das war etwas, das ihm sowohl Staatsanwältin Katharina Küpper als auch das Gericht unter Vorsitz von Michael Groß anrechneten. Und: Er machte große Fortschritte, wie sein Therapeut bestätigte. Nach einer Prognose befragt, meint Nikolaus von Rhein: „Da kann ich eigentlich nur schwer atmen.“ Die Rückfallwahrscheinlichkeit sei aber erheblich reduziert, wenn er weiter behandelt werde.

Therapie, Bewährungshelfer und kein Einzelunterricht für Kinder unter vierzehn Jahren - das sind die Auflagen des Gerichts für den 30-Jährigen.