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Industriekultur

Zeche Zollverein in Essen - Gesamtkunstwerk und Weltkulturerbe

03.10.2012 | 14:34 Uhr
Die Zeche Zollverein in Essen ist das bedeutendste Industriedenkmal im Ruhrgebiet.

Essen.  Im Laufe der Zeit sind aus den Industriedenkmälern des Ruhrgebiets sehenswerte Museen, Parks, Bühnen und Ateliers geworden. Bei Touren und Besichtigungen bieten sich tiefe Einblicke in eine Region, die in der Industriekultur ihre kulturelle Identität bewahrt. Eine Entdeckungsreise zur Zeche Zollverein in Essen.

„Schönste Zeche der Welt“, „Wunderwerk der Technik“, „Kathedrale der Industriekultur“ – Zollverein war schon immer ein Ort der Superlative. Heute ist der weitläufige Komplex im Essener Norden das bedeutendste Industriedenkmal im Ruhrgebiet und Symbol für den Strukturwandel. Seit 2001 gehört das einzigartige Ensemble der Bergbauarchitektur zum unesco-Welterbe der Menschheit und wird nach dem Masterplan von Rem Koolhaas behutsam umgestaltet.

Längst ist in die denkmalgeschützten Maschinenhallen neues Leben eingezogen: Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen locken Besucher und Touristen aus Nah und Fern. Zum Auftakt der Kulturhauptstadtjahres ruhr.2010 eröffnete das neue Ruhr Museum in der ehemaligen Kohlenwäsche – ein faszinierender Bau, in dem auch das neue Portal der Industriekultur und das Besucherzentrum Ruhr zu Entdeckungsreisen in die Geschichte der Region einladen. Als sich am 1. Februar 1932 zum ersten Mal die Räder des Förderturms auf der Schachtanlage XII drehten, ging ein industrieller Hochleistungskomplex mit weitgehend automatisierten Arbeitsabläufen in Betrieb.

Informationen

Welterbe Zollverein: Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen, www.zollverein.de

Besucherzentrum Ruhr: Kohlenwäsche, Schacht XII /// Gebäude A14, Gelsenkirchener Str. 181, Tel.: 0201.246810, E-Mail: besucherzentrum@zollverein.de Öffnungszeiten: täglich 10.00–20.00 Uhr

Portal der Industriekultur:  Öffnungszeiten: täglich 10.00–19.00 Uhr, Eintritt: 2 Euro.

Führungen: Zahlreiche Führungen zu Geschichte, Wandel, Kunst und Architektur in verschiedenen Sprachen.

Denkmalpfad: Der „Weg der Kohle“ führt durch die ehemaligen Produktionsgebäude der Steinkohlenzeche.

Audio-Guide: Der Wegbegleiter durch das Zollvereingelände erzählt Wissenswertes zu Architektur,Kunst, Kultur und Industrienatur.

Anfahrt: mit dem Auto: A 42 Ausfahrt Gelsenkirchen Heßler, Beschilderung folgen /// A 40 Ausfahrt Essen-Frillendorf, -Huttrop oder -Zentrum, Beschilderung folgen. Mit dem öffentlichen Nahverkehr: Von Essen Hbf oder Gelsenkirchen Hbf mit der Straßenbahn-Kulturlinie 107 bis zur Haltestelle „Zollverein“

Web: www.essen-tourismus.de

Von Beginn an galt die Zeche Zollverein als eine der modernsten und leistungsfähigsten der Welt. Tag für Tag wurden mehr als 23.000 Tonnen Rohkohle ans Tageslicht geholt – eine Förderleistung, die dem Vielfachen einer herkömmlichen Revierzeche entsprach. Mit der Gestaltung des Zechenkomplexes waren Fritz Schupp (1896–1974) und Martin Kremmer (1894–1945) beauftragt worden. Die beiden Architekten hatten bereits Erfahrungen mit dem Bergwerksbau im Ruhrgebiet. Doch dieser Auftrag war eine Herausforderung: Zum ersten Mal sollte mit dem neuen Zollverein Schacht XII eine Schachtanlage komplett aus einem Guss entstehen.

Technisch ein ästhetisches Meisterwerk

Bei der Planung haben Architekten und Ingenieure erstmals eng zusammengearbeitet. Der Zollverein Schacht XII wurde ein technisches und ästhetisches Meisterwerk. Noch heute besticht die symmetrische Anordnung der Gebäude auf zwei Blickachsen. Die komplett erhaltenen 20 Einzelgebäude bilden die technischen Arbeits- und Produktionsabläufe ab.

Durchgestaltet bis in die Details der Lampen, Treppengeländer und Türgriffe ist die Anlage ein harmonisches Gesamtkunstwerk. Selbst Fördergerüst und der nicht mehr erhaltene Schornstein hinter dem heutigen Design Zentrum Nordrhein- Westfalen waren Gestaltungselemente einer architektonischen Gesamtkomposition. Unmittelbar nach Schließung von Zeche (1986) und Kokerei (1993) wurden die Anlagen unter Denkmalschutz gestellt. Die Internationale Bauausstellung Emscher Park (1989–1999) entwickelte erste Konzepte für die Neunutzung und begann mit der bis heute andauernden Sanierung der Anlagen.

Bergwerk der Superlative

Ruhrgebiet – Entdeckungsreise Industriekultur

Dieser Text stammt aus dem Buch "Ruhrgebiet – Entdeckungsreise Industriekultur", erschienen im Klartext Verlag. Hier geht's zum Onlineshop.

Von Zollverein aus wurde deutsche Industrie- und Wirtschaftsgeschichte geschrieben: das Bergwerk galt als eines der größten und leistungsfähigsten Europas. Zwischen 1847 bis 1986 wurden insgesamt 220 Mio. Tonnen Kohle abgebaut, über und unter Tage waren bis zu 8.000 Bergleute im Schichtwechsel beschäftigt. Als Gründungsjahr der Zeche Zollverein gilt das Jahr 1847, als der Kaufmann und Industriepionier Franz Haniel nach Erfolg versprechenden Probebohrungen die Berechtigung erhielt, in den Markscheiden eines 13 Quadratkilometer großen Grubenfeldes Bergbau betreiben zu dürfen.

Das Bergwerk benannte er nach dem 1834 gegründeten Deutschen Zollverein. Fortan entwickelte sich unter Tage ein Grubengebäude mit einem Streckennetz von circa 120 Kilometern, das bei Stilllegung der Zeche 1986 bis in 1.200 Metern Tiefe reichte. Über Tage entstand in 140 Jahren aus der dünn besiedelten ländlichen Idylle der Emscherniederung mit Bauern und Köttern eine Industrielandschaft mit mehr als 50.000 Bewohnern. Erstes Zeichen dieses Einschnittes war die Eröffnung der neuen Strecke der Köln-Mindener-Eisenbahn am 15. Mai 1847, die die Felder und Wiesen in gerader Linie zerschnitt.

1851 gingen die ersten Zollverein-Kohlen über ein Anschlussgleis auf die Reise. Auf und rund um Zollverein, dem einzigen Arbeitgeber weit und breit, entstanden Werkseisenbahnen, Schachtgebäude und -anlagen, Halden, Siedlungen, Kokereien, Kirchen, Krankenhäuser und Schulen – meist vom Bergbau finanziert und gebaut. Den Takt für die Arbeit und das Leben im Schatten der Zollverein-Fördertürme gab der Betriebsplan des Bergwerks vor.

Festival auf Zollverein

 

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Kommentare
04.10.2012
00:32
Wat?
von SoerenHL | #1

Leben soll in die denkmalgeschützten Maschinenhallen eingezogen sein? Welches Leben ist denn z. B. ausgerechnet in eine der wenigen tatsächliche(!) Maschinenhalle gegenüber der protzigen Rolltreppe eingezogen? Fledermäuse, vielleicht durch die Löcher in der Fassade?

Behutsame Umgestaltung durch Rem Koolhaas? Einen dicken, sündhaft teuren Ego-Stempel hat er dem Schupp-/Kremmer-Bau aufgedrückt. Wo sieht man denn im Ruhrmuseum heute noch was von der Zeche? Hinter der Verkleidung der Ausstellung, wenn man danach sucht...

Also man kann sagen, dass der Besuchererfolg den Zollverein-Verantwortlichen Recht gibt. Andererseits ist die Frage, ob nicht weniger für weniger Besucher, aber auch weniger Millionen nicht ein größerer Erfolg gewesen wäre: Für die Menschen, das Welterbe und die Technik-Substanz. In Goslar (Welterbe Rammelsberg) backt man sehr kleine Brötchen und spart auf die Widerinbetriebnahme technischer Denkmale. Auf Zollverein haut man das nötige Geld pro Woche für Killefit raus.

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