Zahl der Schulabbrecher ist in Essen angestiegen

Wer die Schule ohne Abschluss verlässt, gerät schnell in den Schatten der Gesellschaft.
Wer die Schule ohne Abschluss verlässt, gerät schnell in den Schatten der Gesellschaft.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Eine Studie des Caritasverbands belegt: Essen gehört zu den Städten, in denen Bildungsarmut zu einem wachsenden Problem geworden ist.

Essen.. Die Zahl der Hauptschulabbrecher in Essen ist 2013 gestiegen – entgegen dem bundesweiten Trend. Waren es 2012 noch 6 Prozent der Hauptschüler, die hier die Schule ohne Abschluss verlassen hatten, stieg diese Zahl laut einer Studie des Caritasverbands ein Jahr darauf auf 7,4 Prozent an. Bundesweit verharrte die Zahl der Abbrecher auf 5,6 Prozent. Der Essener Caritasdirektor Björn Enno Hermans sieht dies als Beleg dafür, dass dringend Maßnahmen getroffen werden müssen, die in der Stadt die Chancen auf Bildungsgleichheit erhöhen.

„Die Chancen, die man heutzutage hat, hängen davon ab, in welcher Kommune man geboren wird“, ist Hermans überzeugt. Denn ob eine Kommune finanziell gut ausgestattet sei oder eben – wie Essen – mit riesigen Haushaltslöchern jonglieren muss, sei ausschlaggebend für die Qualität und Ausstattung der Bildungsstätten. „Das ist ein Skandal, den es in einem reichen Land wie Deutschland nicht geben darf.“

Große Unterschiede zwischen den Stadtteilen

Auffällig in Essen sei, dass es große Unterschiede zwischen den Stadtteilen gebe: „In Bredeney schaffen 78,4 Prozent der Grundschüler den Sprung aufs Gymnasium“, so der Diplom-Psychologe, „in Altendorf nur 22“. Chancengleichheit sehe anders aus. Darüber hinaus spiele der Ausbau der Inklusion an den Regelschulen eine Rolle: „Je mehr Förder- und Sonderschulen existieren, desto größer ist die Zahl derer, die keinen Hauptschulabschluss erreichen“, erläutert Hermans. Tatsächlich war 2013 der Anzahl von Förderschülern laut Studie in Essen mit 5,63 Prozent um 1,32 Prozent höher als in gesamt NRW.

Der Essener Caritas-Direktor sieht Land und Bund in die Pflicht, ausgleichende Faktoren zu schaffen, die Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Umfeldern auch nachhaltig helfen können. „Und Nachhaltigkeit erreiche ich nicht, wenn ich nur Feuerwehr spiele und Posten schaffe, die kurzfristig Linderung verschaffen“, spielt Hermans auf ein Programm des Bundes an, das es zwar ermögliche, für 2012 und 2013 60 neue Stellen für Sozialarbeiter an Schulen und Berufskolleg zu schaffen. Doch nachdem diese Mittel ausgelaufen waren, habe man diese Stellen nicht mehr halten können. „Aktuell versuchen wir jedoch zusammen mit der Stadt, eine Landesfinanzierung für neue Sozialarbeiter-Stellen an Schulen zu erreichen.“ Damit soll immerhin für drei Jahre Sicherheit gegeben sein.

Vielzahl an Initiativen

Zudem gebe es in Essen bereits eine Vielzahl an Initiativen, bei denen Politik, Schule, Arbeitsamt und Wirtschaft kooperieren: zum Beispiel Jobbörsen, die Schülern Brücken ins Berufsleben schlagen sollen. Ein ähnliches Ziel verfolgt auch das Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“.

Dass Essen trotz solcherlei Initiativen im Vergleich so schlecht dasteht, verwundert auch Hermans. Jedoch gibt er zu bedenken, dass die Zahlen der Studie zwei Jahre alt seien: „Die Früchte der Programme in dieser Stadt werden sich hoffentlich noch zeigen“, hofft Hermans.