Wutbürger am Lenker

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Er hasst Ausländer, Schwule, Transen und seine Mutter: Der Protagonist von „Hier kommt Alex” ist kein Musterknabe. Falk Hagen wagt im Theater Courage als Autor und Hauptdarsteller viel mit dem ungewöhnlichen Stoff voller verrückter Einfälle. Doch bleibt sein Menschenfeind eine Spur zu zahm.

Ein stimmungsvolles Intro läutet den Abend ein: In dunkles Rot getaucht, steht Alex am Grab seiner Mutter und hält eine zynische Grabrede. Den Trauergästen dankt er brav für die Anteilnahme – doch hört der Zuschauer, was er wirklich denkt. „Was machst du nur ohne sie?”, fragt einer. Und wenn er „Ich weiß es nicht”, spricht, dann meint er: „Ich tanze nackt ums Haus!”

Warum Alex über den Tod seiner Mutter erleichtert scheint, erzählt das Stück in einer Rückblende. Denn Alex’ Frau Mama (kauzig: Gabi Dauenhauer) ist an Demenz erkrankt und der Filius muss sie allein pflegen. Sein Bruder (nerdig: Philipp Steimel) ist die Karriere als IT-Spezialist wichtiger und der kriegsgeile Onkel (herrlicher Kurzauftritt: Peter-Maria Anselstetter) interessiert sich nur fürs Erbe. Auch im Job findet Fahrlehrer Alex keinen Ausgleich: Ausländische Verkehrsteilnehmer und homosexuelle Fahrschüler strapazieren die Nerven des Misanthropen. Doch dann zeigt er doch Herz und verliebt sich in die junge Fahrschülerin Laura (frisch: Sophie Eichelberg). Doch die scheint Türkin zu sein – und das geht für ihn gar nicht. Aber da ist ja noch die sexhungrige Haushaltshilfe (herrlich überdreht: Ariane Raspe)...

Falk Hagen würzt sein vielschichtig-satirisches Porträt eines Wutbürgers mit vielen Ideen und schreckt auch nicht vor skurrilen Einfällen zurück: Da darf sich seine Mama in einer Traumsequenz in eine Medusa verwandeln und Alex zum Werwolf werden. Dabei kommt jedoch manchmal der rote Faden abhanden, wodurch das Stück zuweilen zu zerfleddern droht. Zudem ist Hagens Interpretation des Egomanen etwas zu nett geraten. Das mag daran liegen, dass der Autor schon früh mildernde (Lebens-)Umstände für Alex’ Hass geltend macht.