Wolf entlaufen

A
uf Essens Straßen ist’s gefährlich: ein echter Wolf ist unterwegs. Gut getarnt durch den passenden Grauton, der sich ins Stadtbild einschmiegt. Eine kantige Erscheinung, ordentlich rechteckig, unauffällig. Selbst die Tonlage passt ins Dauergebrüll nahe der Innenstadt, ein Grollen, etwas brummig. Mit unglaublichen Zahnreihen.

Deutschlandweit soll es, laut Zählung im August, nun wieder 69 Wolfsrudel geben. Vor gut 16 Jahren war man in Deutschland sehr stolz, endlich wieder ein Wolfsjunges nachweisen zu können. Ich habe hier bei uns bisher nur ein Einzelexemplar gesichtet.

Doch keine Angst. Er passt nicht durchs Gartentürchen, unters Auto oder in eine Gebüsch. Also wird er wohl niemanden anfallen. Außer vielleicht Berge von Papier, die der Wolfpfleger ihm in die gepflegten und ersetzbaren Zahnreihen schiebt. Es ist ja nur ein Reißwolf. Auf Rädern, ein Lkw-Gerät. Für Menschen ungefährlich. So lange sie das zu schreddernde Papier früh genug los- und dem Wolf die Häckselarbeit überlassen.

Denn eines ist auch der Reißwolf nicht: zahm.