Wohnidylle am Schellenberger Wald durch Neubauten in Gefahr

Maximal ausgenutzt hat ein Bauherr das Grundstück an der Straße Alte Eichen (im Hintergrund), und das sehr zum Ärger der Anwohner. Die Stadtpolitiker Thomas Rotter (SPD, 2.v.r.), Uwe Kutzner (CDU, 3.v.l.) und Bezirksvertretungs-Mitglied Heinz-Leo Draese (CDU, l.).
Maximal ausgenutzt hat ein Bauherr das Grundstück an der Straße Alte Eichen (im Hintergrund), und das sehr zum Ärger der Anwohner. Die Stadtpolitiker Thomas Rotter (SPD, 2.v.r.), Uwe Kutzner (CDU, 3.v.l.) und Bezirksvertretungs-Mitglied Heinz-Leo Draese (CDU, l.).
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Anwohner am Schellenberger Wald klagen über allzu massive Neubauten. Die Politik sieht allerdings keine Verhinderungs-Chance: Das Baurecht lasse dies zu.

Essen.. „Bevorzugte Wohnlage“ - diese Klassifizierung trifft auf die Kantorie, die Viereichenhöhe und die Alte Eichen in Rellinghausen zu. Am schönen Schellenberger Wald gelegen, gibt es hier gepflegte Einfamilienhäuser, die in angemessenem Abstand zueinander die schmalen Straßen säumen. Doch in letzter Zeit verändert sich der Charakter des Viertels: Investoren kaufen Grundstücke auf, legen sie zusammen und errichten Baukörper, so massiv, wie es die wertvollen Flächen maximal hergeben. Die Anwohner sehen ihre Wohnidylle in Gefahr - und versuchten jüngst bei einem Rundgang auch Ratspolitiker von der Richtigkeit ihres Protests zu überzeugen.

Die Anwohner haben nicht nur Unterschriften gesammelt, sie sind bereits im August gegen die Stadtverwaltung, die diese Bebauungsform genehmigt hat, vor Gericht gezogen. Die Klage wurde zwar in erster Instanz abgewiesen, „aber wir haben beim Oberverwaltungsgericht Münster Berufung eingelegt“, gibt sich Reimund Gergen weiterhin kämpferisch.

Stadtplaner uninteressiert

Der Initiator und Sprecher der Anwohner steht vor einem Wohnblock an der Straße Alte Eichen. „Schauen Sie sich diese architektonische Schande an“, sagt er zu SPD-Ratsherr Thomas Rotter, den er mit anderen Anwohnern und Stadtpolitikern zum Rundgang eingeladen hat. Zehn Eigentumswohnungen sind hier entstanden; der Bauherr hat gnadenlos jeden Quadratzentimeter des Grundstückes ausgenutzt. Für Grün drum herum ist da kaum noch Platz - allenfalls in Alibiform.

Doch es kommt für die Anwohner noch schlimmer. Derzeit sind zwei Wohnanlagen gleichen Ausmaßes an der Kantorie in Planung, weitere sind wahrscheinlich. „Ich weiß, dass fünf alte Einfamilienhäuser zum Verkauf stehen“, so Gergens. „Wenn das so weiter geht, dann wird man unsere schöne beschauliche Siedlung in 20 Jahren nicht mehr wiedererkennen“, sagt Volker Gratzki, ein weiterer Anwohner. Er bemängelt fehlendes Interesse und Engagement der Stadtplaner: „Da ist großartig von Essen 2030 die Rede und davon, unsere Stadt gemeinsam für die Zukunft lebenswert zu gestalten, aber wir werden nicht gehört.“

„Uns sind die Hände gebunden“

Doch gibt es tatsächlich die Chance, die verdichtete Bebauung, die nicht nur in Rellinghausen zu beobachten ist, zu verhindern? „Ja“, sagt Gergen und verweist auf die Dehnbarkeit des Paragraphen 34 des Baugesetzbuches, der das Bauen innerhalb von bestehenden Siedlungen regelt. Dabei geht es etwa um den Abstand zum Nachbargrundstück, die Geschosshöhe und den Stellplatznachweis (ein Auto pro Wohneinheit). So habe man beim vorgeschriebenen Verhältnis zwischen bebauter und unbebauter Fläche das aus den 1960er-Jahren stammende Gesetz angepasst. „Warum ist das nicht auch bei dem Stellplatznachweis oder beim Abstand zum Nachbargrundstück möglich?“, fragt Gergen, der behauptet, dass die Stadt durchaus auf einer Parzellierung bestehen könnte, damit zwei nebeneinanderliegende große Grundstücke nicht einfach zusammengefasst werden können.

Das sieht Thomas Rotter (SPD), Vorsitzender im Ratsausschuss für Stadtplanung, allerdings ganz anders. Zwar kann er beim Blick auf die Neubauten den Unmut der Anwohner verstehen. „Doch uns sind die Hände gebunden, solange sich die Bauherren an die bestehende Gesetzgebung halten. Und, so leid mir das tut, das tun sie.“