Wo Modellflieger in Essen-Burgaltendorf in die Höhe steigen

Voller Konzentration: Der Vorsitzende des R.C. Burgaltendorf, Rolf Müller, steuert den Hubschrauber „Assault 700“  durch die Luft.
Voller Konzentration: Der Vorsitzende des R.C. Burgaltendorf, Rolf Müller, steuert den Hubschrauber „Assault 700“ durch die Luft.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Die Mitglieder des Flugmodellclubs R.C. Burgaltendorf haben ein Faible für alles, was fliegt. Einblicke in ein spannendes Hobby.

Essen-Burgaltendorf.. Rolf Müller legt einen Schalter um und erweckt so den „Assault 700“ zum Leben. Ein Summen ist zu hören, kurz darauf setzt sich der Rotor des Hubschraubers in Bewegung. Erst ganz langsam, dann immer schneller. Und plötzlich hebt er ab. Rolf Müller gibt Gas, er schraubt den Helikopter in die Höhe. Er fliegt Loopings, dreht Kreise, setzt zum Sturzflug an – er hat den Drehflügler absolut unter Kontrolle. Einzig, indem er zwei kleine Hebel an der Fernbedienung bewegt.

Rolf Müller ist der Erste Vorsitzende des Flugmodellclubs „R.C. Burgaltendorf e.V.“. Schon als Kind sei er von Flugzeugen fasziniert gewesen, erzählt der 60-Jährige. Sein Vater habe ihm damals ein Fesselflugzeug geschenkt – ein kleiner Modellflieger mit zwei Schnüren dran, geflogen wird das Spielzeug ähnlich wie ein Lenkdrachen. Der Junge war begeistert. „Und dann bekam ich bald das erste Flugzeug mit Fernsteuerung“, sagt Müller. Und spätestens da war es um ihn geschehen.

Drei Kellerräume und der Dachboden

Heute füllt seine Modellflieger-Sammlung drei Kellerräume und den Dachboden. 20 verschiedene Flugzeuge nennt Müller sein Eigentum, außerdem besitzt er 30 Modell-Helikopter. Früher habe er auch noch selber Flugzeugmodelle in Handarbeit gebaut. Aber das gebe es heute kaum noch: „Die ,Holzwürmer’, so nennen wir die Bastler, sind selten geworden.“ Viele scheuten den Aufwand, der Eigenbau könne schließlich mehrere Monate dauern. Demgegenüber stünde ein großes Angebot an günstigen und qualitativ hochwertigen Modellen aus oft asiatischer Produktion.

Rolf Müller hat ein Faible für alles, was fliegt. Auch mit ferngesteuerten Autos und Modellschiffen hat er schon experimentiert. Und dann schnell wieder das Interesse verloren. „Rechts, links, vorwärts, rückwärts – das war mir zu langweilig“, sagt Müller. „Hubschrauber-Fliegen, das ist die Königsdisziplin. Man muss in drei Dimensionen denken. Das macht es so interessant“, sagt Müller.

30 Mitglieder hat der 1962 gegründete Verein „R.C. Burgaltendorf“. Sie bringen alles in die Luft, was fliegen kann. Vom kleinen Modellhubschrauber mit 30 Zentimetern Rotor-Umfang bis zum sieben Meter großen Segelflieger mit Verbrennermotor. Ihr Trainingsgelände ist heute auf Hattinger Stadtgebiet, an der Straße „Auf dem Stade“. Bei schönem Wetter sind die Vereinsmitglieder fast täglich dort anzutreffen.

Eine Reihe von Regeln

Ist der Flugplatz in Betrieb, muss ein rot-weiß gestreifter Windsack aufgehängt werden. Das ist Vorschrift. Überhaupt gibt es für Modellflieger wie Rolf Müller manche Regel, an die sie sich halten müssen: Der etwa fünf Kilo schwere Hubschrauber „Assault 700“ könnte mit seinem kräftigen 4-PS-Motor theoretisch in eine Höhe von 1000 Metern aufsteigen, bis das Funksignal zum Boden abreißt, erzählt Müller. „So hoch dürfen wir aber nicht fliegen, sonst kämen wir der richtigen Luftfahrt in die Quere.“ Bei 300 Metern sei daher Schluss. Und selbst diese – vergleichsweise geringe – Höhe werde in der Regel gar nicht erreicht. „Der Pilot muss sein Flugzeug immer sehen können, um es zu steuern.“

Das Steuern erfordert übrigens sehr viel Fingerspitzengefühl. Daher endet für viele Modellbau-Piloten die Saison auch mit dem Beginn des Winters. Bei Kälte geht das Gefühl in den Fingern verloren, und die Fernbedienung kann nicht mehr ordentlich gesteuert werden. „Handschuhe sind da auch keine Hilfe.“

Inzwischen hat Müller seinen „Assault 700“ wieder sanft zu Boden gebracht. Er öffnet das Gehäuse, löst die Plastikverkleidung, nimmt den Akku heraus und setzt einen neuen ein. Bei Vollgas und vielen wilden Flugmanövern ist nach etwa sieben Minuten die Batterie leergesaugt. Dann hebt er wieder ab. Der nächste Flug beginnt. Es sieht so einfach aus. Ist es aber nicht. „Bis man das so sicher beherrscht wie ich, muss man viel üben“, sagt Müller. „Hin und wieder gibt es auch Abstürze und das Modell geht kaputt.“

Einen „Führerschein“ braucht man nicht, um ein Modellflugzeug oder einen Helikopter in die Luft zu bringen. Aber man sollte die Sache auch nicht zu leichtfertig angehen. Müller hat vor vier Jahren in Bochum eine Modellflugschule gegründet, aus Erfahrung weiß er: „Eigenversuche von Anfängern enden, speziell bei Hubschraubern, meistens im Bruch. Daher empfehle ich immer, es unter Anleitung zu lernen.“