Wo der Sport in Essen sparen soll

Von den Sport- und Gesundheitszentren soll die Stadt höhere Mieten verlangen, Einnahme: bis zu 146 378 Euro.
Von den Sport- und Gesundheitszentren soll die Stadt höhere Mieten verlangen, Einnahme: bis zu 146 378 Euro.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Die Politik würde gerne wissen, was überhaupt drin steht im Gutachten über mögliche Einsparungen im Sport. Die WAZ hat hineingeschaut.

Essen.. Oberbürgermeister Reinhard Paß sieht „keinen Grund zur Aufregung“. Beim Essener Sportbund (Espo) aber sind sie alarmiert, seit eine Zahl durch die Gazetten geistert: 4,7 Millionen Euro.

Diese Summe könnte die Stadt nach Berechnung des Beratungsunternehmens Rödl & Partner im Sport einsparen. Weil das immerhin 20 Prozent des Sportetats wären, wüssten sie beim Espo, aber auch in der Politik nur zu gerne wie das im Detail funktionieren soll. Der WAZ liegt das Gutachten vor. So viel sei an dieser Stelle vorweggenommen: „Massive Einschnitte in die Sportlandschaft“, vor denen der Espo warnt, finden sich darin nicht, sieht man einmal von einer Schließung des Grugabades ab, die viele Essener auch emotional treffen würde und nicht zuletzt deshalb in der Politik kaum Befürworter findet. Sparen sollen die Sport- und Bäderbetriebe dagegen beim Personal. Und: Drauf zahlen sollen alle, die auf städtischen Anlagen Sport treiben. Ein Überblick:

Sportstätten:

Prödl & Partner empfehlen für die Streichliste zwei weitere Sportstätten: Da wäre das 1975 eröffnete Handball-Leistungszentrum an der Raumerstraße in Frohnhausen (errechnete Einsparung pro Jahr: 304.094 Euro) und zum anderen die städtische Turnhalle an der Gelsenkirchener Straße (68.056 Euro).

Die Einsparungen durch das bereits geschlossene Bad am Südpark (391.746 Euro) dürften die Sport- und Bäderbetriebe hingegen längst eingepreist haben; gleiches gilt für die geringeren Betriebskosten des neuen Hallenbades am Thurmfeld im Vergleich zum deutlich größeren Hauptbad, das wohl zum Jahresende geschlossen wird (errechnete Einsparung: 296.416 Euro).

Weniger Personal

Sparen könnten die Sport- und Bäderbetriebe nach Rechnung der Gutachter beim Personaleinsatz. (788.906 Euro). Wie? In dem Platzwarte auf den Bezirkssportanlagen durch „mobile Teams“ ersetzt werden, die flexibel einsatzbar wären, durch den Abbau von Überstunden und Bereitschaftsdiensten und nicht zuletzt, in dem der Rasen nicht drei Mal pro Woche gemäht wird, sondern nur noch zwei Mal. Denn den aktuellen Standard bezeichnen die Gutachter als „unverhältnismäßig hoch“.

Höhere Einnahmen

Sparen Luft nach oben sehen Rödl & Partner auf der Einnahmenseite. Allen voran gilt dies durch höhere Gebühren, die Vereine, Verbände und Kirchengemeinden für die Nutzung der städtischen Sportanlagen zahlen müssten. 1,3 Millionen Euro könnten die Sport- und Bäderbetriebe pro Jahr einnehmen, drei Mal so viel wie heute (Mehreinnahmen: 893.696 Euro). Pro Stunde wären fünf Euro fällig.

Bei den Mieten für die Sport- und Gesundheitszentren ließ sich nach Einschätzung der Gutachter ebenfalls mehr rausholen (bis zu 150.000 Euro), wenn die Vereine ihre Kursgebühren erhöhen. Auch für die Nutzung des Schießleistungszentrum, des Regattahauses und der Regattastrecke am Baldeneysee sollen die Sport- und Bäderbertriebe mehr verlangen (insgesamt 117.238 Euro). Letztendlich wäre da noch ein Aufschlag auf die Eintrittspreise in Höhe von 20 Prozent (zusätzliche Einnahmen: 307.217 Euro).