Wirtschaftsförderer beklagt Engpässe bei Gewerbeflächen

Die Führungsspitze der Essener Wirtschaftsförderungs-GmbH mit Geschäftsführer Dietmar Düdden (4.v.li.). Ganz rechts Wolfgang Stass, Geschäftsführer des gastgebenden Betriebs
Die Führungsspitze der Essener Wirtschaftsförderungs-GmbH mit Geschäftsführer Dietmar Düdden (4.v.li.). Ganz rechts Wolfgang Stass, Geschäftsführer des gastgebenden Betriebs
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Dietmar Düdden, Chef der Wirtschaftsförderung, beklagt drastisch Engpässe bei den Gewerbeflächen. Schuld daran sei eine politische Blockadepolitik, vor allem in den Stadtteilen.

Essen.. Dietmar Düdden weiß, welche Bilder in den Köpfen entstehen, wenn das Wort Industrie fällt. Zumal im Ruhrgebiet denken Menschen dann oft an Staub und Dreck, qualmende Schlote und hässliche Großanlagen. Dass moderne Industrie wenig mit den Fabrikmolochen früherer Zeiten zu tun hat, muss immer wieder vermittelt werden, weshalb der Chef der Essener Wirtschaftsförderung als Konferenzort für seine Jahresbilanzen gerne die Räume Essener Industrieunternehmen nutzt. Am Donnerstag war die Wirtschaftsförderung zu Gast bei der Kolektor Magnet Technology GmbH (KMT), die seit einem Jahr auf dem Econova-Gelände - einen Steinwurf entfernt von der Alu-Hütte - ihren Sitz hat.

Hervorgegangen aus der altbekannten Krupp Widia, ist das Unternehmen inzwischen eine Art High-Tech-Abteilung eines slowenischen Konzerns, der Komponenten vor allem für die Autoindustrie fertigt. In mehreren Produktlinien entstehen kunststoffbasierte Magnet-Teile, die für die Elektronik moderner Autos unentbehrlich sind und beispielsweise in Benzinpumpen oder Fensterhebern verbaut werden. Wer in die blitzsaubere Halle kommt, sieht Maschinen und geschäftige Menschen, sieht Produktion ohne nennenswerte Schadstoff-Emissionen. „Wir sind voll ausgelastet“, sagt KMT-Geschäftsführer Wolfgang Stass. Industrie, gegen die man eigentlich wenig haben kann. Hier gibt es immerhin 200 jener überaus begehrten Industrie-Arbeitsplätze, von denen eigentlich alle der Meinung sind, dass Essen davon viel zu wenig hat.

"Keine zusammenhängenden Flächen von über zwei Hektar“

Eigentlich. Denn wenn Dietmar Düdden Ansiedlungswünsche von Unternehmen erhält, die sich vergrößern oder ganz neu nach Essen kommen wollen, muss er mangels geeigneter Grundstücke passen. „Wir haben praktisch keine zusammenhängenden Flächen mehr von über zwei Hektar“, klagt Düdden. Es gebe lediglich noch Restflächen und „Ladenhüter“, die am Markt kaum eine Chance hätten. Kurzfristig verfügbar und verteilt über die ganze Stadt seien derzeit noch 30 Hektar Gewerbefläche vorhanden. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Zwar gebe es mittel- und langfristig weitere Erwartungsflächen, doch nütze das aktuell nichts. Vor allem eine Ausweisung als „Industriegebiet“ sei schwer zu erlangen - diese Kategorie sei aber schon dann notwendig, „wenn auf dem Hof 24 Stunden lang ein Kühlaggregat in Betrieb ist“. Düdden ließ durchblicken, dass er solche scharfen Regeln für übertrieben hält, aber natürlich mit ihnen arbeiten muss.

Angesichts des Engpasses beklagt Essens Wirtschaftsförderer eine Blockadehaltung, die vor allem von Stadtteilpolitikern ausgehe und nach dem Grundsatz verfahre: „Woanders gern, aber nicht bei mir.“ Dies werde der ernsten Lage nicht gerecht. Düdden nannte als krasses Beispiel Kettwig mit dem geplanten Gewerbegebiet Teelbruch II. Auf Versammlungen würden manche Politiker knallhart Klientelpolitik betreiben, bis hin zu dem kühlen Vorschlag: „Gehen Sie doch in den Essener Norden“. Der Rat, die EMG möge doch alte Industrieflächen recyceln statt neue zu fordern, sei im Übrigen überflüssig. „Dieses Recycling ist längst passiert.“ Auch damit sei man aber nun am Ende der Möglichkeiten angekommen.

Es geht um Arbeitsplätze und Gewerbesteuer

Seit Jahren mache die Wirtschaftsförderung auf den Flächenengpass aufmerksam, passiert ist nach Ansicht von Chef Dietmar Düdden zu wenig - auch weil die Ratspolitik sich nicht ausreichend durchsetze gegen Blockaden. Düdden mahnte Verantwortung und eine gesamtstädtische Sicht an. Schließlich gehe es um Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. „Wenn die Politik in der Flächenfrage den Kopf in den Sand steckt, können wir als EWG auch nichts machen.“ Essen sei eine außergewöhnlich grüne Stadt und bleibe dies auch dann, wenn die jüngst vom Planungsdezernat vorgelegten Gewerbegebiete Wirklichkeit würden. Er beobachte in der Politik mit Sorge eine zu einseitige Fixierung auf das Thema Erholung. Essen müsse aber auch Beschäftigungsperspektiven bieten.

Die Bilanz 2014 ist ein Beleg für die dürftigen Möglichkeiten. 83 Projekte konnten erfolgreich abgeschlossen werden (Vorjahr 128), dabei seien 876 Arbeitsplätze in Essen neu geschaffen worden (Vorjahr: 1037). Ferner habe man 500 Jobs (Vorjahr 1334) sichern können bei Firmen, die Essen verlassen wollten.

Auch KTM hatte übrigens 2013 dieses Problem. Der Firmensitz am alten „Widia“-Standort in Frohnhausen war zu klein. Und zum Glück fand sich die Lösung auf dem Econova-Gelände in Bergeborbeck. Heute müsste die EMG passen.