Wirrwarr um Wanderwege in Essener Wäldern

Als Grün und Gruga (GGE) im Herbst die ersten Wege im Schellenberger Wald wieder frei gab, stellten Mitarbeiter Warnschilder auf, wonach abseits der Trasse Lebensgefahr besteht. Das gelte auch heute noch, betont GGE.
Als Grün und Gruga (GGE) im Herbst die ersten Wege im Schellenberger Wald wieder frei gab, stellten Mitarbeiter Warnschilder auf, wonach abseits der Trasse Lebensgefahr besteht. Das gelte auch heute noch, betont GGE.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Regionalforstbehörde hat das allgemeine Betretungsverbot des Essener Stadtwaldes zum 1. April aufgehoben. Doch die Stadt Essen will Verbote in Teilen aufrecht erhalten.

Essen.. Seit dem 1. April ist es amtlich: Es gibt kein allgemeines Betretungsverbot mehr für den Essener Stadtwald, für das bis dahin eh’ schon einige Ausnahmen galten. Das zuständige Regionalforstamt Ruhrgebiet hatte die nach dem Pfingststurm Ela erlassene Verfügung nicht verlängert. Doch wer glaubt, mit einer Wanderkarte in der Hand während der Feiertage mühelos durch den Schellenberger Wald zu spazieren, für den könnte der Osterspaziergang schnell zu einer Odyssee werden.

Weil viele Nebenwege und Pfade nach wie vor von entwurzelten Bäumen blockiert werden. Grün und Gruga (GGE) wollte die Notbremse ziehen und den Aufenthalt im Forst abseits der Hauptwege weiter untersagen. Doch die Hoffnung, dass ein entsprechender Antrag von „Wald und Holz NRW“ vor Ostern genehmigt wird, hat sich zerschlagen. „Wir prüfen noch“, hieß es beim Landesbetrieb.

Grün und Gruga hält nur Hauptwege für sicher

Nach dem Landesforstgesetz dürfen Waldbesitzer den Antrag stellen, dass ihr Areal oder Teile davon gesperrt werden. Die Regionalforstbehörde wird dies in jedem Einzelfall entscheiden und befristet und mit Auflagen genehmigen, wenn erhöhte Risiken für Spaziergänger bestehen. „Wir gehen davon aus, dass auch von privaten Waldbesitzern in den nächsten Tagen die ersten Anträge kommen“, erklärt Michael Börth von „Wald und Holz NRW“.

Grün und Gruga hatte bereits darum ersucht, den Wald abseits ihrer breiten Trassen zur Sperrzone zu erklären. GGE hält nur alle Hauptwege nördlich der A 40 für ausreichend sicher. Südlich davon will Grün und Gruga das Wandern auf 29 Wegen beschränken – auch mit Hinweis auf die Verwüstungen im Schellenberger Wald, die der Orkan Ela am 9. Juni hinterlassen hatte. Erschwerend hinzu kommt, dass einige von GGE betreuten Wege in ungesicherte Privatforstgebiete führen, die in Essen 50 Prozent des Waldbestandes ausmachen. „Das ist ein Problem“, sagt GGE-Sprecher Eckhard Spengler.

Er rät Spaziergängern, die im Vorjahr von GGE-Forstmitarbeitern aufgestellten Warnschilder weiter zu beachten, wonach abseits der Hauptwege nach wie vor Lebensgefahr besteht. Denn immer noch drohen viele schwer beschädigte Bäume umzukippen.

Keine Gewähr für Wanderwege

Wer darüber rätselt, ob er einen Waldweg benutzen kann, dem nützt der Hinweis, dass die GGE nur Verbindungen freigemacht hat, die so breit sind, dass auch ein Lastwagen durchfahren kann. Für markierte Wanderwege gibt es keine Gewähr. Die wurden, sobald sie von der den Haupttrassen abweichen, nicht freigemacht.

Da werden auch die „Pfadfinder“ des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) möglicherweise so manch böse Überraschung erleben. Konkret: die 23 Wegezeichner. Die trafen sich erst vor kurzem und verständigten sich darauf, die Wandermarkierungen mit frischer, weißer Farbe aufzuhellen, sobald das Wetter es zulässt. Einer von ihnen ist Gerd Meyer, der sich in den nächsten Tagen unter anderem die Route mit dem „geschlossenen Viereck“ vornehmen will, die vom Rathaus Rellinghausen durch den Schellenberger Wald zur Lantermannfähre führt. Ob er durchkommt, weiß er nicht. „Ich war seit dem Orkan nicht dort.“ Für ihn wie die anderen Wegezeichner gilt: „Wenn ein Baum quer liegt, kehren wir um.“ Gerade erfahrene Wanderer gehen hier kein Risiko ein. Sicherheit ist beim SGV oberstes Gebot. Auch deshalb wurden einige Wanderführungen in Essen aus dem Programm rausgenommen.