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Kulturpolitik

Wirbel um Vereinsförderung in Essen

16.06.2011 | 12:00 Uhr
Wirbel um Vereinsförderung in Essen
In der vergangenen Sitzung des Essener Kulturausschusses wurde bei der Vergabe von Fördermitteln für freie Träger ein Antrag des Vereins Alta Vita abgelehnt. Die Ausschussmitglieder folgten damit der Vorlage von Kulturdezernent Andreas Bomheuer, der dem Verein mangelnde Seriosität attestierte. Foto: Alexandra Umbach

Essen.   Hat Kulturdezernent Andreas Bomheuer als Kuratoriums-Mitglied bei der Allbau-Stiftung einen Verein gefördert, den er im Kulturausschuss als „unseriös“ einstuft? - So sieht's nach derzeitigem Kenntnisstand aus. Der Dezernent hüllt sich in Schweigen.

Wie etwas vom Vorwurf „unseriös“ hin zum Status „fördernswert“ kommt, ist schon eine Gratwanderung: In der vergangenen Sitzung des Kulturausschusses Anfang Juni wurde bei der Vergabe von Fördermitteln für freie Träger ein Antrag des Vereins Alta Vita über 3500 Euro als einziger von 28 eingereichten Projekten abgelehnt. Die Ausschussmitglieder folgten damit der öffentlichen Vorlage von Kulturdezernent Andreas Bomheuer , der dem Verein mangelnde Seriosität attestierte. Außerdem sei der Verein unprofessionell.

Dennoch fließt Geld

Abgesehen von der Begründung der Nichtberücksichtigung wäre die Geschichte hiermit beendet, hätte nicht kürzlich die Allbau-Stiftung beschlossen, Alta Vita mit 2000 Euro zu bezuschussen. Dies bestätigte Allbau-Sprecher Dieter Remy auf NRZ-Nachfrage. Das brisante daran: Im Stiftungskuratorium sitzt der Kulturdezernent. Und: Für die Förderanträge an die Allbau-Stiftung ist Michael Schramm zuständig, der Mitarbeiter also, der auch in Bomheuers Kulturbüro Ansprechpartner für die Vereine ist.

Die Allbau-Förderung soll in einen Autorenwettbewerb fließen, den der Werdener Verein im Herbst ausrichten will. Dazu hatte Alta Vita Förderanträge an verschiedene Institutionen gestellt, etwa an das städtische Kulturbüro, aber auch an die Allbau-Stiftung. Ersterer Antrag wurde in Bomheuers Vorlage ablehnend kommentiert: „Aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen sowohl des Kulturbüros als auch mehrerer Mitglieder der Arbeitsgruppe des Kulturbeirats ist davon auszugehen, dass der Verein keine Gewähr für eine hinreichend professionelle und seriöse Umsetzung eines solchen Projekts bietet.“

Jedes halbe Jahr entscheidet der Kulturausschuss über die Vergabe von projektbezogenen Mitteln an freie Träger. Diese reichen Anträge ein, die das Kulturbüro mit einer Ar­beitsgruppe des Kulturbeirats berät. In diesem Beirat sitzen Vertreter der freien Szene, also der Anwärterschaft auf Gelder. Ihre Empfehlung floss auch für das zweite Halbjahr 2011 in das Dezernenten-Pa­pier ein. Eine Ablehnung ist nicht ungewöhnlich, die scharfe Form samt herbem Vorwurf, der nicht mit Fakten untermauert wird, hingegen schon. Im Kulturausschuss gab es laut Teilnehmern der Sitzung keine Debatte zur Vorlage. Sie wurde glatt durchgewinkt.

Doppelrolle Bomheuers

Während die Kulturverwaltung also dem Verein nicht über den Weg traut, sieht es das Kuratorium der Allbau-Stiftung anders. Darin sitzen neben dem Kulturdezernenten Bomheuer auch Vertreter des Allbau-Aufsichtsrates: Manfred Reimer (SPD), Ratsherr Hanslothar Kranz (CDU) und Sabine Herfort; sowie der Stifter-Repräsentant, Ex-Allbau-Chef Dietrich Goldmann.

Die Frage, warum in seiner Vorlage explizit eine Ablehnung empfohlen wurde und nun doch Mittel über die Allbau-Stiftung fließen sollen, beantwortet Bomheuer der NRZ nicht. Er verweist hingegen auf den nicht-öffentlichen Charakter von Kuratoriumssitzungen. Auch zu seinem Stimmverhalten schweigt er. Es seien zwei juristisch voneinander unabhängige Institutionen.

Klare Worte für die Textpassage in der Vorlage findet der Alta-Vita-Vorsitzende Mike Khalil: „Eine gezielte Respektlosigkeit“ sei das. Er vermutet dahinter eine Retourkutsche für das kritisch gesehene Projekt „Landpartie“ auf der Werdener Brehminsel im Juli 2010. Darüber streite man derzeit mit einer städtischen Tochter, von der man noch Geld erwarte. Anwälte seien bereits mit dem Fall beschäftigt. Welche Tochter Khalil meint, verrät er nicht. Der Kulturdezernent Bomheuer sagt dazu auf NRZ-Anfrage nur: „Davon weiß ich nichts.“

Tim Walther

Kommentare
08.09.2011
14:00
Wirbel um Vereinsförderung in Essen
von fuchsflur | #5

Hat sich den überhaupt einer mal mit den meisten Vereinen hier vertraut gemacht. Denn es dürften viele Vereine geben, die leider das Geld einfach...
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2011-06-16 12:00
Essen