„Wir wissen es besser, wir haben es erlebt“

Selbstverständlich waren es Frauen, die 1945 die Ärmel hochkrempeln mussten, und zwar direkt nach dem Krieg. Die Männer waren ja in Kriegsgefangenschaft. Es war eine schlimme Zeit und die gehört zu unserem Leben. Es war kein Mythos.“ Angela Kieper, Schönebeck


Wer es nicht selbst gesehen hat, kann sich kaum vorstellen, wie viel Trümmerschutt auf den Straßen lag. Die Hitlerjugend, Kriegsgefangene und -häftlinge haben natürlich während des Kriegs aufgeräumt, aber das hat nicht gereicht. Ich selbst, Jahrgang 1930, habe deutlich überwiegend Frauen bei der Arbeit gesehen, und auch meine Mutter hat in Berlin Trümmer geschippt. Sicher gab es Unterschiede von Stadt zu Stadt. Von einem Mythos zu sprechen und die große Beteiligung der Frauen nicht sehen zu wollen, ist für mich aber völlig unverständlich.

Wolfgang Reinke, Überruhr


Behörden und Redaktionen, primitiv untergebracht in beschädigten Häusern, hatten andere Sorgen als eine lückenlosen Dokumentation. Wir wissen es besser, denn wir haben es erlebt: Meine Mutter war mit fünf Kindern eine der vielen Trümmerfrauen. Ich habe sie oft begleitet in Essen-Ost zur ihrer Arbeitsstätte, wo die von Putz abgeklopften Ziegelsteine dann zu Blöcken gestapelt wurden - zu einem Stundenentgelt von 72 Pfennigen.
Karin Grimmeisen, Huttrop


„Schwielen an den Händen einer Frau zieren mehr als tausend Ringe“ - diesen Ausspruch sagte meine Tante Martha mit schmerzverzerrtem Gesicht und ironischem Lächeln, als sie mir ihre mit Pflaster verklebten Finger zeigte. Sie kam gerade müde vom Steineklopfen und Schuttabräumen nach Hause. Auch meine Mutter und wir Kinder haben den Schutt in unserer Straße weggeräumt. Es macht mich unendlich traurig, dass die Leistungen der Frauen während der Kriegs-und Nachkriegszeit kleingeredet werden. Ich weiß nicht, wo Frau Leonie Treber ihr Wissen über die Trümmerfrauen gesammelt hat. Bei den Menschen im Ruhrgebiet wohl nicht..

Christa Wilhelmine Neumann


Nach dem Krieg wurde ich in die Sextaklasse der BMV eingeschult. Statt Hausaufgaben konnten wir gekloppte Ziegelsteine mitbringen, von den Hausarbeiten waren wir befreit. In einer Nacht wurden uns alle Steine geklaut. Im Morgengebet bedachte unsere Ordensfrau den Dieb, er hatte es sicher nötiger gebraucht. Noch heute denke ich, wenn ich an der Schule vorbeikomme, dass einige unserer Steine darin verbaut sind. Hannelore Grundmann,
Rüttenscheid


Selten ist durch, wie Sie schreiben, „Erfahrung“ die Frucht wissenschaftlichen Strebens so schnell ad absurdum geführt worden. Die von Ihnen ausgebreiteten Leserstimmen sowie Bilder, meine eigenen Erfahrungen belegend, sind so eindeutig, dass damit der angebliche ‘Mythos’ als ‘Wissenschaftsmythos’ entlarvt wird. Der Skandal daran ist ein akademischer: Die Jungwissenschaftlerin hat in die falsche Richtung geschaut und dort natürlich keine Trümmerfrauen gefunden.

Dr. Klaus Neuhoff


Die Aufräumarbeiten von meinen drei Schwestern und mir bestanden darin, von unserem zerstörten Haus „Steine zu klopfen“, Türen oder ähnliches zu ergattern, um damit unsere Gartenlaube wohnbar zu machen. Geputzte Steine konnte man für Pfennige verkaufen und das taten viele Frauen. Maria Rode, Südviertel

Die Autorin und der Verlag wären gut beraten, in einer Nachauflage die unterschiedlichen Auffassungen breiter Teile der Bevölkerung zu berücksichtigen und ggf. ein Heft mit den Richtigstellungen jedem Buch beizufügen. Frank Radzicki


Wahrscheinlich ist die Menge, die die Trümmerfrauen bearbeitet haben, viel geringer als das, was ganze Arbeitskolonnen weggeschafft haben. Aber, was die Trümmerfrauen geleistet haben, war trotzdem Schwerstarbeit zum Wiederaufbau. Und die als Mythos abzutun ist unfair! Ellen Krebs-Teschauer