„Wir brauchen die Power der Ehrenamtlichen“

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Tue Gutes und rede darüber – ein Motto, das nicht immer beherzigt wird. Wenn sich Wirtschaft und Kultur zusammentun, dann übt man sich auch in Essen bisweilen in Diskretion. Achim Middelschulte, langjähriger Mittler zwischen dem Energieversorger Ruhrgas und dem Museum Folkwang, erinnert sich noch an die Anfänge. Bei der ersten Munch-Ausstellung im Museum Folkwang habe man nicht mal Ruhrgas aufs Plakat geschrieben, nur „10 Jahre Erdgas aus Norwegen“. Mit dem Ergebnis, dass man dem Finanzamt später erst mal klar machen musste, dass da im Namen der Kunst Geld geflossen war. Gar so zurückhaltend ist man nicht mehr, aber dennoch ist so ein Abend im Zeichen der Wohltäter nicht selbstverständlich. Im Rahmen der vom Kulturbüro organisierten „Positionen“ waren sie ins Maschinenhaus gekommen, Sponsoren und Empfänger, Förder- und Trägervereine, um über bürgerschaftliches Engagement in Essen zu reden.

Vom Mäzenatentum alter Schule hat das Museum Folkwang oft profitiert. Allein die kostbare Osthaus-Sammlung wurde nur durch das Geld Essener Großbürger Anfang der 1920er von Hagen nach Essen geholt. Seitdem hat das Museum mit seinem bundesweit beachteten Kultursponsoring-Modell Ausstellungsgeschichte geschrieben. Doch die Lage habe sich gewandelt, sagt Middelschulte. In den Vorstandsetagen könne man kaum noch auf direkte Spenden hoffen. „Es gehört fast zum guten Ton, keine Spenden mehr zu geben und alles dem Unternehmenszweck unterzuordnen.“

Das Geschäft der guten Taten ist an Stiftungen wie die RWE-Stiftung weitergereicht worden, deren Geschäftsführer Stephan Muschick allerdings weiß, dass auch eine noch so gut situierte Stiftung eben nur einen Bruchteil der vielen Anträge unterstützen kann. Was gefördert wird, stünde in den Statuten und drehe sich natürlich im weitesten Sinne um Energie, ohne dass ein Künstler nun flammender Fürsprecher der Energiekonzerne sein müsse. Vor allem müsse man ins Gespräch kommen, „der Funke muss überspringen“.

Selten funkt es bei der Bildung, weiß Christiane Goldmann, Vorstandsvorsitzende der „Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Essen“. Es sei extrem schwierig, Geld für Bildung zu bekommen, sagt die ehemalige Bibliothekarin. Große Sponsoren seien meist schon an Projekte gebunden und der Mittelstand zaudere, wenn es beispielsweise um die Anschaffung von Computern in Stadtteilbibliotheken ginge. So ging die Aufforderung am Ende doch an die Politik, an die Hans Schippmann, selbst langjähriger CDU-Ratsherr und Vorsitzender des „Historischen Verein für Stadt und Stift Essen“ appellierte. Ehrenamt-Karte gut und schön. „Aber mir wäre es lieber, wenn die Politiker, die das beschlossen haben, uns Ehrenamtliche stärker unterstützen würden, statt uns manchmal Knüppel zwischen die Beine zu werfen.“ Kulturdezernent Andreas Bomheuer vernahm es wohl: „Wir brauchen die Power der Ehrenamtlichen.“