Das aktuelle Wetter Essen 14°C
Kommunalpolitik

Wiederwahl von Dezernentin Raskob könnte in Essen zum Politikum werden

12.10.2012 | 19:55 Uhr
Wiederwahl von Dezernentin Raskob könnte in Essen zum Politikum werden
Oberbürgermeister Reinhard Paß und Bau- und Umweltdezernentin Simone Raskob.

Essen.   Die Wiederwahl Simone Raskobs als Dezernentin steht an. Sie könnte zum Politikum werden, denn eine Paketlösung ist geplatzt.

Acht Jahre sind eine lange Zeit, Dinge zu bewegen, und wenn Simone Raskob demnächst die Bilanz ihrer Arbeit zieht, dann dürfte die entsprechend umfänglich ausfallen. Wer aber glaubt, das Ja oder Nein zu der im November anstehenden Wiederwahl der Bau- und Umweltdezernentin entscheide sich ausschließlich an der Zahl gebauter Straßen und Radwege, an umgeholzten Pappeln und aufgeklärten Umweltfreveln, am verschmutzten Hauptbahnhofs-Pflaster oder den Schlaglöchern zwischen Karnap und Kettwig, der weiß nicht viel von Politik.

Dort geht es – man mag das bedauern – auch (und manchmal sogar vor allem anderen) ums fein austarierte politische Gleichgewicht der Parteien, um politische Absprachen à la „Wählst Du meine Dezernentin, wähl ich Deinen Geschäftsführer“.

In dieser Gemengelage befindet sich derzeit auch Raskob, deren Verbleib im Job nach NRZ-Informationen offenbar im Zuge eines ganzen Personalpakets festgezurrt werden sollte. Mit im Versand auf Wunsch der Sozialdemokraten im Rat: eine Vertragsverlängerung für den Chef der Entsorgungsbetriebe, Klaus Kunze (68), die man der stirnrunzelnden CDU mit einer Verlängerung des Vertrags für Bernhard Görgens, den Vorstandschef der Stadtwerke und Kopf der Verkehrs- und Versorgungs-Holding EVV, schmackhaft machen wollte. Und für die Grünen, auf deren Vorschlag Raskob einst gewählt ward, sollte deren Wiederwahl rausspringen.

Es ist nicht ganz klar, ob Görgens – eine Art graue Eminenz des CDU-Lagers – oder die Christdemokraten selbst einen solchen Händel selbst überhaupt ins Auge gefasst haben könnten, wenngleich der Verbleib des 66-Jährigen vor allem bei der anstehenden Umstrukturierung der EVV manchem als sinnvoll gilt. Doch solcherlei Gedanken scheinen müßig, denn der Paket-Deal gilt nach zwei vergeblichen Anläufen inzwischen als geplatzt.

Das erhöht für Simone Raskob fraglos die Gefahr, im Karrierehäcksler zu landen, weil die beiden Ratslager die Personalie als Machtprobe verstehen könnten – hüben das Viererbündnis von CDU, Grünen, FDP und EBB, drüben mindestens die Sozialdemokraten sowie OB Reinhard Paß: Der Oberbürgermeister zählt sich nicht gerade zum Freundeskreis der Bau- und Umweltdezernentin, ihr Verhältnis zu Stadtdirektor Hans-Jürgen Best gilt als ebenso angespannt.

Immerhin, eine politische Klippe hat Simone Raskob schon vor Monaten umschifft, nachdem die Grünen dem FDP-Kandidaten fürs Ordnungsdezernat die Stimme versagten: „Bis jetzt“, so ließ sich noch im Januar der liberale Fraktionschef Hans-Peter Schöneweiß vernehmen, „fällt mir nichts ein, warum Frau Raskob ihre Arbeit schlecht gemacht hätte“. Dies immerhin von einer Partei, die Raskob 2005 nicht gewählt hatte. Dennoch, ein geheimer Wahlgang gilt als sicher – für parteiinterne Heckenschützen ein willkommenes Betätigungsfeld.

Wolfgang Kintscher

Kommentare
13.10.2012
21:32
Am Karrierehäcksler
von artie_aus_essen | #5

Ich erinnere nur noch an die HBF-Pflasterung, welche ca. 200000 € Mehrkosten jedes Jahr durch die zusätzliche Reinigung verursacht. Da hat sich Frau...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Kulturpfadfest in Essen: 28 Spielorte öffnen bis Mitternacht
Kultur
Von der Bismarckstraße bis zum Pferdemarkt entdecken Besucher beim Kulturpfadfest an 28 Spielorten insgesamt 103 Programmpunkte.
Für radfahrende Kinder sind Essens Straßen hochgefährlich
Rad-Revier
Kinder ab zehn Jahren müssen auf der Straße radfahren, verlangt das Gesetz. In Essen ist das an vielen Stellen unmöglich - das weiß auch die Polizei.
Denkmalschutz für Essener Grugabad ist nicht willkommen
Freizeit
Politiker vor Ort sprechen sich für den Erhalt des Grugabades in seinen jetzigen Abmessungen aus. Die Denkmal-Diskussion sehen viele aber kritisch.
Behinderten-Werkstätten - Streik im Schatten der Erzieher
Sozialdienst
Auch bei der Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen sind Dutzende Mitarbeiter im Ausstand. Sie fühlen sich bislang zu wenig gehört.
Pro Asyl kritisiert neue Flüchtlingsunterkünfte in Essen
Asyl
Der Rat der Stadt Essen hat 750 weitere Plätze in neuen Asylheimen beschlossen. Pro Asyl kritisiert die Umstände in den neuen Flüchtlingsunterkünften.
Fotos und Videos
article
7189821
Wiederwahl von Dezernentin Raskob könnte in Essen zum Politikum werden
Wiederwahl von Dezernentin Raskob könnte in Essen zum Politikum werden
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/essen/wiederwahl-von-dezernentin-raskob-koennte-in-essen-zum-politikum-werden-id7189821.html
2012-10-12 19:55
Essen