Wie Yoga gegen ungesundes Bauchfett hilft

Die Krayerin Renate Schramm mit Yogalehrein Dania Schumann.
Die Krayerin Renate Schramm mit Yogalehrein Dania Schumann.
Foto: WAZ
Eine Studie des Knappschafts-Krankenhaus Steele in Essen liefert interessante Ergebnisse: Yoga reduziert den Bauchumfang und das Gewicht und fördert das Selbstwertgefühl.

Essen.. Dr. Holger Cramer vom Knappschafts-Krankenhaus in Steele der Kliniken Essen-Mitte hört oft genug die Vorurteile vieler Mitmenschen, wenn Yoga das Gesprächsthema wird: Bisschen rumstehen, bisschen bewegen, bisschen strecken, bisschen entspannen. In Summe: Meditatives Rumhängen. Mit einer Studie hat Cramer, Forschungsleiter in der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, jetzt nachgewiesen, welche gesundheitsfördernde Wirkung Yoga bei Fettleibigkeit und Übergewicht hat: Der Bauchumfang nahm ab. Wohlbefinden und Selbstwertgefühl bei den Teilnehmerinnen dagegen zu. Diese Ergebnisse wird Cramer am 18. Mai auf dem „International Congress on Integrative Medicine and Health“ in Las Vegas in den USA, der weltweit wichtigsten Jahrestagung zur Integrativen Medizin, präsentieren.

Weniger Bauchumfang nach drei Monaten Yoga

Renate Schramm (63) aus Kray gehörte zu den 40 Frauen, die an der Essener Studie teilgenommen haben. Sie hatte von dem Projekt aus unserer Zeitung erfahren. Und für sie gab es richtig was zu tun: Zum Intensiv-Yoga-Kurs gehörte ein Vorab-Workshop. Es folgten drei Monate lang zwei 90-Minuten-Yoga-Einheiten pro Woche. „Danach weiß man aber ganz genau, was man getan hat. Und wo man überall Muskeln hat“, erklärt Renate Schramm und atmet tief durch.

Nach den drei Yoga-Monaten wurden die Werte der Studienteilnehmerinnen mit Werten von 20 Frauen verglichen, die ihr Bewegungsverhalten nicht verändert hatten. „Im Durchschnitt wurde der Bauchumfang der Yoga-Frauen um fast vier Zentimeter kleiner“, sagt Dr. Holger Cramer. Das war relevant, weil die Forschung zeigt, dass nicht nur Übergewicht generell, sondern auch die Fettverteilung im Körper Einfluss auf Erkrankungen hat. Auf den Punkt gebracht: Wer einen dicken Bauch hat, ist anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei einem Drittel der Studien-Teilnehmerinnen ging der Bauchumfang um fünf Prozent zurück, womit das Risiko für einen Herzinfarkt nachweislich reduziert wird. „Und das nach nur zwölf Wochen Yoga“, sagt Cramer. Nachgewiesene und erfreuliche Nebenwirkungen: Auch das Gewicht und der Body-Mass-Index verbesserten sich. Zudem nahm bei den Yoga-Frauen die Muskelmasse zu.

Neben diesen harten Faktoren zeigte sich auch bei weichen Faktoren eine positive Entwicklung: „Über Fragebögen haben wir herausgefunden, dass sich die Frauen besser fühlten“, erklärt Studienleiter Cramer. So wie Renate Schramm, die seit dem Ende der Studie morgens eine halbe Stunde Yoga in ihren Tag aufgenommen hat: „Ich fühle mich fantastisch. Ich habe mit Yoga das gefunden, was ich mein ganzes Leben gesucht habe“, sagt die 63-jährige Krayerin.

Fitter, sportlicher, beweglicher

Sie hat während der Studie neun Kilogramm abgenommen und ihren Bauchumfang um sieben Zentimeter reduziert. Sie fühlt sich nicht nur fitter, sportlicher und beweglicher. „Ich nehme vieles bewusster und aufmerksamer wahr. Das fühlt sich gut an“, erklärt Renate Schramm. „Und wenn es stressig wird, weiß ich, mit welchen Übungen ich entspannen kann.“ Die Krayerin hat zudem ihren Mann überzeugt, beim Yoga mitzumachen. „Anfangs war ihm das unangenehm und er hat seiner Mutter gesagt, wir machen Sport. Inzwischen steht er dazu und sagt, dass wir Yoga machen.“ Das Knappschafts-Krankenhaus hätte in die Studie – Thema Bierbauch – auch gerne eine Männergruppe eingebunden. Bei Männern wird mit ähnlichen Ergebnissen gerechnet. „Aber es hat sich nur ein Freiwilliger gemeldet“, erklärt Dr. Holger Cramer. Vielleicht wird eine Folgestudie männerlastiger...

Info

Die Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte sucht für eine Studie Teilnehmer (18 bis 75 Jahre), die unter Bluthochdruck leiden und an einem zwölfwöchigem Yoga-Programm teilnehmen möchten.

Außerdem sucht sie in Kooperation mit der Kinder- und Jugendmedizin des Elisabeth-Krankenhauses Kopfschmerzpatienten zwischen 12 und 16 Jahren, die an vier Tagen im Monat unter Spannungskopfschmerz und oder Migräne leiden.

Info/Kontakt: Studien-NHK@kliniken-essen-mitte.de oder 174-13152.