Wie Spezialisten das Erbe des Altbergbaus pflegen wollen

Der Essener Historiker Karsten Plewnia ist Spezialist für Altbergbau und Mit-Initiator des Netzwerks Altbergbau-West. Unser Bild entstand in der Kohlenwäsche auf Zollverein, die das Ruhrmuseum beherbergt.
Der Essener Historiker Karsten Plewnia ist Spezialist für Altbergbau und Mit-Initiator des Netzwerks Altbergbau-West. Unser Bild entstand in der Kohlenwäsche auf Zollverein, die das Ruhrmuseum beherbergt.
Foto: Michael Korte/ FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Essener Historiker Karsten Plewnia hat das Netzwerk „Altbergbau West“ mit ins Leben gerufen. Die Spezialisten wollen alte Bergwerke erforschen und dokumentieren.

Essen.. Sie sind Geologen und Biologen, Archäologen und Historiker: Experten, die das kolossale Erbe des Altbergbaus pflegen und erhalten wollen. Einer von ihnen ist der Essener Geschichtswissenschaftler Karsten Plewnia (41), der über die Höhlenforschung zu den Altbergbau-Spezialisten fand. Vor einem Monat haben sie das neue Netzwerk „Altbergbau West“ ins Leben gerufen, die gleichnamige Webseite wird Mitte Januar freigeschaltet.

Wenn heute von den Hinterlassenschaften jener längst untergegangenen Bergbau-Ära die Rede ist, tauchen sie meistens in Kombination mit dem Wort „Problem“ auf: etwa als „Problem-Schacht“ auf der A 40 oder „Problem-Stollen“ am Hauptbahnhof. „Uns geht es darum, dass nicht sofort die Betonpumpe anrückt, wenn irgendwo ein Loch gefunden wird“, hält Plewnia dagegen. Er verweist auf das politische Motto des Bergbau- und Grubenarchäologischen Vereins Ruhr: „Untertage darf nicht untergehen“.

Weit über tausend Tagesöffnungen sind offiziell bekannt

Löcher und Schächte, Stollen und Strebe gibt es allein in Essen, der ehemals größten Bergbaustadt der Welt, in Hülle und Fülle. Weit über tausend Tagesöffnungen sind offiziell bekannt, hinzu kommen die Spuren des „wilden“ Bergbaus. Ob legal oder illegal: Noch längst nicht alles ist lückenlos erforscht und dokumentiert. Genau darum geht es Leuten wie Plewnia. „Wir sammeln keine Ansichtskarten von Fördertürmen, uns geht’s um die Situation untertage.“ So suchen die Altbergbauspezialisten insbesondere nach Tafeln, altem Grubenholz und hineingeritzten Inschriften.

In Kettwig kennt sich Plewnia besonders gut aus. „Die Zeche Erbenbank ist schon wegen ihrer Ausdehnung interessant, sie reicht von der Meisenburg bis an die Ruhr.“ Zeche Rudolph, bis Anfang der 60-er Jahre in Betrieb, gilt mit bis zu 100 Beschäftigten als größte in Kettwig. Die meisten Anlagen im südlichen Revier fallen hingegen unter die Kategorie „Kleinstbergbau“, im Volksmund „Zeche Eimerweise“. Viele seien in der Notzeit nach dem Weltkrieg illegal aufgefahren worden, damit frierendes Volk – eimerweise – Kohle für den heimischen Herd aus dünnem Flöz kratzen konnte.

Womöglich tödliche Konsequenzen

Auf Erbenbank haben die Altbergbauforscher einen Zugang zu einem „Erbstollen“ geschaffen, der die Entwässerung sicherstellt. „Der Stollen ist aber für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.“

Messerscharf grenzen sich Plewnia und seine Mitstreiter von „Schwarzbefahrern“ ab, die ohne Erlaubnis und auf riskante Weise verlassene Stollen und Schächte erkunden. Im Falle des „Erbstollens“ hätte diese Fahrlässigkeit dramatische, ja womöglich tödliche Konsequenzen. Plewnia: „Die matten Wetter dort sind lebensbedrohlich.“ Ähnlich wie Höhlenforscher und Erforscher verlassener Orte pflegen die Altbergbauspezialisten einen strengen Ehrenkodex. „Wir nehmen nichts mit nach übertage außer unsere Erinnerungen.“