Wie man professionell Konflikte löst

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Was ist „Mediation“? Fangen wir mal damit an, was es nicht ist: Die Entspannungsmethode „Meditation“, bei der bloß ein „t“ fehlt. Oder: „Es ist auch kein Streitschlichten“, sagt Anke Stockhausen, „ein Streitschlichter macht eigene Lösungsvorschläge und fällt Entscheidungen.“ Bei der Mediation dagegen machen das alles die Konfliktparteien. Das können streitende Eheleute sein, Nachbarn, die sich über die Höhe einer Hecke nicht einigen können, oder ein Arbeitgeber, der einem Arbeitnehmer Gewichtiges vorzuwerfen hat. Und umgekehrt.

Anke Stockhausen gehört zu den Teilnehmern des Lehrgangs „Ausbildung in Mediation“, den die VHS im vergangenen Jahr erstmals angeboten hatte. Gut ein Dutzend Bürger ließen sich von den Kurskosten – rund 2000 Euro – nicht abschrecken und lernten in acht Blöcken – 220 Zeitstunden, jeweils ganze Wochenenden, darunter auch zwei volle Wochen, die als Bildungsurlaub angerechnet werden –, wie man strukturiert Konflikte moderiert und auflöst. Denn das, nicht mehr und nicht weniger, ist „Mediation“. Am Ende steht eine schriftliche Vereinbarung, zu der sich die Konfliktparteien mit ihrer Unterschrift bekennen.

„Es gibt Gesetze zur Mediation“, erklärt Kursleiterin Monique Ridder, darin seien Ausbildungsinhalte und Verfahrensgrundsätze geregelt. „Die EU hat Interesse, dass die Mediation sich verbreitet.“ Denn: Sie hilft, Gerichtsprozesse gar nicht erst in Gang kommen zu lassen, spart also Zeit und Kosten. Doch nicht alles in der „Mediation“ ist geregelt, „auch wenn es schon einige Verbände gibt“, erklärt Monique Ridder: Kaum ein ausgebildeter Mediator kann von seiner Tätigkeit leben.

Auch Anke Stockhausen, die selbstständig unter anderem als Kommunikationstrainerin arbeitet, sieht ihre Ausbildung zur Mediatorin als Investition in ihren Beruf. „Der Lehrgang richtet sich vor allem an Bürger, die professionell Konflikte klären müssen, zum Beispiel auch Familienhelfer oder Mitarbeiter in Personalabteilungen“, sagt Monique Ridder.

In der Immobilienbranche tätig ist Antje Schmitz-Kreyenkamp, auch sie hat den Lehrgang „Mediation“ absolviert, um sich beruflich weiterentwickeln zu können: „Konflikte zwischen Mietern und Verwaltungen oder Eigentümern und Käufern gibt es immer“, sagt sie. Da helfe ihr die Tätigkeit als Mediatorin, professionell mit solchen Spannungen umzugehen. Doch Antje Schmitz-Kreyenkamp hat auch schon beobachtet: „Als Mutter von zwei Kindern ist die Mediations-Praxis im Alltag übrigens auch hilfreich.“

Wo sich ein Streit schon hochgeschaukelt hat, da kommen die Beteiligten ohne Vorwürfe kaum noch aus: „Jeder Vorwurf ist ein nicht erfülltes Bedürfnis“, sagt Anke Stockhausen. „Das ist ein wichtiger Grundsatz, den man als Mediatorin beachten muss.“