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Wie die Hooligans der „Alte Garde Essen“ die RWE-Fanszene beherrschen

25.10.2013 | 05:30 Uhr
Wie die Hooligans der „Alte Garde Essen“ die RWE-Fanszene beherrschen
„Keine Politik im Stadion – nur der RWE“: Das forderten nach der Gewaltandrohung beim Fanprojekt die „Ultras Essen“, die Hooligans der „Alten Garde“ und andere Gruppen.Foto: Michael Gohl

Essen.   Die Hooligans der „Alten Garde Essen“ sollen es gewesen, die Mitarbeiter und Gäste des Fanprojektes vor der Vorführung des Films „Undercover unter Nazis“ bedroht haben. In der Fanszene ist das ein offenes Geheimnis. Trotzdem wurden die vielen bekannten Täter nicht angezeigt.

Gegen Rassismus und Diskriminierung in Fußball-Stadien engagieren sich DFB und Bundesliga seit Jahren. Für Ultras, die der organisierten Fanszene von Rot-Weiss Essen angehören, wäre es dagegen ein Wagnis, mit Bannern gegen Rassisten Stellung zu beziehen: Denn statt des Rechts auf freie Meinungsäußerung gilt im Block das Recht des Stärkeren. Körperlich überlegen sind den oft jugendlichen Ultras die Hooligans der „Alten Garde Essen“. Die T-Shirts der Kampfsportler, die diese sogar über einen Online-Shop vertreiben, sollen laut Augenzeugen einige der 20 Männer getragen haben, die am 16. Oktober Mitgliedern und Gästen des Awo-Fanprojektes Schläge androhten .

Die Täter hatten so die Vorführung des Dokumentarfilms „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ über die Neonazi-Musikszene verhindert. Den Film zeigt RWE nun wie berichtet am 22. November im Assindia-Bereich des Stadions.

„Alle haben Angst vor denen“

Nach dieser Grenzüberschreitung der Hooligans, von denen auch die Sozialarbeiter des Fanprojektes einige namentlich kennen sollen, hatten viele RWE-Fans auf Konsequenzen gehofft. „Warum zeigt die Leute der Alten Garde keiner an, obwohl jeder weiß, dass sie es waren?“, empört sich einer, der sich auskennt in der Fanszene. Er liefert die Antwort hinterher: „Weil sie alle Angst vor denen haben.“

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So verwundert auch die paradoxe Reaktion auf das Bedrohungsszenario nicht. Während beim Spiel gegen Lippstadt Zuschauer auf der Haupttribüne vereinzelt Stellung bezogen („Kein Bock auf Nazis“), stellte sich die Westtribüne sogar – scheinbar – hinter die Schlägertruppe, indem sie deren Zensur-Forderung auf Spruchbändern wiederholte: „Keine Politik – nur der RWE“. „Es ist die alte Masche“, sagt Martin Endemann vom bundesweit vernetzten Bündnis aktiver Fußball-Fans (BAFF): „Mit dem Slogan wird antirassistisches Engagement als linksextrem diffamiert.“ An der Hafenstraße hätten Hooligans bereits 2008 eine Ultra-Gruppe eingeschüchtert und zur Aufgabe gezwungen, so Endemann.

Von den „Ultras Essen“, der größten Ultra-Gruppierung, hatten sich in den vergangenen Jahren außerdem mehrfach größere Gruppen verabschiedet. Insider berichten, zur Zersplitterung habe beigetragen, dass „Ultras Essen“ allergisch auf vermeintlich politische Themen reagierte. Bei RWE, so Endemann, engagiere sich heute keine Gruppe offen antirassistisch, weil die Alte Garde dies verbiete.

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Wenn RWE-Chef Michael Welling also fordert, im Stadion müsse Platz für den Kampf gegen Diskriminierung und menschenverachtende Regime sein, widerspricht das dem „Politikverständnis“ der Ordnungsmacht im Block und dem tatsächlich gesellschaftlich desinteressierten Mehrheit dort. Dass die Hooligans Politik machen, indem sie entscheiden, welche Filme nicht gezeigt und welche Fahnen nicht geschwenkt werden dürfen, beklage auch unter RWE-Fans längst niemand mehr öffentlich, sagt ein weiterer Szenekenner: „Wer will sich schon von Kampfsportlern bedrohen lassen?“

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Kommentare
28.10.2013
08:18
Wie die Hooligans der „Alte Garde Essen“ die RWE-Fanszene beherrschen
von Grover | #25

aus diesem Grunde wird RWE nie wieder im Deutschen Profifussball spielen.

RICHTIG SO !!!!

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Wie die Hooligans der „Alte Garde Essen“ die RWE-Fanszene beherrschen
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/wie-die-alte-garde-essen-die-rwe-fanszene-beherrscht-id8599321.html
2013-10-25 05:30
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