Essen
Wie der Vater, so der Sohn
30.05.2009 | 23:50 Uhr 2009-05-30T23:50:00+0200Am Uniklinikum hält der Nephrologe Prof. Dr. Thomas Philipp seine Abschiedsvorlesung, sein Sohn Dr. Sebastian hält seine Antrittsvorlesung.
Ein außergewöhnliches, bundesweit wohl einmaliges Ereignis steigt in Kürze am Universitätsklinikum: Vater und Sohn geben am Freitag, 5. Juni, um 15 Uhr, im Audimax des Universitätsklinikums, ihre gemeinsame Abschieds- und Antrittsvorlesung. Nach über 20 Jahren seiner Tätigkeit am Klinikum verabschiedet sich Prof. Thomas Philipp, bis 2008 Direktor der Klinik für Nephrologie (Nierenerkrankung). Sein Sohn, Privatdozent Dr. Sebastian Philipp, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie, wirft anlässlich seiner Habilitation „Einen Blick voraus".
Der Arztberuf hat in der Familie Philipp eine lange Tradition. „Wir wissen von Medizinern in den letzten fünf Generationen", erzählt Prof. Thomas Philipp. „Sowohl mein Ururgroßvater wie auch mein Urgroßvater waren Ärzte - der eine in Berlin, der andere in Montreux. Mein Großvater tanzte als Professor der Geologie etwas aus der Reihe, aber mein Vater war als Allgemeinmediziner tätig." Unter den vier Kindern des renommierten Nephrologen entschieden sich die Söhne Tobias und Sebastian für die medizinische Laufbahn. „Eine familiäre Belastung ist also nicht zu leugnen", schmunzelt der Vater.
Laut Erzählungen seiner Eltern, so der Professor, habe er sich bereits im zarten Alter von drei Jahren für diesen Lebensweg entschieden. Sohn Sebastian brauchte länger für diesen Entschluss: „Klar, war ich als Arztsohn geprägt und musste jahrelang begründen, warum ich nicht Arzt werden wolle, bis mir letztlich keine Argumente mehr eingefallen sind", lacht der 41-Jährige. „Aber ich habe mir immer schon gewünscht, mit Menschen zu arbeiten und Technik faszinierte mich auch. Und im Arztberuf lässt sich beides wunderbar vereinen."
Dass Vater und Sohn in einander so nahen Fachgebieten Fuß gefasst haben, ist für die beiden nicht verwunderlich. „Herz und Nieren hängen halt eng zusammen", so Prof. Philipp. „Schließlich steht schon im Buch der Psalme, Kap. 26.2: Erprobe mich Herr und prüfe mich, läutere meine Nieren und mein Herz."
Wissenschaftlich beschäftigte sich Thomas Philipp schon recht früh mit hohem Blutdruck: „Die Mechanismen im Körper, die den Blutdruck ansteigen lassen, waren mein Forschungsschwerpunkt." Der in Königsberg geborene 66-jährige Mediziner studierte in Mainz und arbeitete als Professor in Berlin und Karlsruhe bevor er 1988 dem Ruf ans Essener Uniklinikum folgte. In Zusammenarbeit mit Prof. Friedrich-Wilhelm Eigler und Prof. Christoph Brölsch baute er hier das Dialyse- und Transplantationszentrum auf, war von 1998 bis 2001 Ärztlicher Direktor des Klinikums.
Doch Philipp Senior wirkte nicht nur in Essen: So baute er beispielsweise 1989/90 in Maiduguri/Nigeria ein großes Dialysezentrum auf und richtete 2006 ein Transplantationszentrum in Nishni Nowgorod ein. „Seither wurden dort bereits 48 Patienten transplantiert", so der Mediziner, der im Ruhestand nun das machen darf, was er am liebsten macht: „Ich betreue ambulante, meist transplantierte Patienten und baue ein Dialysezentrum in Honduras auf", so Philipp. „Mein Beruf wird jetzt zum Hobby."
Sohn Sebastian entdeckte im Studium schnell seine Faszination für die Kardiologie, machte die Therapie der zur Verhinderung des Herzinfarktes und der daraus resultierenden Herzmuskelschwäche zu seinem Forschungsschwerpunkt. Nach Medizinstudium und Promotion in Berlin sowie Forschungsaufenthalten in Amerika kam Philipp Junior 2005 als Internist ans Uniklinikum, wurde nach kurzer Zeit Oberarzt in der Kardiologie. Obwohl der Vater Vorbehalte hatte, war der benachbarte Arbeitsplatz für den Sohn nie ein Problem: „In der Kardiologie war ich ein unbeschriebenes Blatt und wurde mit Aufgaben überschüttet, wie alle anderen auch." Der Arztberuf hat in der Familie Philipp eine lange Tradition: Prof. Dr. Thomas Philipp, bis 2008 Direktor der Klinik für Nephrologie am Uniklinikum, geht. Dr. Sebastian Philipp, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie, hat sich habiliert. Foto: WAZ, Rennemeyer

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