Wie 1000 Bewerber beim „Azubi-Speed-Dating“ um 550 Jobs kämpfen

Die Zeit läuft: Zehn Minuten hat Pascal Grünheit Zeit, Hermann Rapka von sich zu überzeugen.
Die Zeit läuft: Zehn Minuten hat Pascal Grünheit Zeit, Hermann Rapka von sich zu überzeugen.
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) lud zum „Azubi-Speed-Dating“ ein. Rund 1000 junge Leute machten mit, um einen möglichst guten Eindruck bei Arbeitgebern zu hinterlassen.

Essen.. Pascal Grünheit lässt es sich nicht anmerken, aber er ist etwas nervös. Kein Wunder, in nur zehn Minuten will er sein Gegenüber von sich überzeugen, typisch Speed-Dating eben. Dabei geht es aber nicht um die Suche nach einer neuen Partnerin, sondern um einen Ausbildungsplatz.

Der 20-Jährige will einen Ausbildungsplatz als Kaufmann für Groß- und Außenhandel bekommen. Deshalb ist der gebürtige Essener zum vierten „IHK-Azubi-Speed-Dating“ in die Philharmonie gekommen. 100 Unternehmen aus der Region stellen sich vor und möchten junge, motivierte Bewerber für sich gewinnen. Rund 550 freie Stellen gilt es schließlich für das nächste Ausbildungsjahr ab August zu besetzen. Auch Pascal Grünheit sieht das als Chance und ist vorbereitet.

Er nimmt Platz am Tisch der Firma Kettel Großküchen aus Essen. Nach einer förmlichen Begrüßung wird die Sanduhr umgedreht, die zehn Minuten laufen. Im Gespräch geht es um seinen bisherigen Werdegang, aber auch um Hobbys. Dass Pascal Grünheit Fußball im Verein spielt, scheint ganz gut anzukommen. „Einen Führerschein habe ich auch“, bestätigt der 20-Jährige auf Nachfrage. Er ist konzentriert. Im Gespräch stellt sich heraus, dass Auszubildende Aussicht auf eine Übernahme haben. Das spornt ihn an, denn „das ist ja nicht immer selbstverständlich“, sagt er nach dem Gespräch. Er findet, es sei eigentlich ganz gut gelaufen. Seine Bewerbungsmappe lässt er beim Geschäftsführer Hermann Rapka am Tisch zurück. Der will sich in den nächsten Tagen bei ihm melden. „Auf den ersten Blick sieht die Mappe ordentlich aus“, resümiert Rapka.

Vollständige Mappen machen guten Eindruck

Generell machten vollständige und ordentliche Mappen sowie ein motiviertes und interessiertes Auftreten einen guten Eindruck. „Erfahrungsgemäß müssen gute Azubis nicht unbedingt die besten Schulnoten haben. Es kommt im Betrieb auf die Praxis an, dafür möchten wir starke Anwärter gewinnen.“ Das Abitur hat der 20-Jährige bereits seit letztem Jahr in der Tasche. Da hat es allerdings nicht mehr geklappt mit einem Ausbildungsplatz. „Ich habe mich da voll auf mein Abi konzentriert und mich dann erst recht kurzfristig beworben“, erklärt er. Nach den Prüfungen hat er im Callcenter bei DHL gejobbt. „Klar wollte ich auf alle Fälle was machen und nicht das Jahr rumsitzen.“

Jetzt hofft er auf den Wunschjob. Die allerbesten Noten aus der Schule, sagt er, bringe er nicht mit. „Ich weiß aber, dass ich unbedingt eine Ausbildung zum Kaufmann für Groß- und Außenhandel machen will.“ Der junge Essener ist entsprechend motiviert. Zuhause hat er sich auf der Internetseite informiert, welche Unternehmen kommen und Bewerbungen mit Lebenslauf und einem passenden Anschreiben für seine Wunschfirmen vorbereitet. In einer der Bewerbungen hat er das Anschreiben offen gehalten. „Eine Mappe habe ich mitgenommen für ein Unternehmen, dass mir hier spontan noch gefällt.“

Zum Speed-Dating begleitet ihn seine Freundin. Auch sie ist auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, und da können sich die Zwei gegenseitig anstacheln.