Weststadthalle fehlt noch die eigene Szene
23.10.2011 | 20:22 Uhr 2011-10-23T20:22:00+0200
Essen. Die Weststadthalle ist frisch eröffnet, doch Essens Jugend kam in den ersten Tagen trotz viel Werbung nur kleckerweise. Zur Party von 1Live-DJ Jan-Christian Zeller kamen gerade mal 150 Besucher. Die Halle ist für rund 1000 Leute ausgelegt.
Nach Wildem Westen sah es nicht gerade aus, beim „Vieltakt-Festival“ am Samstag in der frisch neu eröffneten Weststadthalle. Erst am Sonntag sollte es voll werden, richtig voll: Hunderte, vorwiegend weibliche Teenies, kamen, um die deutsch-amerikanische Boyband „The Black Pony“ zu sehen, hören und umarmen. 400 Karten waren im Vorverkauf über den Tresen gegangen; an der Abendkasse gab’s Schlangen. „So muss es immer sein“, sagt Lars Wilke vom Jugendamt. Denn dann machen auch die Absperrungen vor der Bühne Sinn.
Wo DJ Jan-Christan Zeller auflegt, geht die Post ab. Meistens. Denn bei der Eröffnungsparty der „Weststadthalle“ am Freitagabend war das junge Publikum noch ziemlich zurückhaltend: Nur 25 Personen, verteilt an mehrere Stehtische, machten es sich zu Beginn in der Halle bequem. Am Ende sollten es gerade einmal 150 werden, die gemeinsam mit dem Eins-Live-DJ feierten. Ob’s am Ferienbeginn lag, dass nicht mehr kamen? Denn ein Publikumsmagnet war das Vieltakt-Festival mit Bands wie Team Stereo, Sun Arena und Freakatronic am Samstag auch nicht: 350 Leute kamen, in eine Halle, die auf 1050 Personen ausgelegt ist. Ein Eröffnungsflop? Nein, da sind sich Gäste und Veranstalter vom Jugendamts einig. „Dass hier eine richtig tolle Party-Location ist, muss sich in Essen erst noch herum sprechen“, meint etwa Kevin Mill, der als Gast die umgestaltete Halle mustert: „Echt gelungen! Es ist nur schade, dass so wenig los ist.“
60.000 Handzettel
Eigentlich sei die Band Freakatronic ein „Top Act“, betont Martin, der sich am Tresen ein frisch gezapftes Pils geholt hat. „Das hat zwei Euro gekostet, viel günstiger als in anderen Diskotheken“, so der Student aus Münster, der zur Neueröffnung extra angereist ist. „Die müssen mehr Werbung machen, dann klappt’s“ , ist seine Anregung ans Hallenteam.
Untätig waren Yvonne Bohun, Jahrgang 1988, und ihre jungen Kollegen jedoch nicht, im Gegenteil: 60.000 Handzettel haben die Veranstaltungskaufleute des Jugendamts gestaltet, drucken und verteilen lassen, im Internet eifrig die Werbetrommel gerührt, Schulen, Jugendhäuser, Verbände und Freunde mit Infos zur Eröffnung beliefert. „Es wird sicher etwas dauern, bis die Leute uns kennen und von alleine kommen“, betont Bohun.
„Die Akustik in der Halle ist super, große Klasse. Ich fühle mich hier wohl“, lautet der erste Eindruck von Kim Schluckwerder. Die 26-Jährige kennt die Halle noch von früher: „Sie hat sich gemacht.“ Dass die Toiletten besonders gut gelungen seien, meint hingegen Daniel Tomanic: „Dort sind alle Wände schwarz; dazu liegt Kreide aus, um sie zu bemalen. Echt cool.“ Yvonne Bohun hatte die Idee dazu: „Weil in Discos oft die Wände in den Toiletten beschmiert sind. Bei uns ist Beschmieren völlig legal und gewünscht, denn Kreativität mögen wir.“ Gebrauch haben in den ersten Tagen viele von der Kreide gemacht, sich mit Sprüchen und Symbolen verewigt. Im „Weststadthorizont“, einer von der Eventhalle abgetrennten Lounge samt moderner Bar, hat das junge Team des Jugendamts seinen Ideen ebenso freien Lauf gelassen: Die alten Scheinwerfer aus der Halle erfüllen nun einen neuen Zweck – als stilvolle Blumentöpfe.
Und wer mal ohne Geld in der Tasche vorbei kommt, der muss nicht verdursten: Kraneberger ist kostenlos. So steht’s auf der Karte. Das lässt sich Alexander Voß nicht zweimal sagen. Der 18-Jährige betreut die Essener Band „Eisbear“, die in Kürze in der Halle auftritt (siehe Box). „Was ihr noch fehlt, ist eine eigene Szene. Aber das wird schon“, ist er sich sicher. Es gehe nichts über Mund-zu-Mund-Propaganda. Dafür bot zumindest der Sonntagabend beste Voraussetzungen: Denn zum Konzert von „The Black Pony“ kamen Hunderte, zum Teil kreischende, Teeniemädchen – zum ersten und hoffentlich nicht letzten Mal.
Termine: Lesungen, Konzerte und Messen
Unter dem Titel „WestStadtStory“ startet am Samstag, 29. Oktober, ein neuer, monatlicher „Poetry Slam“ in der Lounge der Halle, dem „Weststadthorizont“. Junge Gedichte- und Geschichtenschreiber duellieren sich wortgewandt auf der Bühne. Erlaubt ist fast alles, so lange es selbst geschrieben ist. Essens Slampoet Jay Nightwind moderiert den Abend. Los geht’s um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Am Montag, 31. Oktober, gibt Sebastian Wurth, bekannt von „Deutschland sucht den Superstar“, ein Konzert in der Halle. Einlass ist ab 17 Uhr. Bevor Wurth auftritt, heizen die Jungs der Essener Band „Eisbear“ ab 18 Uhr auf der Bühne ein. Karten gibt’s für 13.50 Euro im „Weststadthorizont“ und auf www.weststadthalle.de. Die Lounge mit Bar ist dienstags bis samstags ab 16 Uhr und bis mindestens 22 Uhr geöffnet.
Bei der „Unplugged Sessions“ bringt die Band „Rotative“ ihren Akustik-Set auf die Bühne – am 5. November ab 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Am 9. November heißt es ab 18 Uhr „Sunset Clubbing“ mit Nils König (Eins Live Rocker und Freunde). Der Eintritt ist frei.
„Ich bin dann gezz ma wech“ ist am 25. November von 10 bis 17 Uhr bei der Jugendfachmesse für Auslandsaufenthalte Thema. Jugendliche ab 15 Jahren von weiterführenden Schulen können sich dann über Auslandsaufenthalte informieren.

23:21
#7 Und was können die Macher der Weststadthalle dafür, was der WAZ-Fotograf für Motiv-Vorlieben hat? Und wer sagt, dass man eine ganze Event-Location nach diesen Fotos vorverurteilen muss, ohne sich wenigstens vor deftiger Kritik mal ein eigenes Bild zu machen? Es ist doch eine komische Entwicklung, dass man heute zu allem sofort eine schlechte Meinung haben muss, ohne überhaupt mal selbst was gesehen oder erlebt zu haben.Jeder nehme sich mal die gruseligsten Fotos von sich selbst und stelle sie ins Netz. Fortan lebe man damit hässlich zu sein, obwohl nur das Foto nix taugt... Alles so schön einfach! :o)
23:05
@6
Der erste Eindruck zählt - und ich muss zugeben, wenn ich etwa eine Mülltonne oder einen Jüngling, der sein bestes Stück festhält, sehe, spricht mich das auch nicht an.
16:48
#3 Wenn man Fotos lesen kann, kann man das. Wenn in disco-typischen Bereichen mit Blitz der Vordergrund aufgehellt wird (wie bei ihrem Lieblingsfoto mit der Mülltonne), säuft der Hintergrund fast immer düster ab. Schauen sie sich mal den Hintergrund des Fotos mit den Organisatoren an, dann sehen sie wie es wirklich dort aussieht und das hat nichts von Keller, sondern ist eine moderne, angenehme Umgebung!
16:07
Der Laden wird doch nie eine Szene bekommen.
5 Euro Eintritt und die Getränkepreise, teuer!
Da spielen Bands die keine Sau kennt, bis auf Freakatronic. Jugendliche haben vllt. 20 Euro im Durchschnitt pro Monat, einmal die Weststadhalle besuchen und ein- zwei Bier und das Geld ist weg.
Außerdem sollten Jugendhäuser wie es die Weststadthalle ja eigentlich sein soll, günstig sein. Kein Gewinn machen und wenn dies für Events investieren. Entweder Top Acts für wirklich gute Preise oder Lokale Bands und richtig gute Preise.
13:01
PS:
Das Foto des Jungen Herrn in den sanitären Räumen ist wirklich klasse - in der einen Hand hält er die Kreide, in der anderen seinen.... .Zumindest sieht es stark danach aus.
12:56
@2
Auch und gerade aufgrund eines Fotos kann man sich einen ersten Eindruck verschaffen. Und im Übrigen habe ich mir sehr wohl auch die anderen Bilder angeschaut – hier sehe ich etwa Pissoirs auf dem einen, die Mülltonne in Großaufnahme auf dem anderen Foto. Wenn dies für Sie so einladend ist, dann unterscheiden wir uns wohl.
12:11
#1 Ein Foto gesehen und direkt wieder motzen. So kennt man das..... Schauen sie sich mal die anderen Fotos genau an oder gehen sie vorbei, dann kann von Keller jawohl keine Rede sein. Ob die Weststadthalle deshalb erfolgreich sein wird, steht auf einem anderen Blatt.
21:54
Oh man, ist das Foto ganz oben, auf dem die Bühne zu sehen ist, etwa das Ergebnis des Umbaus? Wenn ja, dann gute Nacht. Da hat man den Saal zu einem überdimensionalen Kellerraum umgebaut. Offenbar gehen die Verantwortlichen davon aus, dass Jugendliche am liebsten im weiß gestrichenen Keller, mit ein paar Partyleuchten unter der Decke, sitzen. Kälter und geschmackloser kann man einen Raum wirklich nicht gestalten. Und was wurde hier umgebaut? Ich kann nur erkennen, dass sämtliches Inventar verschwunden ist und nun eine blaue Mülltonne den einzigen Akzent im Saal setzt. Wahrscheinlich hat die mit dem Umbau beauftragte Firma das vorherige Inventar noch zu Geld gemacht und lacht sich kaputt.