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Konkurrenz betrieb Telefonterror

03.10.2012 | 15:14 Uhr
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Konkurrenz betrieb Telefonterror
Michael Gerdiken in seinem Geschäft an der Abteistraße.Foto: Oliver Müller

Essen-Werden. „Die Schlüsseldienstfalle“ lautete der Titel einer Reportage, die der Norddeutsche Rundfunk in der vergangenen Woche ausstrahlte. Darin wurde ein gestellter Fall gezeigt, in dem ein Kunde 360 Euro am Wochenende an einen dubiosen Schlüsseldienst zahlen musste.

Beim Fernseh-Team dabei war Michael Gerdiken. Er ist Inhaber der „Gebrüder Füth Sicherheitstechnik“ an der Abteistraße. Ein alteingesessenes Geschäft, das einen Schlüsseldienstes betreibt und Eisenwaren verkauft. Paul Füth selber ist 2004 in den Ruhestand getreten.

NDR-Team war in Werden zu Gast

Michael Gerdiken hat unter den „drei bis vier Schwarzen Schafen dieser Branche zu leiden, die unliebsame Konkurrenz aus dem Weg räumen wollen“. Das NDR-Team begleitete ihn zu Hause, im Geschäft und bei Gericht. Der 46-Jährige betreibt einen Schlüsselnotdienst rund um die Uhr.

Eines der Konkurrenz-Unternehmen terrorisierte Gerdiken telefonisch: „Die riefen mich mehrfach nachts an und wollte beweisen, dass ich den Nachtdienst nur vortäusche.“ Dann klagte diese Firma gegen den Werdener Geschäftsmann wegen unlauteren Wettbewerbs. Eine Praktik, die schon mit anderen Schlüsseldiensten erfolgreich geübt worden war.

Nicht so mit Gerdiken. Im März dieses Jahres kam es zu einem mehrstündigen Prozeß vor dem Essener Landgericht. Die Richterin wies die Klage ab. Gerdiken konnte mit Telefonausdrucken belegen, das gleich, nachdem der Anrufer sich gemeldet hatte, sofort wieder aufgelegt worden war.

Knapp unter der Wuchergrenze

„So wollen diese Firmen preiswertere Konkurrenten vom Markt verdrängen“ erklärt Gerdiken und betont, dass die meisten Türen sich in Sekundenschnelle öffnen ließen. Sein Preis liegt bei 65 Euro. Die überregional agierenden Unternehmen verlangen mehr als 140 Euro und bleiben damit knapp unter der Wuchergrenze.

Zudem wird mit kleinen Tricks gearbeitet. Sie täuschen Ortsansässigkeit vor. Im Branchenbuch ist die örtliche Rufnummer eingetragen. Es sind Scheinfirmensitze. Gerdiken: „Die Anrufe landen in einem Call-Center. Fremde Monteure werden dann mit dem Kundendienst beauftragt.“ Die Geschäftsnamen beginnen meist mit den ersten Buchstaben des Alphabets, damit man auf den Gelben Seiten weit vorne steht.

Ob er sich bedrängt fühle? „Nein“, sagt Michael Gerdiken, „zumal das Unternehmen vor Gericht erfuhr, dass meine Frau bei der Steuerfahndung tätig ist.“

Harald Gedenk

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