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Bauvorhaben Grüne Harfe

Erst die Gutachten abwarten

01.02.2012 | 15:37 Uhr
Erst die Gutachten abwarten
nehmen die Plan-Modelle in Augenschein. Die plastische Darstellung vermittelt einen Eindruck von der Topographie des Areals.

Essen-Werden. „Die Bürgerbeteiligung kommt zu früh.“ Auf dieses Fazit einigte sich die Bezirksvertretung nach ausführlicher Diskussion über erste Bebauungspläne und -modelle für die Grüne Harfe. Diese werden dem städtischen Ausschuss für Stadtplanung und -entwicklung heute ebenfalls vorgestellt.

Nach den Vorstellungen des Amts für Bauleitplanung hätten die Entwürfe im Rahmen einer öffentlichen Anhörung bereits am 5. März in der Aula des Werdener Gymnasiums präsentiert werden sollen. „Wir haben überhaupt keine Bedenken gegen eine Bürgerbeteiligung. Aber wir bitten um eine Verschiebung bis Mai“, so fasste Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann das Ergebnis einer fast einstündigen, engagiert geführten Debatte zusammen.

Zu deren Beginn bemühte sich Planerin Eva Fendel, Optimismus zu versprühen. „20 Jahre nach dem Bebauungsbeschluss können wir endlich loslegen. Ich freue mich auf das Projekt, das wird eine spannende Sache.“

Um eine klassische Reihenhaussiedlung handele es sich in keinem Fall. Den Käufern stünden „ordentlich große“ Grundstücke zur Verfügung, mit ausreichend Platz für Garagen und Carports. Sichtachsen ermöglichten weiterhin Fernblick in Richtung Villa Hügel. In jedem Fall werde ein bis zu 600 Quadratmeter großer Kinderspielplatz angelegt. Die Topographie des Areals mit bis zu 26 Metern Höhenunterschied habe Fantasie und Kreativität beflügelt. CDU-Ratsherr Hanslothar Kranz stimmte in den Jubel ein: „Ich höre überall in Heidhausen, wie sehr sich die Menschen freuen. Schulen, Kindergärten, Einzelhandel, alle werden davon profitieren, dass dort gebaut wird.“

Von der Begeisterung der beiden wollten sich die Bezirksvertreter aber nicht so recht anstecken lassen. Patrick Widmaier, Fraktionssprecher der CDU, monierte, dass keiner der drei Entwürfe alle Vorgaben jenes Beschlusses erfüllt, der aus dem Moderationsverfahren hervorgegangen war. Alle Varianten gehen über die maximal geforderte Höchstgrenze von 100 Wohneinheiten hinaus.

Übereinstimmend wurde die Sorge deutlich, dass mit Plänen, die den Eindruck erwecken können, bereits beschlussreif zu sein, „etwas übers Knie gebrochen wird“, wie es Gerald Janke (Linke) auf den Punkt brachte. Denn schließlich stünden zwei wesentliche Gutachten noch aus: Zum einen die INWIS-Studie, die den tatsächlichen Bedarf an Wohnraum feststellen soll, zum anderen eine Untersuchung zum bevorstehenden Verkehrsaufkommen. „Bevor wir die Gutachten nicht kennen, können wir die Lage nicht beurteilen“, so Janke.

Bauleitplanerin Fendel versuchte ihre Position zu verteidigen. „Es ist richtig, dass die INWIS-Studie schon vorliegen sollte. Sie wird uns aber auch nichts anderes sagen, als das, was sich am Immobilienmarkt abspielt.“ Sprich: Grundstücke in Heidhausen sind heiß begehrt. „Was die Verkehrsbelastung betrifft, handelt es sich um eine Marginalie im Vergleich zur bestehenden Situation. Wir werden es mit 1000 zusätzlichen Fahrzeugbewegungen pro Tag zu tun bekommen.“ Dies sei das zu erwartende Ergebnis einer Verkehrsuntersuchung im Rahmen der Bauleitplanung.

Dr. Frank Roeser (parteilos) warnte wiederholt, die Planung Grüne Harfe von einem Verkehrskonzept für ganz Werden abzukoppeln. „Hier besteht die vielleicht einmalige Gelegenheit, beide Dinge beim Schopf zu packen. Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen“.

Seine BV-Kollegen schlugen in dieselbe Kerbe. Peter Maas, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Grüne, pochte darauf, dass die vereinbarte Quote von 40 Prozent unbebauter Fläche eingehalten wird. Fraktionskollegin Susanne Berger erinnerte erneut daran, wie notwendig es ist, beim Individualverkehr neue Wege zu beschreiten: „Die Feinstaubbelastung im Werdener Zentrum ist längst überschritten.“ Umso wichtiger sei es, dauerhaft Entlastung zu schaffen, so wie es am Ende des Moderationsverfahrens festgelegt wurde.

Roeser forderte zudem dazu auf, sich von „zwei Märchen“ zu verabschieden, die der Grundstückseigentümer immer weiter verbreite. „Das wird keine Wohngegend für Führungskräfte von Thyssen-Krupp“, sagte er. „Von großzügiger und moderater Bebauung kann überhaupt keine Rede sein.“ Außerdem müsse man künftige Eigentümer warnen: „Hier hat tagesnaher Bergbau stattgefunden. Niemand kann sagen, welche Probleme auf Hausbesitzer zukommen.“

Eva Fendel: „Wir befinden uns ganz am Anfang des Verfahrens. Die Verwaltung kann lediglich Vorschläge unterbreiten, die Entscheidung liegt bei der Politik.“ Frühestens im Mai, vorausgesetzt die ausstehenden Gutachten liegen vor, möchte die Bezirksvertretung also in die Bürgerbeteiligung einsteigen. Nach anstrengendem Kreuzverhör durfte eine sichtlich erschöpfte Eva Fendel ihre Modelle wieder in Kartons verpacken. „Ich denke, die Bezirksvertretung IX ist ihrem Ruf als kritische Instanz gerecht geworden“, resümierte Dr. Bonmann.

Henrik Stan

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